Tagespresse entdeckt Papier: Satire jetzt auch zum Zusammenfalten

Tagespresse entdeckt Papier: Satire jetzt auch zum Zusammenfalten

Veröffentlicht

Donnerstag, 03.09.2026
von Red. TB

Ab Oktober gibt es Österreichs bekanntes Satireportal monatlich als Printausgabe

Die Tagespresse wagt einen technologischen Rückschritt mit Zukunftspotenzial: Ab Anfang Oktober erscheint das österreichische Satireportal auch auf Papier.

Für fünf Euro pro Monat bekommen Leser künftig 20 Seiten gedruckte Satire – also Nachrichten, die erfunden sind, aber möglicherweise trotzdem näher an der politischen Realität liegen als manches Original.

Chefredakteur Fritz Jergitsch spricht von einer „genialen Innovation“ und bewirbt das Blatt als:

„klassische Qualitätszeitung für ein Land, das von klassischen Qualitätszeitungen längst aufgegeben wurde.“

Bescheidenheit war offenbar nicht Teil des Redaktionskonzepts.

Nullnummer zeigt, wohin die Reise geht

Als Vorgeschmack hat die Tagespresse bereits eine Nullnummer produziert. Kaufen kann man sie allerdings nicht.

Auf dem Titelblatt wird Andreas Babler mit den Worten „Nicht mit uns“ zitiert.

Die dazugehörige Schlagzeile:

„Babler dementiert Comebackpläne der SPÖ.“

Damit dürfte die politische Großwetterlage bereits ausreichend erklärt sein.

Im Inneren geht es ähnlich seriös weiter.

Philipp Hochmair erklärt in einem erfundenen Interview:

„Ich bin Gott.“

Bundeskanzler Christian Stocker darf in einem vermeintlichen Gastbeitrag Tipps zur Kindererziehung geben.

Und auch die Werbewirtschaft bekommt ihren Platz.

Die Post wirbt etwa mit:

„Wir bringen’s zum Nachbarn, der gerade auf Urlaub ist.“

Der WWF setzt auf eine eher direkte Spendenstrategie:

„500 Euro oder der Panda muss sterben.“

Satire zum Blättern

Die Tagespresse kehrt damit zu einer Medienform zurück, die viele Menschen bislang nur noch aus Wartezimmern, Kaffeehäusern und den Wohnungen ihrer Eltern kennen:

der Zeitung.

Der große Vorteil der Printausgabe:

Man kann sie nicht wegscrollen.

Man kann keine Kommentare darunter schreiben.

Und wenn einem ein Artikel nicht gefällt, kann man ihn immerhin zum Einwickeln von Gemüse verwenden.

Einmal im Monat analog lachen

Die monatliche Ausgabe dürfte vor allem Fans ansprechen, denen Online-Satire allein nicht mehr reicht.

Ab Oktober gibt es politische Absurditäten also nicht nur auf dem Bildschirm, sondern wieder klassisch zwischen zwei Buchdeckeln – beziehungsweise Zeitungseiten.

Eine Zeitung über ein Land, in dem Satire und Nachricht manchmal ohnehin nur schwer auseinanderzuhalten sind.

Vielleicht ist die größte Innovation deshalb gar nicht das Papier.

Sondern die Hoffnung, dass man beim Lesen noch erkennt, welche Meldung erfunden ist.

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Kaz_Graphics (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 03.09.2026

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