49 Firmenpleiten in einer Woche: Österreichs aktuelle Insolvenzen im Überblick

49 Firmenpleiten in einer Woche: Österreichs aktuelle Insolvenzen im Überblick

Veröffentlicht

Samstag, 12.09.2026
von Red. TB

Wien, 12. September 2026. Bau, Immobilien, Gastronomie, Industrie, Logistik und Dienstleistungen: Die österreichische Wirtschaft hat auch in dieser Woche eine lange Liste neuer Insolvenzen hervorgebracht. Zwischen Montag, 7. September, und Freitag, 11. September, wurden nach den aktuell öffentlich ausgewiesenen Daten von KSV1870 und Alpenländischem Kreditorenverband zahlreiche neue Konkurs- und Sanierungsverfahren eröffnet.

Unter Ausschluss reiner Privatinsolvenzen ergibt die Auswertung 49 Unternehmen beziehungsweise eindeutig firmierte Einzelunternehmen. Besonders schwer wiegt die neuerliche Insolvenz eines steirischen Industrieunternehmens: Christof Industries Austria steht mit Passiva von bis zu rund 62,6 Millionen Euro mit Abstand an der Spitze der neuen Fälle dieser Woche.

Christof Industries: 180 Arbeitsplätze und Millionenverbindlichkeiten

Die größte neue Insolvenz der Woche wurde am Freitag bekannt. Über die Christof Industries Austria GmbH in Graz wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das Unternehmen ist im Maschinen- und Anlagenbau tätig und beschäftigt aktuell rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Nach den Angaben im Insolvenzantrag werden Passiva von rund 62,595 Millionen Euro ausgewiesen. Darin enthalten sind allerdings rund 32,24 Millionen Euro an Schadenersatzansprüchen im Zusammenhang mit Projektbeendigungen. Die Aktiva werden bei Liquidationswerten mit knapp sieben Millionen Euro angesetzt. Insgesamt sind nach Angaben des AKV rund 454 Gläubiger betroffen.

Christof Industries war bereits 2022 in einem Sanierungsverfahren. Dieses konnte damals erfolgreich abgeschlossen und die vereinbarte Quote erfüllt werden. Nun nennt das Unternehmen unter anderem fehlende Bankfinanzierungen sowie den Ausgang eines Schiedsverfahrens in London als Ursachen für die neuerlichen Liquiditätsprobleme. Das Unternehmen soll weitergeführt werden. Vorgesehen ist eine Sanierungsquote von 20 Prozent binnen 24 Monaten.

Gleis//Garten: Millionenpleite in der Wiener Gastronomie

Bereits am Montag sorgte die Insolvenz der KRAFTMoments Development GmbH, Betreiberin des Wiener Gleis//Garten, für Aufmerksamkeit. Der Gastronomiebetrieb in einer ehemaligen Remise der Badner Bahn umfasste neun Gastrostände, Bars, Veranstaltungen und einen Gastgarten.

Nach Angaben des Unternehmens stehen Verbindlichkeiten von rund 4,5 Millionen Euro im Raum. Etwa 80 Gläubiger und 30 Beschäftigte sind betroffen. Als Gründe wurden unter anderem Kaufkraftverluste bei den Gästen, steigende Kosten und hohe Mieten genannt. Eine Fortführung und Sanierung werde nicht angestrebt.

Am selben Standort traf es zusätzlich die ViennaKRAFT Brauerei GmbH. Auch über diese Gesellschaft wurde ein Konkursverfahren eröffnet. Das Unternehmen war in Gastronomie, Lebensmittelproduktion und Handel tätig.

Damit gehört Gastronomie neben Bau und Immobilien zu den Branchen, die in der aktuellen Insolvenzwoche besonders häufig aufscheinen.

Immobilien- und Baubranche bleibt stark vertreten

Auch mehrere Immobilien- und Bauunternehmen mussten Insolvenz anmelden. Dazu gehören diese Woche unter anderem die ARCA Immo Invest GmbH in Wien, die AVENTA Projekt Haydnweg GmbH, die DKR 7 Berndorfer Immobilien GmbH, die ROMAB Immobilienentwicklungs GmbH, die HABIOLA Liegenschaftsvermietungs-GmbH, die MHS 19 Immo & Trade GmbH sowie die SP Aichholzgasse 4-6 GmbH & Co KG.

Bei ARCA Immo Invest wurde am Donnerstag ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien eröffnet. Das 2018 gegründete Unternehmen war sowohl als Bauträger als auch im ausführenden Baugewerbe tätig.

