US-Präsident droht Iran mit neuen Angriffen – und denkt offenbar schon über die passende Beschilderung nach
Donald Trump hat derzeit offenbar zwei außenpolitische Projekte gleichzeitig: den Iran militärisch unter Druck setzen – und nebenbei die Weltkarte nach seinen Vorstellungen umdekorieren.
Nach erneuten heftigen Angriffen zwischen den USA und Iran drohte der US-Präsident mit weiteren Attacken. Gleichzeitig brachte er auf Truth Social die Idee ins Spiel, die Straße von Hormus in „Trump-Straße“ umzubenennen.
Wenn es geopolitisch schon kompliziert wird, kann man wenigstens beim Branding klare Verhältnisse schaffen.
Trump erklärte im Weißen Haus, die USA hätten in der vergangenen Nacht „weit mehr als nur Radar“ zerstört. Der Angriff sei sehr heftig gewesen, und man sei jederzeit bereit, erneut zuzuschlagen.
Iranische Medien berichteten von mindestens 19 Todesopfern.
Trump betonte zugleich, die neue US-Offensive werde nicht „zu lange“ dauern. Die amerikanischen Streitkräfte hätten nach seiner Darstellung unter anderem eine iranische Rakete zerstört, die zum Ausbringen von Seeminen vorgesehen gewesen sei. Auch Radar- und Raketensysteme seien getroffen worden.
Mit anderen Worten: militärische Eskalation mit dem Versprechen, dass es hoffentlich nicht zu lange dauert.
Teheran spricht von Kriegsverbrechen
Die iranische Regierung reagierte mit schweren Vorwürfen.
Außenamtssprecher Esmail Bakaei bezeichnete den Krieg als völkerrechtswidrig und warf den USA vor, bei Sirik eine Hochzeitsfeier bombardiert zu haben.
Auch iranische Vertreter des Roten Halbmonds forderten eine internationale Untersuchung.
Das US-Militär hat Berichte über einen tödlichen Angriff auf eine Hochzeitsgesellschaft bislang weder bestätigt noch dementiert.
Hier endet naturgemäß jeder Humor.
Denn unabhängig von der politischen Propaganda beider Seiten steht der Vorwurf im Raum, dass Zivilisten getroffen worden sein könnten.
Und jetzt: Willkommen auf der Trump-Straße
Parallel zur militärischen Eskalation beschäftigt Trump aber offenbar noch eine andere Frage:
Wie soll die Straße von Hormus künftig heißen?
Da die Meerenge nach seiner Darstellung nun unter amerikanischer Kontrolle stehe, fragte Trump öffentlich, ob sie nicht in:
„Trump-Straße“
umbenannt werden sollte.
Die Wasserstraße wäre dann, so Trump, „heißer“ denn je zuvor.
Man kann nicht behaupten, dem Mann fehle Marketinginstinkt.
Andere Staatschefs kümmern sich um Waffenstillstände, Diplomatie und Grenzverhandlungen.
Trump scheint zusätzlich zu überlegen, wo noch ein Namensschild frei ist.
Erst der Golf von Amerika, dann der Amerikasee – jetzt Trump-Straße?
Ganz neu ist diese Leidenschaft nicht.
Trump ließ bereits den Golf von Mexiko in „Golf von Amerika“ umbenennen.
Vergangene Woche ordnete er wegen eines Handelsstreits mit Kanada an, den Ontariosee in „Amerikasee“ umzubenennen.
Nun also möglicherweise die Straße von Hormus.
Damit nimmt die geopolitische Nomenklatur langsam folgende Richtung:
Golf von Amerika.
Amerikasee.
Trump-Straße.
Fehlt eigentlich nur noch ein „Donald-Atlantik“ und der Planet ist fast fertig beschriftet.
Die Straße von Hormus ist allerdings kein Vorgarten
Das Problem bei der Sache:
Die Straße von Hormus gehört zu den strategisch wichtigsten Wasserwegen der Welt.
Sie liegt zwischen Iran und Oman und ist für den globalen Öl- und Gastransport von enormer Bedeutung.
Seit Ende Februar dauert der Krieg zwischen den USA und Iran an. Nach mehreren ruhigeren Wochen griffen amerikanische Streitkräfte am Sonntag erneut Ziele im Bereich der Meerenge an.
Nach US-Darstellung sollte verhindert werden, dass Iran zusätzliche Seeminen ausbringt.
Teheran antwortete mit Gegenangriffen in der Region.
Dass Trump die Meerenge nun als faktisch amerikanisch kontrolliert bezeichnet und sogar eine Karte veröffentlichte, auf der sie als „neues US-Territorium“ dargestellt wird, dürfte Iran eher nicht dazu bewegen, für die neue Beschilderung zu bezahlen.
Von der Militärstrategie zum Straßenmarketing
So entsteht derzeit ein bemerkenswertes Bild amerikanischer Außenpolitik.
Auf der einen Seite:
Raketen, Luftangriffe, Minen, Radarstellungen und gegenseitige Drohungen.
Auf der anderen:
die Frage, ob eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt vielleicht nach Donald Trump benannt werden sollte.
Politisch ist die Lage brandgefährlich.
Kommunikativ wirkt sie dagegen manchmal wie die Präsentation eines neuen Freizeitparks:
„Willkommen auf der Trump-Straße – bitte rechts halten, links wird gerade bombardiert.“
Das eigentliche Problem bleibt jedoch ernst.
Je länger sich Washington und Teheran gegenseitig angreifen, desto größer wird das Risiko eines Flächenbrandes in der Region.
Die Straße von Hormus ist dabei nicht irgendeine Meerenge, die sich einfach umbenennen lässt.
Sie ist eine der wichtigsten Arterien der Weltwirtschaft.
Und deren Name dürfte Investoren letztlich ziemlich egal sein.
Entscheidend ist nur, ob dort Schiffe fahren können.
Vielleicht wäre deshalb vor der nächsten Umbenennung eine andere Idee hilfreich:
erst Frieden – dann Straßenschild.


0 Kommentare