Österreichs Bundesländer aktuell: Was sich von Wien bis Vorarlberg gerade tut

Österreichs Bundesländer aktuell: Was sich von Wien bis Vorarlberg gerade tut

Veröffentlicht

Mittwoch, 23.09.2026
von Red. TB

Kultursteuer in Wien, Musikschulreform in Niederösterreich, Investorensuche im Burgenland, Streit um die Energie Steiermark und hohe Spritpreise in Tirol: Auch abseits der Bundespolitik gab es am Dienstag zahlreiche Entwicklungen. Der Überblick über alle neun Bundesländer.

Wien: Kultur-Euro endgültig Thema im Landtag

Der Wiener Landtag ist am Dienstag erstmals nach der Sommerpause zusammengetreten.

Die ÖVP brachte eine Aktuelle Stunde zum inzwischen abgesagten sogenannten Kultur-Euro ein. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hatte den Plänen für eine zusätzliche Abgabe auf Kulturtickets zuvor eine Absage erteilt.

Weitere Themen waren unter anderem die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ME/CFS beziehungsweise Long COVID, Mindestsicherung sowie die sogenannte „Auszeit-WG“ für unmündige Intensivtäter.

Gleichzeitig schlägt das Wiener Arbeits- und Sozialgericht Alarm. Die Arbeitsbelastung liege bei rund 140 Prozent. Derzeit arbeiten dort 35 Richter; nach Angaben des Gerichts wären mindestens neun zusätzliche Richter erforderlich. Besonders problematisch seien Verzögerungen bei Pflegegeld- und Kündigungsanfechtungsverfahren.

Niederösterreich: Größte Musikschulreform seit Jahrzehnten abgeschlossen

Niederösterreich hat seine umfassende Musikschulreform abgeschlossen.

Aus ehemals 113 Musikschulen entstanden 74 Schulen beziehungsweise Musikschulverbände. Ziel ist unter anderem eine effizientere Verwaltung und stärkere Zusammenarbeit zwischen Gemeinden.

Rund 40 Prozent der Musikschulkosten werden weiterhin von den Gemeinden getragen.

In Dürnstein wird gleichzeitig darüber diskutiert, wie viel Tourismus der kleine Wachau-Ort verträgt. Besonders an Spitzentagen treffen Kreuzfahrtschiffe, Busreisende, Radfahrer und Individualtouristen auf begrenzten öffentlichen Raum.

Burgenland: Mehr als 30 Interessenten für Lenzing-Standort

Für den von der Schließung bedrohten Lenzing-Standort in Heiligenkreuz gibt es nach Unternehmensangaben mehr als 30 Interessenten aus dem In- und Ausland.

Die Faserproduktion soll dort Ende 2026 eingestellt werden. Nun will Lenzing klären, ob ein Investor gefunden werden kann, der dem Standort eine neue wirtschaftliche Perspektive gibt.

Außerdem startet das Land ein Forschungsprojekt gegen den invasiven Götterbaum. An drei Standorten im Bezirk Neusiedl am See wird ein biologisches Verfahren getestet, bei dem ein spezieller Pilz die unerwünschten Bestände schwächen soll.

Oberösterreich: 180-Millionen-Projekt sorgt in Gmunden für Diskussionen

In Gmunden wird heftig über das geplante „Seeviertel“ diskutiert.

Das Projekt soll rund 180 Millionen Euro kosten. Geplant sind ein hochwertiges Hotel mit ungefähr 100 Zimmern sowie Wohnungen, die zur Finanzierung des Gesamtprojekts beitragen sollen.

Befürworter erwarten zusätzliche touristische Wertschöpfung. Kritiker befürchten dagegen zusätzliche Zweitwohnsitze und eine weitere Verteuerung des Wohnraums.

Bereits heute hat rund jeder fünfte Einwohner Gmundens dort lediglich einen Nebenwohnsitz.

Salzburg: ÖVP und FPÖ laut Parteiumfrage nahezu gleichauf

Eine von der Salzburger ÖVP in Auftrag gegebene Umfrage von Demox Research sieht ÖVP und FPÖ nahezu gleichauf.