Ebenfalls auffällig ist die Zahl der Insolvenzen bei Handwerks- und Bauunternehmen: Metallbau, Putzarbeiten, Malerei, Elektrotechnik, Fensterbau und Schadensanierung sind in der Wochenliste mehrfach vertreten.

Traditionsbetrieb Huber-Fenster insolvent

In Oberösterreich wurde am Dienstag das Konkursverfahren über die HUBER-FENSTER Bau- und Möbeltischlerei GmbH aus Franking eröffnet. Das Unternehmen wurde bereits 1962 gegründet und war in der Fensterproduktion und Bautischlerei tätig.

Der Fall zeigt, dass die aktuelle Insolvenzwelle keineswegs nur junge Unternehmen oder Start-ups betrifft. Auch seit Jahrzehnten bestehende Produktions- und Handwerksbetriebe geraten unter Druck.

Lilihill-Gesellschaft ebenfalls im Konkurs

Am Dienstag eröffnete das Handelsgericht Wien außerdem den Konkurs über die Lilihill Financial Services GmbH. Die 2017 gegründete Gesellschaft gehört zur Lilihill-Unternehmenssphäre und war laut KSV1870 mit Beteiligungsverwaltung und der Finanzierung von Konzernunternehmen befasst. Das Verfahren wurde aufgrund eines Gläubigerantrags eröffnet.

Die Insolvenz ist damit ein weiterer Fall aus dem Beteiligungs- und Immobilienumfeld, das in Österreich seit längerer Zeit besonders stark vom veränderten Zins- und Finanzierungsumfeld betroffen ist.

Tourismus: STS will nicht mehr fortführen

Am Freitag wurde auch über die STS Tourismus Betriebe GmbH in Vorarlberg ein Konkursverfahren eröffnet. Die Gesellschaft war im Bereich der Vermietung von Ferienwohnungen tätig und wollte ein System zur Vermarktung von bis zu 200 Wohnungen aufbauen.

Laut Eigenantrag werden die Verbindlichkeiten zunächst mit rund 200.000 Euro angegeben. Etwa 115 Gläubiger sollen betroffen sein. Eine Fortführung beziehungsweise Sanierung des Unternehmens wird nicht angestrebt. Als ein Grund werden Probleme aufgrund der schwierigen Lage am Immobilienmarkt genannt.

Alle 49 erfassten Unternehmensinsolvenzen dieser Woche

Montag, 7. September – 11 Unternehmen

Am Montag wurden in der ausgewerteten Unternehmensgruppe elf Verfahren erfasst: KRAFTMoments Development GmbH, Creative Die Werbeagentur. Agentur für Werbung und Graphik-Design GmbH, SLS GmbH, Perfekt Cleaning MZ e.U., A&A Elektrotechnik GmbH, GETRA Logistics Austria GmbH & Co KG, SP Aichholzgasse 4-6 GmbH & Co KG, Metallbau Galle GmbH, ETANO GmbH, Document.One GmbH in Liquidation und ViennaKRAFT Brauerei GmbH.

Der Montag war damit insbesondere von Gastronomie, Bau, Metallverarbeitung, Logistik und Dienstleistungen geprägt.

Dienstag, 8. September – 10 Unternehmen

Am Dienstag folgten MHS 19 Immo & Trade GmbH, Lilihill Financial Services GmbH, RGP beauty & cosmetics GmbH, HKT Invest GmbH, Srdan Čajić e.U., TLF Putz GmbH in Liqu., mehrWERT Werbe- und Marketing GmbH, Salon Sandra e.U., HUBER-FENSTER Bau- und Möbeltischlerei GmbH und FRIGMA GmbH.

Auffällig war an diesem Tag die Mischung aus Immobilien- und Beteiligungsgesellschaften, Bauunternehmen sowie kleineren Dienstleistungsbetrieben.

Mittwoch, 9. September – 8 Unternehmen

Am Mittwoch wurden acht eindeutig firmierte Unternehmensfälle erfasst: Dola Bau e.U., H2O Schadens-Service GmbH, mama said no – The Troublemakers‘ Agency Werbeges.m.b.H., HABIOLA Liegenschaftsvermietungs-GmbH, MFK-KG, Protect Car Aslan Ayhan e.U., Trummelhof-Bar GmbH und Showbiz GmbH.

