Ontario spart – nur eben nicht über den Wolken: Doug Ford gönnt sich einen Privatjet für 21 Millionen Dollar

Ontario spart – nur eben nicht über den Wolken: Doug Ford gönnt sich einen Privatjet für 21 Millionen Dollar

Veröffentlicht

Montag, 20.04.2026
von Red. TB

Es gibt Politiker, die in Krisenzeiten Demut demonstrieren.
Und es gibt Doug Ford.

Während in Ontario Menschen mit Mieten, Lebensmittelpreisen und steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, dachte sich der Premier der kanadischen Provinz offenbar:

Was diese Lage jetzt wirklich braucht, ist ein gebrauchter Privatjet für knapp 29 Millionen kanadische Dollar.

Nicht etwa mehr Wohnungen.
Nicht niedrigere Preise.
Nicht symbolische Bescheidenheit.

Sondern:

ein Bombardier Challenger 650.

Gebraucht, wohlgemerkt.
Man will ja schließlich nicht verschwenderisch wirken.

Abgehoben? Nein, nur „für Regierungszwecke“

Fords Büro bestätigte den Kauf des Jets nach Medienberichten pflichtschuldig und bemühte sich sofort um die übliche politische Übersetzungsarbeit.

Das Flugzeug werde „nur für Regierungszwecke“ genutzt.
Es ermögliche „sicherere, flexiblere, vertraulichere“ Reisen.
Und überhaupt sei Ontario ja riesig – „doppelt so groß wie Texas“.

Ein schönes Argument.
Denn wenn ein Landstrich groß genug ist, scheint irgendwann jede Ausgabe automatisch patriotisch zu werden.

Privatjet?
Nein, nein.
Das ist keine Luxuslaune.

Das ist quasi fliegende Staatsraison.

Kampf gegen Trump – aber bitte in Ledersesseln

Besonders charmant ist die offizielle Begründung, das Flugzeug werde unter anderem für Fords Reisen in die USA benötigt, wo er gegen Donald Trumps Zölle lobbyiere.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

Der Mann will sich als Verteidiger der hart arbeitenden Ontarier gegen amerikanischen Wirtschaftsdruck inszenieren – und tut das im eigenen Businessjet.

Wahrscheinlich lautet die Botschaft dann ungefähr so:

„Ich kämpfe für eure Jobs.
Bitte entschuldigt, ich muss kurz in 12.000 Metern Höhe Champagner vermeiden.“

Es ist das seltene politische Kunststück, sich gleichzeitig als Volksversteher und VIP-Lounge-Patriot zu inszenieren.

Die Opposition findet einen Namen – und er sitzt

Fords Gegner reagierten entsprechend begeistert.

Sie tauften den neuen Regierungsflieger:

„Gravy plane“

Ein wunderbares Wort.
Es klingt nach Bratensoße, Selbstbedienung und politischem Speckgürtel zugleich.

Oppositionsführerin Marit Stiles brachte die Sache auf den Punkt:

„Er sollte Economy fliegen wie wir alle.“

Ein Satz, der in seiner Schlichtheit weh tut.
Denn genau da liegt das Problem:

Die Menschen in Ontario stehen im Supermarkt, rechnen an der Kasse nach, verschieben Urlaube, kämpfen mit Mieten.

Und der Premier kauft ein Flugzeug, das aussieht wie die Belohnung dafür, dass man zu lange in der Politik geblieben ist.

Die Standardausrede: Andere haben noch mehr Geld verbrannt

Wenn Regierungen in Erklärungsnot geraten, greifen sie gern zu einer sehr speziellen Form moralischer Buchhaltung:

„Ja, wir haben etwas Teures gekauft. Aber andere haben noch viel teurere Dinge gekauft!“

Fords Büro verweist daher darauf, dass:

  • Québec für mehrere Flugzeuge über 107 Millionen kanadische Dollar ausgegeben habe
  • die Bundesregierung sogar 753 Millionen Dollar für neue Maschinen bewilligt habe

Politisch übersetzt heißt das:

„Bitte konzentrieren Sie sich nicht auf unseren Privatjet. Schauen Sie lieber auf die noch größeren Jets anderer Leute.“

Das ist ungefähr so überzeugend wie:

„Ja, ich habe den Kühlschrank geplündert.
Aber mein Nachbar hat ein ganzes Buffet bestellt.“

Gebraucht ist das neue bescheiden

Besonders rührend ist der Versuch, den Kauf dadurch bodenständiger erscheinen zu lassen, dass es sich um einen gebrauchten Jet handelt.