Die ÖVP erreicht darin 29 Prozent, die FPÖ 28 Prozent. Befragt wurden 800 Personen; die angegebene Schwankungsbreite beträgt 3,5 Prozentpunkte.

Damit lässt sich aus diesen Zahlen kein belastbarer Vorsprung einer Partei ableiten. Politikwissenschafter Armin Mühlböck bezeichnete die Ausgangslage entsprechend als Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die Umfrage wurde von der ÖVP selbst beauftragt – ein Umstand, der bei der Interpretation berücksichtigt werden sollte.

Steiermark: Streit um neuen Investor für Energie Steiermark

Im steirischen Landtag fand eine Sondersitzung zur geplanten Kapitalerhöhung bei der Energie Steiermark statt.

Das Land ist derzeit Alleineigentümer. Für ein milliardenschweres Investitionsprogramm sollen jedoch neue Aktien ausgegeben und ein langfristiger Investor aus dem Banken- oder Versicherungsbereich gesucht werden.

Die geplante Kapitalerhöhung soll ungefähr 25 Prozent betragen; das Land soll Mehrheitsaktionär bleiben.

SPÖ und KPÖ kritisieren das Vorhaben als Teilprivatisierung. NEOS und Grüne bewerten die Kapitalbeschaffung weniger kritisch.

Die Energie Steiermark plant bis 2035 Investitionen von rund 5,8 Milliarden Euro in Netze, Erzeugung, Speicher und Wasserstoff.

Kärnten: Heizölpreise belasten Haushalte

In Kärnten stehen derzeit die deutlich gestiegenen Heizkosten im Mittelpunkt.

Der ORF berichtete am Dienstag über kräftige Preissteigerungen bei Heizöl und Pellets.

Nach einer regionalen Auswertung kostet Heizöl inzwischen rund 1,93 Euro je Liter und damit etwa 80 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch Pellets seien gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich teurer geworden.

Die Entwicklung trifft insbesondere Haushalte in ländlichen Regionen, die nur begrenzt auf andere Heizsysteme ausweichen können.

Tirol: Mattle fordert Untersuchung der Spritpreise

Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) fordert den Bund auf, die hohen Treibstoffpreise in Tirol offiziell untersuchen zu lassen.

Mattle verlangt entweder eine Preisuntersuchung nach dem Preisgesetz oder vergleichbare rechtliche Schritte.

Hintergrund sind sowohl Unterschiede zwischen West- und Ostösterreich als auch erhebliche Preisunterschiede innerhalb Tirols.

Mattle argumentiert, es gebe bisher keine ausreichende Erklärung dafür, warum Treibstoffe im Westen systematisch teurer seien.

Dabei handelt es sich zunächst um eine politische Forderung; eine behördliche Feststellung unzulässiger Preisabsprachen liegt damit nicht vor.

Vorarlberg: Kraftwerksprojekt spaltet die Region

In Vorarlberg läuft die öffentliche UVP-Verhandlung für das geplante Reststoffkraftwerk des Papier- und Verpackungsherstellers Rondo Ganahl in Frastanz.

Das Projekt soll rund 110 Millionen Euro kosten. Vorgesehen sind bis zu 160 Gigawattstunden Wärme und 60 Gigawattstunden Strom pro Jahr.

Der Projektwerber argumentiert mit geringerer Abhängigkeit von Erdgas, Arbeitsplatzsicherung und möglicher Nahwärmeversorgung.

Kritiker befürchten dagegen zusätzliche Emissionen, Verkehr, Müllimporte und Wertverluste bei Immobilien. Vor Beginn der Verhandlung demonstrierten nach ORF-Angaben zwischen 400 und 500 Menschen.

Parallel wird die Tourismusschule GASCHT neu organisiert. Hohenems wird als Standort aufgegeben und nach Bregenz verlegt, Bezau und Bludenz werden verkleinert. Land und Wirtschaftskammer wollen mehr als 13 Millionen Euro in den Ausbau des Standorts Bregenz investieren.

Stand: 23. September 2026, ca. 04:00 Uhr MESZ.

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syafrani_jambe (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 23.09.2026

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