Betrug ist längst kein Randphänomen mehr. Im Jahr 2025 wurden in Österreich offiziell 63.566 Betrugsdelikte angezeigt. Das sind im Schnitt rund 174 Fälle pro Tag. Besonders auffällig: Fast die Hälfte der registrierten Betrugsfälle spielt sich inzwischen im Internet ab – und ausgerechnet der Anlagebetrug verursacht trotz vergleichsweise geringer Fallzahlen einen besonders hohen finanziellen Schaden.
Die aktuelle kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik des Bundeskriminalamts zeichnet ein bemerkenswertes Bild: Insgesamt wurden in Österreich im Jahr 2025 538.656 Straftaten angezeigt. Davon entfielen 103.185 Anzeigen auf den Bereich Wirtschaftskriminalität. Den mit Abstand größten Block innerhalb dieser Wirtschaftskriminalität bildete der Betrug: 63.566 angezeigte Betrugsdelikte. Das entspricht 61,6 Prozent aller registrierten Wirtschaftsdelikte.
Oder anders gerechnet: Die Polizei registrierte 2025 durchschnittlich 174 Betrugsfälle pro Tag, mehr als sieben pro Stunde. Rein statistisch wurde damit etwa alle acht Minuten irgendwo in Österreich ein Betrugsdelikt bekannt.
Dabei ist wichtig, was diese Zahl tatsächlich bedeutet. Die Polizeistatistik zählt angezeigte Straftaten beziehungsweise registrierte Delikte. 63.566 Anzeigen bedeuten daher nicht zwingend 63.566 unterschiedliche Täter oder 63.566 einzelne Opfer. Ein Ermittlungsverfahren kann mehrere Straftaten umfassen, ebenso kann eine Person durch mehrere Taten geschädigt worden sein. Und Fälle, die von Betroffenen gar nicht zur Polizei gebracht wurden, scheinen in dieser Statistik überhaupt nicht auf.
Klassischer Betrug dominiert
Das Bundeskriminalamt fasst in seiner Betrugsstatistik drei zentrale Straftatbestände zusammen: Betrug nach § 146 StGB, schweren Betrug nach § 147 StGB und gewerbsmäßigen Betrug nach § 148 StGB.
Die Zahlen für 2025 zeigen deutliche Unterschiede: Beim klassischen Betrug nach § 146 wurden 50.337 Fälle registriert. Schwerer Betrug kam auf 11.227 Fälle, gewerbsmäßiger Betrug auf 2.002 Fälle. Zusammen ergibt das die amtlich ausgewiesenen 63.566 Betrugsdelikte. Im Vergleich zum Jahr davor blieb die Gesamtzahl nahezu stabil. 2024 waren es nach den einzelnen Deliktsgruppen insgesamt 63.410 Fälle. Der Anstieg um 156 Fälle entspricht gerade einmal rund 0,25 Prozent. Auch das Bundeskriminalamt spricht deshalb nur von einer „marginalen Steigerung“. Nach dem kräftigen Anstieg in den Jahren 2022 und 2023 hat sich die Zahl der registrierten Betrugsdelikte damit auf einem allerdings sehr hohen Niveau eingependelt.
Fast jeder zweite Betrugsfall findet im Internet statt
Besonders interessant wird die Statistik beim Blick ins Netz.
31.001 Fälle von Internetbetrug wurden 2025 polizeilich erfasst. Damit entfällt rechnerisch fast die Hälfte der registrierten Betrugsdelikte auf Betrugsformen, bei denen das Internet eine zentrale Rolle spielt. Gegenüber 2024 sank die Zahl des Internetbetrugs zwar um 2,4 Prozent – damals waren noch 31.768 Fälle registriert worden –, von einer Entwarnung kann angesichts der Größenordnung jedoch kaum gesprochen werden.
Noch bemerkenswerter ist die Aufklärungsquote. Von den 31.001 Fällen des Internetbetrugs wurden nach Angaben des Bundeskriminalamtes 8.714 geklärt. Das entspricht lediglich 28,1 Prozent. Im Jahr zuvor waren es noch 30,8 Prozent gewesen.
Das Problem liegt auf der Hand: Täter können aus dem Ausland operieren, falsche Identitäten verwenden, Zahlungsströme über mehrere Konten und Kryptowährungen verschleiern und ihre Infrastruktur schnell wechseln. Für Ermittler endet eine digitale Spur häufig nicht an einer österreichischen Landesgrenze.
Der besonders teure Betrug beginnt mit dem Versprechen vom schnellen Geld
Für Anleger ist ein Detail der amtlichen Statistik besonders brisant.