Als hätte Ford gesagt:

„Ich höre die Sorgen der Menschen. Deshalb habe ich natürlich keinen neuen Privatjet gekauft. Ich bin ja kein Monster.“

Man muss diese Form politischer Sparsamkeit erst einmal würdigen.

Nicht der ganz große Luxus.
Nur der vernünftige Luxus.

Nicht dekadent.
Nur gebraucht-dekadent.

Ontario kennt das Drama – offenbar liebt es trotzdem

Das Beste an der Geschichte:
Ontario hatte diesen Film schon einmal gesehen.

Bereits 1981 geriet ein früherer Premier in massive Kritik, nachdem er einen Challenger-Jet gekauft hatte. Die Empörung war so groß, dass das Flugzeug später zum Luftrettungsflieger umgebaut und schließlich verkauft wurde.

Anders gesagt:

Ontario hat eine historische Beziehung zu politischen Flugzeugblamagen.
Es ist fast schon Tradition.

Man könnte auch sagen:

Manche Provinzen lernen aus Fehlern. Andere sammeln sie mit Flugstunden.

Doug Ford: schwache Umfragen, starke Startbahn

Ford regiert seit 2018, hat zwar drei Mehrheiten gewonnen, aber seine Beliebtheitswerte dümpeln bei etwa 31 Prozent herum.

Das ist ungefähr jener Bereich, in dem ein Politiker normalerweise Dinge tut wie:

  • sparsam auftreten
  • Bodenständigkeit simulieren
  • symbolisch auf Privilegien verzichten
  • wenigstens einmal mit Rollkoffer durch Terminal 3 laufen

Doug Ford dagegen entschied sich offenbar für den gegenteiligen Ansatz:

„Wenn mich schon wenige mögen, dann wenigstens stilvoll.“

Die eigentliche Pointe: Es geht nicht um ein Flugzeug. Es geht um Verachtungssymbole.

Natürlich kann man all das technokratisch verteidigen.

  • Charterflüge sind auch teuer.
  • Ontario ist groß.
  • Regierungsreisen müssen planbar sein.
  • Sicherheit, Vertraulichkeit, Effizienz, Blabla.

Alles richtig.

Und trotzdem politisch fast völlig irrelevant.

Denn in solchen Fällen geht es nicht zuerst um Logistik.
Es geht um Symbolik.

Und das Symbol ist brutal eindeutig:

  • unten: steigende Kosten, wirtschaftlicher Druck, soziale Unsicherheit
  • oben: ein Premier im Challenger 650

Das Problem ist nicht nur der Preis.
Das Problem ist das Bild.

Und das Bild schreit:

„Wir wissen, dass ihr kämpft. Aber wir fliegen trotzdem lieber privat.“

Fazit: Ein Mann des Volkes – mit eigener Startbahn

Doug Ford möchte, dass dieser Jet als Werkzeug guter Regierungsführung verstanden wird.

Doch für viele Ontarier dürfte er etwas ganz anderes sein:

  • ein fliegendes PR-Desaster
  • ein Symbol politischer Abgehobenheit
  • ein Luxusobjekt in einer Zeit, in der Bescheidenheit eigentlich Pflicht wäre

Vielleicht nutzt Ford den Flieger tatsächlich nur für Staatsgeschäfte.
Vielleicht spart er langfristig sogar Geld.
Vielleicht ist alles verwaltungstechnisch sauber.

Aber politisch bleibt vor allem dieser Eindruck:

Ein Premier mit miesen Umfragewerten kauft sich mitten in der Teuerungskrise einen Privatjet – und wundert sich dann, dass die Leute ihn für abgehoben halten.

Oder kürzer:

**Doug Ford wollte gegen Trump kämpfen.

Stattdessen führt er gerade Krieg gegen jede verbliebene Bodenhaftung.**

Bildnachweis:

Kim_R_Hunter (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 20.04.2026

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