Der Papst empfängt also Marco Rubio. Man kann es auch so lesen: Wenn die Weltpolitik nicht mehr weiterweiß, versucht man es eben mit einem Gespräch im Vatikan – dort, wo man seit Jahrhunderten Erfahrung mit schwierigen Fällen hat.
Rubio reist an, trifft alles, was Rang und Namen hat, und darf sich vermutlich anhören, dass „Dialog wichtig“ sei. Eine Erkenntnis, die in Washington zuletzt eher unter „optional“ lief. Italien spricht schon von „Tauwetter“. Das ist optimistisch formuliert für eine Lage, in der zuvor mit erheblichem Aufwand verbrannte Erde geschaffen wurde.
Auslöser der Charmeoffensive: Donald Trump fühlt sich vom Papst missverstanden. Der hatte es gewagt, Krieg als „unmenschlich“ zu bezeichnen – ein Standpunkt, der im aktuellen sicherheitspolitischen Diskurs offenbar als kontrovers gilt. Trump wiederum warf dem Kirchenoberhaupt vor, auf der falschen Seite zu stehen. Moral ist eben auch eine Frage der Perspektive.
Der Papst zeigt sich unbeeindruckt, erklärt, keine Angst zu haben, und rudert anschließend ein wenig zurück – vermutlich, um das Offensichtliche diplomatisch verträglicher zu formulieren. Gleichzeitig setzt er ein Zeichen, indem er einen ehemaligen illegalen Migranten zum Bischof macht. Man könnte fast meinen, im Vatikan habe jemand die Nachrichten aus den USA gelesen.
Meloni nennt Trumps Kritik „inakzeptabel“ und wird dafür prompt selbst kritisiert. So funktioniert transatlantische Freundschaft im Jahr 2026: Man ist sich eng verbunden – vor allem in der gegenseitigen Irritation.
Währenddessen eskaliert der Krieg weiter, Seewege werden blockiert, Raketen fliegen, und irgendwo versucht man ernsthaft, das alles mit diplomatischen Kurzbesuchen zu entschärfen. Rubio im Vatikan: Vielleicht ist es weniger ein politischer Termin als ein symbolischer Akt. Wenn schon keine Lösungen greifbar sind, dann wenigstens gute Fotos.

