Pete Hegseth verspottet kanadische Kadetten – Ottawa findet das gar nicht lustig

Pete Hegseth verspottet kanadische Kadetten – Ottawa findet das gar nicht lustig

Veröffentlicht

Donnerstag, 03.09.2026
von Red. TB

Eigentlich sollte ein US-Verteidigungsminister seinen Arbeitstag mit Dingen verbringen, die nach Pentagon klingen: Sicherheitslage, Militärstrategie, Generäle, Krisensitzungen.

Pete Hegseth entschied sich offenbar für etwas anderes.

Er teilte ein Foto aus einem kanadischen Kadettenprogramm, auf dem eine junge Kadettin eine Auszeichnung erhält, setzte eine Kanada-Flagge dazu und schrieb: „this is real“.

In Kanada kam das ungefähr so gut an wie Ahornsirup auf einer Steuererklärung.

Verteidigungsminister David McGuinty sagte, der Beitrag sei „unter der Würde des Amtes“.

Das ist Diplomatensprache für:

Pete, vielleicht Handy weglegen.

Wenn der Verteidigungsminister zum Meme-Beauftragten wird

Der Post wurde in Kanada weithin so verstanden, dass Hegseth sich über das Erscheinungsbild der beiden Frauen auf dem Foto lustig machen wollte.

Mehrere Kommentatoren warfen ihm sogar Body-Shaming vor.

Nun kann man über Militärbudgets streiten.

Man kann Kanada vorwerfen, jahrelang zu wenig für die Verteidigung ausgegeben zu haben.

Man kann über NATO-Ziele diskutieren.

Aber Jugendliche aus einem Kadettenprogramm öffentlich vorzuführen, ist außenpolitisch ungefähr so elegant wie ein Panzer beim Einparken.

Das Pentagon erklärte dazu übrigens nur:

Der Beitrag spreche „für sich selbst“.

Ja.

Das tut er tatsächlich.

Kanadas Premier hat langsam genug von der Meme-Diplomatie

Premierminister Mark Carney reagierte ebenfalls ziemlich deutlich.

Neue Handelsgespräche mit den USA könne es geben, wenn die Amerikaner aufhörten, Memes zu verbreiten, ständig Spitzen auszuteilen und möglichst hart wirken zu wollen.

Oder frei übersetzt:

Erst Erwachsene an den Verhandlungstisch, dann reden wir über Zölle.

Denn zwischen Washington und Ottawa herrscht derzeit sowieso schon schlechte Stimmung.

Die Handelsgespräche sind geplatzt.

Die USA haben neue Zölle verhängt.

Kanada plant Gegenmaßnahmen.

Und zwischendurch beleidigt man sich offenbar noch zur Auflockerung.

Internationale Diplomatie 2026.

Die Jugendlichen haben damit eigentlich gar nichts zu tun

Besonders unangenehm an der Geschichte:

Bei dem kanadischen Kadettenprogramm handelt es sich um eine Organisation für Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren.

Die Teilnehmer lernen dort unter anderem Führung, Teamarbeit und praktische Fähigkeiten.

Die Army Cadet League of Canada fand deshalb ziemlich klare Worte.

Jugendliche öffentlich lächerlich zu machen, die sich engagieren und etwas für ihre Gemeinschaft tun wollen, sei nicht akzeptabel.

Eine revolutionäre Erkenntnis.

Offenbar muss sie inzwischen trotzdem ausgesprochen werden.

Auch Konservative sagen: Das geht zu weit

Interessant ist, dass die Kritik nicht nur von politischen Gegnern kam.

Der konservative Abgeordnete und frühere Reservist Scott Anderson wandte sich direkt an Hegseth.

Mit dem Amt des amerikanischen Verteidigungsministers gingen Verantwortung und Anstand einher.

Hegseth habe beides beiseitegeschoben und zwei kanadische Frauen öffentlich vor Millionen Menschen bloßgestellt.

Seine Botschaft:

Sie sollten sich schämen.

Auch das ist für kanadische Verhältnisse schon fast eine Kriegserklärung.

Normalerweise entschuldigt man sich dort wahrscheinlich noch beim Gegner, bevor man ihn kritisiert.

Zwischen Kanada und den USA wird es zunehmend albern

Dabei verbindet beide Länder eigentlich unglaublich viel.

Gemeinsame Grenze.

Gemeinsame Verteidigung.

Enge Wirtschaftsbeziehungen.

Kanada kämpfte an der Seite der USA in Afghanistan.

Doch derzeit klingt das Verhältnis eher nach einem schlecht gelaunten Familienchat.

Ontarios Premier Doug Ford nennt Trump einen „Loser“.

Trump möchte den Lake Ontario in „Lake America“ umbenennen.

US-Verkehrsminister Sean Duffy erklärt, Kanada habe praktisch kein Militär.

Und jetzt macht sich der US-Verteidigungsminister über kanadische Kadetten lustig.

Fehlt eigentlich nur noch, dass jemand Niagara Falls umbenennen möchte.

Trump Victory Waterfall hätte noch einen freien Platz auf der Landkarte.

Hegseth liebt das „Warrior Ethos“

Besonders bemerkenswert ist der Vorfall, weil Hegseth selbst großen Wert auf Auftreten und körperliche Fitness beim US-Militär legt.

Er spricht regelmäßig vom sogenannten „Warrior Ethos“.

Kriegermentalität.

Härte.

Fitness.

Disziplin.

Vielleicht könnte man dieser Liste künftig noch einen Punkt hinzufügen:

Nicht über Jugendliche verbündeter Staaten im Internet spotten.

Wäre zumindest diplomatisch hilfreich.

Handy weg, Herr Verteidigungsminister

Am Ende ist die Geschichte eigentlich ziemlich simpel.

Kanada und die USA können über Zölle streiten.

Sie können sich über Verteidigungsausgaben streiten.

Sie können über Trump, Handel und NATO streiten, bis der Lake Ontario tatsächlich Lake America heißt.

Aber wenn ein Verteidigungsminister anfängt, Jugendliche eines verbündeten Landes für einen Social-Media-Gag zu benutzen, darf man durchaus fragen, ob die wichtigste Sicherheitsmaßnahme im Pentagon vielleicht eine andere wäre:

Pete Hegseths Handy ab 22 Uhr einsammeln.

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Bildnachweis:

mayns82 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 03.09.2026

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