Das Bundeskriminalamt bezeichnet Cyber-Trading-Fraud, also digitalen Anlage- und Investmentbetrug, als jene Betrugsform, die 2025 den größten finanziellen Schaden in Österreich verursachte. Dabei macht diese Masche zahlenmäßig lediglich etwas mehr als vier Prozent aller Betrugsanzeigen aus. Dennoch entfallen mehr als 26 Prozent des insgesamt bekannt gewordenen Schadens aller Betrugsdelikte auf diesen Bereich.
Das bedeutet: Anlagebetrug ist vergleichsweise selten – wenn er gelingt, geht es aber häufig um sehr hohe Summen.
Die Methode ist inzwischen professionell. Opfer stoßen etwa über soziale Netzwerke auf Werbung für vermeintlich außergewöhnlich lukrative Investments. Teilweise werden laut Bundeskriminalamt sogar KI-generierte Videos eingesetzt, in denen bekannte Persönlichkeiten scheinbar ein Anlageprodukt empfehlen. Anschließend führen professionell gestaltete Handelsplattformen dem Anleger angebliche Gewinne vor. Diese Gewinne existieren jedoch nur auf dem Bildschirm.
Wer zunächst einige Hundert oder Tausend Euro überweist, sieht sein vermeintliches Guthaben wachsen und wird zu größeren Einzahlungen bewegt. Möchte der Anleger schließlich auszahlen, beginnen oftmals die Probleme: Plötzlich werden Steuern, Gebühren oder angebliche Notariatskosten verlangt. Eine Auszahlung findet nicht statt. Die Täter versuchen stattdessen, weiteres Geld zu erhalten. Manchmal folgt sogar der Betrug nach dem Betrug: Angebliche Rechtsanwälte oder Spezialisten kontaktieren Geschädigte und versprechen, das verlorene Kapital zurückzuholen – gegen eine weitere Vorauszahlung. Das Bundeskriminalamt bezeichnet diese zweite Angriffswelle als „Recovery Scam“.
Auch Sozialleistungsbetrug steigt kräftig
Eine ganz andere Entwicklung zeigt sich beim Sozialleistungsbetrug. Hier wurden 2025 6.062 Fälle registriert – gegenüber 4.865 im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg von 24,6 Prozent. Gleichzeitig liegt die Aufklärungsquote in diesem Bereich mit 99,6 Prozent außergewöhnlich hoch.
Das Bundeskriminalamt weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass es sich hier um ein sogenanntes Kontrolldelikt handelt. Steigende Fallzahlen können also auch das Ergebnis verstärkter Kontrollen und intensiverer Ermittlungen sein. Zu den typischen Fällen gehören unter anderem nicht gemeldete Auslandsaufenthalte während eines Leistungsbezugs, Scheinwohnsitze, verschwiegene Vermögenswerte, gefälschte Unterlagen oder falsche Angaben zu Beschäftigungsverhältnissen.
63.566 Fälle sind nur das Hellfeld
Die vielleicht wichtigste Zahl der gesamten Statistik lässt sich allerdings überhaupt nicht exakt beziffern: das Dunkelfeld.
Die 63.566 Fälle bilden nur jene Betrugsdelikte ab, die den Behörden bekannt wurden und statistisch erfasst worden sind. Wer einen Schaden aus Scham nicht meldet, einen kleinen Verlust abschreibt oder erst gar nicht erkennt, dass er betrogen wurde, taucht in der Anzeigenstatistik nicht auf.
Gerade bei Anlage-, Liebes-, Telefon- und Internetbetrug dürfte dieser Effekt eine erhebliche Rolle spielen. Opfer müssen sich mitunter eingestehen, dass sie selbst Geld überwiesen, Zugangsdaten preisgegeben oder einer fremden Person vertraut haben. Genau diese psychologische Hürde nutzen professionelle Täter aus.
Die amtlichen 63.566 Betrugsanzeigen des Jahres 2025 sind daher keine Schätzung darüber, wie oft in Österreich tatsächlich betrogen wurde. Sie markieren lediglich den Teil des Problems, der bei der Polizei angekommen ist.
Und schon dieser bekannte Teil ist beträchtlich: Rund jede achte in Österreich registrierte Straftat des Jahres 2025 entfiel rechnerisch auf die drei klassischen Betrugstatbestände § 146, § 147 und § 148 StGB. Gleichzeitig verlagert sich das Geschäft der Betrüger zunehmend dorthin, wo Täter ihre Opfer ohne persönlichen Kontakt erreichen können – auf Smartphones, Handelsplattformen, soziale Netzwerke und in Messenger-Dienste.
Die klassische Brieftasche ist geblieben. Nur der Weg hinein hat sich verändert.
Quelle: Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik 2025 des österreichischen


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