Die Deutsche Demokratie

Die Deutsche Demokratie

Veröffentlicht

Donnerstag, 07.05.2026
von Red. TB

Die deutsche Demokratie gilt weltweit als vorbildlich – jedenfalls solange die Wähler das Richtige wählen. Seit Jahren demonstrieren CDU, CSU, SPD, Grüne und FDP eindrucksvoll ihre einzigartige Fähigkeit, eine Partei gleichzeitig als „irrelevant“, „gefährlich“, „demokratiefeindlich“ und „leider stärkste Kraft in den Umfragen“ zu bezeichnen.

Die AfD wiederum bedankt sich höflich für jede neue Empörungsrunde mit zwei weiteren Prozentpunkten in den Umfragen.

Besonders kreativ zeigt sich der politische Betrieb inzwischen im parlamentarischen Hochleistungssport „Wie verhindere ich demokratische Normalität?“ Ausschussvorsitze? Lieber unbesetzt. Vizepräsidentenposten? Schwieriges Signal. Normale Debattenkultur? Gefahr für die Brandmauer. Geschäftsordnungen werden mittlerweile häufiger angepasst als die Öffnungszeiten deutscher Bürgerämter.

Und nun droht der Super-GAU: Sachsen-Anhalt könnte irgendwann auf die absurde Idee kommen, Wahlergebnisse ernst zu nehmen. Die AfD könnte dort theoretisch sogar eine Regierung bilden. Für diesen Fall laufen in Berlin vermutlich bereits Krisensitzungen unter dem Arbeitstitel „Operation Demokratie retten vor demokratischen Ergebnissen“.

Mögliche Maßnahmen:

  • Einführung eines TÜV-Siegels für genehme Wahlergebnisse
  • Verbot von Mehrheiten ohne Zustimmung der Grünen
  • Einrichtung eines „Verfassungsschutzvorbehalts für Ministerpräsidenten“
  • oder direkt die Ausgliederung Sachsen-Anhalts als EU-Beobachtungsgebiet

CDU und CSU wirken dabei zunehmend wie ehemalige Monopolisten, die plötzlich feststellen, dass Kunden auch woanders einkaufen können. Jahrzehntelang war konservativ wählen einfach: CDU ankreuzen und fertig. Nun steht plötzlich Konkurrenz im Regal – und statt das eigene Produkt zu verbessern, diskutiert man lieber darüber, ob der andere Laden überhaupt geöffnet haben darf.

SPD, Grüne und FDP wiederum erklären den Bürgern täglich, warum deren Sorgen zwar verständlich seien, aber leider falsch priorisiert, toxisch aufgeladen oder nicht wissenschaftlich genug formuliert wurden.

Das Ergebnis ist politisch beeindruckend: Eine Partei, die man seit Jahren moralisch isolieren möchte, wächst fröhlich weiter. Offenbar reagieren manche Wähler allergisch auf den Satz: „Diese Meinung darf man zwar haben, aber bitte nicht wählen.“

Die eigentliche Ironie: Je öfter man erklärt, die Demokratie müsse vor bestimmten Wählern geschützt werden, desto mehr Menschen fragen sich irgendwann, wer hier eigentlich vor wem geschützt werden soll.

Und irgendwo in einem Berliner Konferenzraum sitzt vermutlich bereits eine Arbeitsgruppe mit PowerPoint-Präsentation:
„Wie stärken wir das Vertrauen in die Demokratie, ohne Wahlergebnisse akzeptieren zu müssen?“

Bildnachweis:

GDJ (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 07.05.2026

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