Mehrere weitere Verfahren dieses Tages betrafen natürliche Personen mit selbständigen Tätigkeiten. Sie wurden hier entsprechend der Vorgabe, Privatpersonen nicht aufzunehmen, nicht mitgezählt.

Donnerstag, 10. September – 9 Unternehmen

Am Donnerstag kamen H&H iceclean gmbh, EBA Living GmbH, ProBuild GmbH, AVENTA Projekt Haydnweg GmbH, Howie FlexCo, ARCA Immo Invest GmbH, JAROLIM FASERTECHNIK GmbH, FN Logistic & Dienstleistung GmbH und Schedl & Lentze GmbH hinzu.

Mit JAROLIM FASERTECHNIK findet sich dabei auch ein Technologie- und Produktionsunternehmen auf der Liste. Das 2018 gegründete Unternehmen aus Gaspoltshofen beschäftigte sich mit der industriellen Herstellung mikro- und nanofibrillierter Faserstoffe.

Die Howie FlexCo wiederum war erst 2024 gegründet worden und beschäftigte sich mit Softwareentwicklung sowie Projekten im Immobilien-, Architektur- und Bausektor. Auch über sie wurde am Donnerstag Konkurs eröffnet.

Freitag, 11. September – 11 Unternehmen

Der Freitag brachte nochmals elf einschlägige Unternehmensverfahren: Gkida Bau KG, ImmoCraft Heinek GmbH, D M Transporte e.U., DKR 7 Berndorfer Immobilien GmbH, Georgios griechisches Spezialitätenrestaurant GmbH, STS Tourismus Betriebe GmbH, MS Heim Energie GmbH, RITAL KFZ GmbH, Christof Industries Austria GmbH, VIDivA – we care Ivanov GmbH und ROMAB Immobilienentwicklungs GmbH.

Allein an diesem Tag reicht das Spektrum damit vom Anlagenbau über Bau und Immobilien bis zu Gastronomie, Tourismus, Transport, Kfz und Energietechnik.

Bau, Immobilien und Gastronomie ziehen sich durch die ganze Woche

Die 49 Fälle zeigen keinen einzelnen Auslöser, wohl aber ein klares Muster. Besonders häufig vertreten sind Unternehmen aus Bau und Immobilien, daneben Gastronomie, Tourismus und eine Vielzahl kleiner und mittelgroßer Dienstleistungsbetriebe.

Gerade Immobilienentwickler und baunahe Unternehmen kämpfen weiterhin mit hohen Finanzierungskosten, schwächerer Nachfrage und schwieriger Projektfinanzierung. In der Gastronomie kommen hohe Personal-, Miet- und Warenkosten sowie die zurückhaltendere Konsumneigung hinzu.

Die Fälle dieser Woche reichen dabei vom Kleinstunternehmen bis zum Industriebetrieb mit hunderten Beschäftigten und Verbindlichkeiten im zweistelligen Millionenbereich.

Nicht jede Insolvenz bedeutet das sofortige Ende

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Konkursverfahren und Sanierungsverfahren. Während bei vielen Konkursfällen eine Liquidation beziehungsweise Verwertung des Unternehmensvermögens droht, kann ein Sanierungsverfahren ausdrücklich auf die Fortführung des Unternehmens abzielen.

Das prominenteste Beispiel dieser Woche ist Christof Industries Austria: Dort sollen Betrieb und Arbeitsplätze soweit möglich erhalten bleiben und die Gläubiger über einen Sanierungsplan befriedigt werden. Bei KRAFTMoments und STS Tourismus ist dagegen nach bisherigen Angaben keine Fortführung geplant.

Fazit

49 eindeutig als Unternehmen beziehungsweise firmierte Einzelunternehmen erfassbare neue Insolvenzen innerhalb von fünf Werktagen sind eine umfangreiche Liste. Die größte wirtschaftliche Dimension hat die neuerliche Schieflage von Christof Industries Austria mit bis zu 62,6 Millionen Euro Passiva und 180 Beschäftigten.

Daneben fällt vor allem die Breite der Entwicklung auf: Wiener Gastronomie, steirische Industrie, österreichische Immobilienprojekte, Bauunternehmen, Logistiker, Tischlereien, Kfz-Betriebe, Werbeagenturen und Finanzgesellschaften finden sich gleichzeitig in den Insolvenzlisten.

Die aktuelle Woche zeigt damit weniger die Krise einer einzelnen Branche als den anhaltenden finanziellen Druck auf einen breiten Teil der österreichischen Unternehmenslandschaft.

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geralt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Samstag, 12.09.2026

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