ÖFB trennt sich von Schöttel – der Sportdirektor-Stuhl ist wieder frei

 ÖFB trennt sich von Schöttel – der Sportdirektor-Stuhl ist wieder frei

Veröffentlicht

Samstag, 12.09.2026
von Red. TB

Beim ÖFB wird wieder einmal umgebaut. Peter Schöttel ist nicht länger Sportdirektor des Österreichischen Fußballbundes. Der Aufsichtsrat machte am Freitag offiziell, was am Donnerstag ohnehin schon durch die Medienkabinen gepfiffen wurde: Nach neun Jahren ist Schluss.

Als Begründung nennt der Verband „unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der künftigen strategischen Ausrichtung und Ausgestaltung der Position“. Übersetzt aus dem Funktionärsdeutsch könnte das ungefähr heißen: Man war sich einig, dass man sich nicht einig ist.

Ganz überraschend kam die Entscheidung jedenfalls nicht. Bereits am Donnerstag war durchgesickert, dass Teamchef Ralf Rangnick – und nicht Schöttel – die interne Analyse der Weltmeisterschaft vor dem Aufsichtsrat präsentieren sollte. Wenn der Sportdirektor bei der großen Sportanalyse plötzlich nur noch Zuschauer ist, liegt zumindest der Verdacht nahe, dass die Karrierekurve gerade nicht steil nach oben zeigt.

## Abschied mit höflichem Handschlag

ÖFB-Aufsichtsratschef Josef Pröll bedankte sich artig für Schöttels Arbeit und verwies auf die vielen Erfolge der vergangenen Jahre. Man wünsche ihm „alles Gute und viel Erfolg“.

Schöttel selbst reagierte ebenfalls ohne öffentlichen Tischwurf.

„Ich nehme die getroffene Entscheidung zur Kenntnis“, ließ der 59-Jährige ausrichten und bedankte sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, insbesondere bei der Direktion Sport, für neun erfolgreiche Jahre.

Damit dürfte das Kapitel offiziell unter „professionelle Trennung ohne fliegende Sessel“ abgelegt werden.

## Neun Jahre, eine WM und zwei EM-Achtelfinali

Schöttel war seit 2017 beim ÖFB tätig. Zunächst übernahm der frühere Teamspieler die U19, im Oktober desselben Jahres wurde er nach dem Aus von Willi Ruttensteiner zum Sportdirektor befördert.

Seine Amtszeit war sportlich durchaus ereignisreich: Österreich erreichte bei den Europameisterschaften 2021 und 2024 jeweils das Achtelfinale und qualifizierte sich erstmals seit 1998 wieder für eine Weltmeisterschaft.

Bei der WM in Nordamerika schaffte es Österreich nach einem 3:1 gegen Jordanien, einem 0:2 gegen Argentinien und einem durchaus nervenschonenden – sofern man währenddessen keinen Puls hatte – 3:3 gegen Algerien in die K.-o.-Phase.

Dort war gegen den späteren Weltmeister beim 0:3 Endstation.

Schöttel war bei der WM vor Ort und hätte dem Aufsichtsrat ursprünglich auch seinen Turnierbericht präsentieren sollen. Dazu kam es allerdings nicht mehr. Sein letzter Arbeitstag entwickelte damit ein wenig die Dynamik eines Meetings, zu dem man zwar eingeladen ist, bei dem aber plötzlich jemand anderes die PowerPoint übernimmt.

## Kommt jetzt Sebastian Prödl?

Als möglicher Nachfolger wird bereits Sebastian Prödl gehandelt. Der ehemalige Nationalspieler ist seit Anfang 2025 sportlicher Leiter der ÖFB-Nachwuchsnationalteams.

Der 39-Jährige wurde damals auch auf Wunsch von Rangnick geholt und kümmert sich unter anderem um eines der immer wichtiger werdenden Themen im internationalen Fußball: Spieler, die aufgrund ihrer Herkunft für mehrere Nationalteams spielberechtigt sind.

Ob Prödl tatsächlich Schöttels Nachfolger wird, ist allerdings noch offen. Derzeit befindet sich die Personalie also dort, wo sich Fußballpersonalien besonders wohlfühlen: in der Gerüchteküche.

## Montag gibt’s die nächste Folge

Josef Pröll will sich am Montag um 14.00 Uhr bei einer Pressekonferenz zur weiteren Vorgehensweise äußern. Gleichzeitig präsentiert Rangnick seinen Kader für den Nations-League-Auftakt.

Es dürfte also Gesprächsstoff geben.

Fest steht vorerst nur: Peter Schöttels Zeit als ÖFB-Sportdirektor ist vorbei. Nach neun Jahren, einer WM-Qualifikation und zwei EM-Achtelfinali heißt es Abschied nehmen.

Und beim ÖFB beginnt die vielleicht schwierigste Disziplin überhaupt: einen neuen Sportdirektor zu finden, mit dem wirklich alle zufrieden sind.

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jarmoluk (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Samstag, 12.09.2026

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