Jimmy Kimmel ist womöglich doch noch nicht auf dem Weg ins amerikanische Late-Night-Museum.
Nachdem Anfang der Woche Berichte kursierten, seine Sendung „Jimmy Kimmel Live!“ werde nach mehr als zwei Jahrzehnten eingestellt, sieht die Lage inzwischen deutlich weniger endgültig aus: Kimmel und der Disney-Sender ABC verhandeln derzeit über eine Verlängerung der Show.
Das ist insofern bemerkenswert, als erst wenige Tage zuvor der Eindruck entstanden war, die traditionsreiche Late-Night-Sendung könne nach der laufenden Staffel Geschichte sein.
ABC hatte entsprechende Berichte allerdings schon damals zurückgewiesen.
Nun wird also verhandelt.
Oder, etwas nüchterner gesagt: Das angebliche Ende ist vorerst abgesagt, bis jemand tatsächlich unterschreibt.
Seit 2003 auf Sendung – und noch immer nicht fertig
„Jimmy Kimmel Live!“ läuft seit Januar 2003 auf ABC.
Kimmels aktueller Vertrag reicht bis Mai 2027. Anfang September hatte „Page Six“ berichtet, die Sendung werde nach Ablauf dieser Laufzeit beendet.
ABC dementierte.
Und nun ist klar: Gespräche über eine Verlängerung finden tatsächlich statt.
Solche Vertragsgespräche sind bei einer lang laufenden Sendung grundsätzlich nichts Außergewöhnliches.
Ungewöhnlicher ist eher das politische Umfeld, in dem sie stattfinden.
Denn Kimmel ist längst nicht mehr einfach nur ein Late-Night-Moderator, der Prominente interviewt und über missglückte Familienvideos scherzt.
Er ist seit Jahren einer der prominentesten Fernsehgegner Donald Trumps.
Und Trump wiederum hat sich in bemerkenswerter Konsequenz dafür eingesetzt, dass Kimmel diese berufliche Aufgabe irgendwann nicht mehr ausüben kann.
Trump und Kimmel: eine Fehde mit erstaunlicher Ausdauer
In den vergangenen zehn Jahren entwickelte sich Kimmel zu einem der schärfsten Trump-Kritiker im amerikanischen Fernsehen.
Trump reagierte ähnlich zurückhaltend.
Er forderte wiederholt, Kimmel müsse aus dem Programm verschwinden.
Im April dieses Jahres verlangte der Präsident erneut seine Entlassung, nachdem Kimmel einen Witz über First Lady Melania Trump gemacht hatte.
ABC unternahm damals nichts.
Kimmel verteidigte seinen Kommentar als vergleichsweise harmlosen Roast.
Damit war die Angelegenheit natürlich nicht erledigt.
Denn zwischen Trump und amerikanischen Late-Night-Moderatoren sind Auseinandersetzungen selten erledigt. Sie legen höchstens kurze Sendepausen ein.
Dann kam die FCC ins Spiel
Noch deutlich brisanter wurde die Situation bereits 2025.
Damals wurde Kimmel nach umstrittenen Äußerungen im Zusammenhang mit der Tötung Charlie Kirks vorübergehend von ABC suspendiert.
Der Vorsitzende der amerikanischen Medienaufsicht FCC, Brendan Carr, hatte öffentlich Druck auf den Sender ausgeübt.
Kritiker warfen der Regierung daraufhin vor, über eine Regulierungsbehörde Einfluss auf missliebige politische Satire nehmen zu wollen.
Der Streit ist bis heute nicht verschwunden.
Am 10. September veröffentlichte Kimmel ein vollständiges Interview mit dem demokratischen Senatskandidaten James Talarico aus Texas auf YouTube.
Kimmel erklärte seinen Zuschauern, das Gespräch werde wegen Drucks und Drohungen durch die FCC nicht im Fernsehen ausgestrahlt.
Also stellte er es eben ins Internet.
Was für einen Fernsehmoderator des Jahres 2026 offenbar die moderne Version von „Dann drucke ich es eben selbst“ ist.
Das Weiße Haus hält wenig von Kimmels Darstellung
Die Trump-Regierung weist Kimmels Vorwürfe zurück.
Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, FCC-Chef Carr habe Kimmel weder wegen des Interviews mit Talarico noch wegen anderer Kandidaten bedroht.
Das Weiße Haus warf dem Moderator vielmehr vor, eine falsche Erzählung über die Regierung zu konstruieren.
Damit stehen sich zwei sehr unterschiedliche Versionen gegenüber.
Kimmel sagt: politischer Druck.
Das Weiße Haus sagt: eingebildetes Drama.
Und ABC sitzt irgendwo dazwischen und verhandelt offenbar darüber, ob die Sendung weitergehen soll.
Amerikanisches Fernsehen war schon einmal weniger kompliziert.
