Der Frauenfußball boomt. Zuschauerrekorde, steigende Sponsorengelder und wachsende mediale Aufmerksamkeit vermitteln das Bild einer erfolgreichen Sportbranche. Doch hinter der glänzenden Fassade sieht die Realität für viele Profifußballerinnen anders aus. Eine aktuelle Untersuchung der internationalen Spielergewerkschaft FIFPRO zeigt erhebliche wirtschaftliche und soziale Probleme.
Besonders alarmierend: 49 Prozent der rund 800 befragten Spielerinnen erwägen, ihre Karriere vorzeitig zu beenden. Von diesen nennen 59 Prozent finanzielle Schwierigkeiten und 46 Prozent psychische Belastungen als Gründe.
Zwischen Millionenmarkt und finanzieller Unsicherheit
Zwar haben sich die inflationsbereinigten Durchschnittsgehälter im internationalen Frauenfußball seit 2017 verdreifacht. Mit monatlich 2.601 US-Dollar liegt der Durchschnittsverdienst inzwischen deutlich höher als früher.
Allerdings beträgt der Median lediglich 1.669 US-Dollar. Das bedeutet, dass die Hälfte der erfassten Gehälter höchstens diesen Betrag erreicht.
Die Zahlen verdeutlichen eine erhebliche wirtschaftliche Ungleichheit. Während einzelne Spitzenspielerinnen gut verdienen, reicht das Einkommen vieler anderer kaum aus, um langfristig finanzielle Sicherheit aufzubauen.
Auch in Deutschland bestehen Unterschiede. In der Frauen-Bundesliga liegt das durchschnittliche Monatsgehalt nach den vorliegenden Angaben bei rund 4.500 Euro. Daraus lässt sich allerdings nicht auf die tatsächliche Einkommenssituation jeder einzelnen Spielerin schließen.
Professioneller Sport braucht professionelle Arbeitsbedingungen
Besonders kritisch ist die unzureichende soziale Absicherung. Nur acht von 30 untersuchten nationalen Ligen verfügen über tarifvertragliche Regelungen der Arbeitsbedingungen.
Hinzu kommen psychische Belastungen. Insgesamt berichteten 57 Prozent der Befragten über entsprechende Probleme. Etwa die Hälfte dieser Spielerinnen erhielt nach eigenen Angaben keine Unterstützung durch ihren Verein.
Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Wer von Sportlerinnen professionelle Höchstleistungen verlangt, muss angemessene Vergütung, medizinische Versorgung und verlässliche Arbeitsbedingungen sicherstellen.
Kommentar: Wachstum allein ist kein Erfolg
Der Frauenfußball darf nicht denselben Fehler machen, den andere Wirtschaftszweige bereits begangen haben: steigende Umsätze feiern, während die Beschäftigten kaum vom Wachstum profitieren.
Natürlich können kleinere Vereine keine Spitzengehälter finanzieren. Aber zwischen Millionengehältern und einer wirtschaftlich unsicheren Existenz liegt ein erheblicher Gestaltungsspielraum.
Mindeststandards bei Gehältern, Vertragslaufzeiten, Gesundheitsversorgung und Altersabsicherung müssen deshalb stärker in den Mittelpunkt rücken.
Positiv ist die Entwicklung beim Mutterschutz. Der Anteil der Spielerinnen, die wegen einer geplanten Familiengründung über einen Ausstieg nachdenken, ist laut FIFPRO von 47 auf 19 Prozent gesunken.
Unser Fazit: Der Frauenfußball ist erst dann wirklich professionalisiert, wenn nicht nur wenige Stars gut verdienen, sondern möglichst alle Profispielerinnen unter fairen und wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen arbeiten können.
Redaktion diebewertung.at | 13. Oktober 2026


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