Neuer Raketenangriff auf Kiew überschattet Vorstoß für Friedensgespräche

Neuer Raketenangriff auf Kiew überschattet Vorstoß für Friedensgespräche

Veröffentlicht

Donnerstag, 22.10.2026
von Red. TB

Ein erneuter russischer Raketenangriff auf Kiew hat die jüngsten diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges überschattet. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden am Mittwochabend mehrere Wohnhäuser getroffen und sechs Menschen verletzt. Wenige Stunden zuvor hatte Russland grundsätzliche Bereitschaft zur Wiederaufnahme von Friedensgesprächen signalisiert.

US-Präsident Donald Trump äußerte sich gleichzeitig optimistisch über die Verhandlungschancen. Eine Einigung sei möglicherweise näher als je zuvor, erklärte er. Konkrete Vereinbarungen über eine Waffenruhe wurden jedoch nicht bekannt.

Trumps Sondergesandter Steve Witkoff hatte am Mittwoch rund drei Stunden mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Sankt Petersburg gesprochen. Jared Kushner nahm per Videoschaltung teil. Am Vortag hatte Witkoff in Oslo den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie die Regierungschefs beziehungsweise Staatsoberhäupter Norwegens und Finnlands getroffen.

Nach Darstellung Selenskyjs ging es in Oslo unter anderem um Sicherheitsgarantien für die Ukraine und eine mögliche Waffenruhe im Energiebereich. Welche Vorschläge Witkoff anschließend Putin vorlegte, blieb öffentlich unklar. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow bewertete die eingebrachten Ideen zurückhaltend.

Uschakow stellte eine neue Gesprächsrunde um den 10. November in Abu Dhabi in Aussicht. Im Mittelpunkt müsse eine Sicherheitsordnung für Russland und die Ukraine nach Kriegsende stehen. Ein verbindlicher Termin wurde damit zunächst nicht bestätigt.

Selenskyj erklärte unterdessen in einem Interview mit Fox News, eine Waffenruhe entlang der derzeitigen Frontlinie akzeptieren zu können. Zunächst müssten die Kämpfe und das Töten beendet werden. Anschließend könne über weitergehende Sicherheitsgarantien gesprochen werden.

Unterschiedliche Darstellungen gibt es weiterhin zur militärischen Lage. Nach Angaben Uschakows betonte Putin gegenüber Witkoff, Russland besitze die strategische Initiative und rücke entlang der Front vor. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten widersprechen dieser Einschätzung und verweisen auf eine weitgehend festgefahrene Front.

Die Gespräche finden zudem vor dem Hintergrund belasteter Beziehungen zwischen Washington und Kiew statt. Streitpunkte sind unter anderem die amerikanische Sanktionspolitik gegenüber Russland und ukrainische Angriffe auf russische Energieanlagen.

Hinzu kamen ukrainische Vorwürfe, wichtige US-Frühwarninformationen über russische Raketenstarts seien zeitweise ausgeblieben. Washington wies eine gezielte Zurückhaltung zurück. Nach dem Treffen in Oslo erklärte Selenskyj, der Informationsaustausch funktioniere inzwischen wieder. Ungeklärt blieben Beschwerden des ukrainischen Militärs über Einschränkungen beim Satelliteninternetdienst Starlink.

Noch vor dem Treffen in Sankt Petersburg ließ Russland den US-Bürger Stephen Hubbard frei. Der 74-Jährige war wegen des Vorwurfs, für die Ukraine gekämpft zu haben, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Trump erklärte, für seine Freilassung sei kein Gefangenenaustausch erforderlich gewesen.

Eine Waffenruhe brachten die jüngsten Kontakte bislang nicht hervor. Der neue Angriff auf Kiew verdeutlicht die anhaltende Kluft zwischen diplomatischen Ankündigungen und der Lage der Zivilbevölkerung.

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am: Donnerstag, 22.10.2026

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