Late Night ist ohnehin schon im Umbruch
Kimmels Vertragsverhandlungen finden zu einem Zeitpunkt statt, an dem die traditionelle amerikanische Late-Night-Landschaft kräftig schrumpft.
CBS stellte „The Late Show with Stephen Colbert“ im Mai ein.
Die Entscheidung war hoch umstritten.
Kritiker vermuteten, der Mutterkonzern Paramount habe Trump entgegenkommen wollen, während gleichzeitig eine Fusion mit Skydance auf die Zustimmung der Regierung angewiesen war.
CBS erklärte dagegen, die Entscheidung sei schlicht finanziell motiviert gewesen.
Wer wem aus welchem Grund einen Gefallen getan haben könnte, gehört damit inzwischen fast ebenso fest zum amerikanischen Fernsehgeschäft wie Monologe und Werbepausen.
Kimmel ist heute einer von nur noch drei großen klassischen Late-Night-Moderatoren bei den vier großen amerikanischen Networks.
Daneben bleiben Jimmy Fallon und Seth Meyers bei NBC.
Jon Stewart ist weiterhin bei „The Daily Show“ auf Comedy Central zu sehen, John Oliver und Bill Maher senden bei HBO.
Conan O’Brien hatte es bereits kommen sehen
Der frühere Late-Night-Star Conan O’Brien sagte schon 2025 voraus, dass das klassische Late-Night-Fernsehen, wie es Amerika seit ungefähr 1950 kenne, verschwinden werde.
Ganz so weit ist es noch nicht.
Aber die Liste wird kürzer.
Streaming, soziale Netzwerke, Podcasts und YouTube haben längst Teile jener Funktion übernommen, die früher fest in den Händen der großen Networks lag.
Politische Monologe verbreiten sich heute oft millionenfach als kurze Clips im Netz, lange bevor eine vollständige Sendung überhaupt relevant wird.
Kimmels jüngste Entscheidung, ein politisch umstrittenes Interview einfach auf YouTube zu veröffentlichen, zeigt ziemlich deutlich, wohin sich das Geschäft entwickelt.
Wenn das Fernsehen nicht will, gibt es eben noch das Internet.
Kimmel selbst hat mit dem Abschied immer wieder geflirtet
Dabei ist es nicht so, als hätte Jimmy Kimmel niemals über ein Ende nachgedacht.
Er sprach in den vergangenen Jahren mehrfach darüber, seine Sendung irgendwann aufzugeben.
Im Dezember 2025 verlängerte er seinen Vertrag bis Mai 2027.
Noch im Juni erklärte er allerdings, Gespräche über eine weitere Verlängerung hätten damals noch nicht begonnen und er wisse selbst nicht, was ABC vorhabe.
Bereits 2024 hatte er angedeutet, dass sich seine Zeit als täglicher Late-Night-Moderator möglicherweise dem Ende nähern könnte.
Die Vorstellung, tatsächlich aufzuhören, scheint ihn allerdings ebenfalls nicht restlos zu begeistern.
Die Angst vor dem Comeback nach dem großen Abschied
In einem Podcast erklärte Kimmel im August, er habe keineswegs vor, komplett in den Ruhestand zu gehen.
Er werde nie vollständig aufhören, Dinge zu machen.
Gleichzeitig beschäftige ihn die Vorstellung, seine Show zu beenden und die Entscheidung später zu bereuen.
Er kenne Menschen, die groß verkündet hätten, nun endgültig Schluss zu machen – nur um später mit einem weniger erfolgreichen Versuch zurückzukehren und dasselbe noch einmal zu tun.
Kimmel fragt sich nach eigenen Worten, ob ihm genau das ebenfalls passieren könnte.
Eine durchaus ehrliche Sorge.
Denn im Showgeschäft ist „endgültiger Abschied“ bekanntlich einer der flexibelsten Begriffe überhaupt.
Ausgerechnet jetzt könnte Kimmel bleiben
Die Ironie der aktuellen Situation ist schwer zu übersehen.
Noch vor wenigen Tagen schien die Schlagzeile zu lauten:
Jimmy Kimmel hört auf.
Nun lautet sie eher:
Vielleicht doch nicht.
Und während Trump seit Jahren öffentlich davon träumt, dass ABC Kimmel endlich aus dem Programm nimmt, könnte der Sender dem Moderator stattdessen einen neuen Vertrag anbieten.
Ob daraus tatsächlich eine Verlängerung wird, ist noch offen.
Fest steht bislang nur: Die Gespräche laufen.
Damit ist Kimmels Zukunft genau dort angekommen, wo amerikanische Fernsehgeschichten besonders gern landen:
zwischen Politik, Quoten, Konzerninteressen, Vertragsverhandlungen und einer gehörigen Portion persönlicher Feindschaft.
Und Jimmy Kimmel?
Der könnte am Ende doch noch bleiben.
Schon allein diese Aussicht dürfte in einem bestimmten Haus in Washington nicht überall für Begeisterung sorgen.


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