Simplon schon wieder insolvent – beim zweiten Mal kennt man wenigstens den Weg zum Gericht

Simplon schon wieder insolvent – beim zweiten Mal kennt man wenigstens den Weg zum Gericht

Veröffentlicht

Mittwoch, 02.09.2026
von Red. TB

Knapp zwei Jahre nach der ersten Insolvenz ist der Fahrradhersteller Simplon erneut zahlungsunfähig. Die 2Rad Produktions GmbH, früher Simplon Fahrrad GmbH, hat beim Landesgericht Feldkirch ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt.

Betroffen sind 54 Beschäftigte und rund 150 Gläubiger. Die Verbindlichkeiten liegen bei 33,4 Millionen Euro.

Man könnte sagen: Bei Simplon dreht sich derzeit vieles – nur leider nicht immer das Rad.

Sanierungsplan 2024: hielt ungefähr so lange wie ein Fahrradschlauch mit Nagel

Ende 2024 war der Sanierungsplan noch angenommen worden. Ein Wiener Finanzinvestor stieg ein, Teile der Produktion wurden später nach Rumänien verlagert, Stellen in Hard abgebaut.

Die Hoffnung damals: Neustart, Sanierung, weiterfahren.

Die Realität heute: nächste Insolvenz.

Der Plan von 2024 hat damit wirtschaftlich ungefähr jene Distanz geschafft, bei der ein ambitionierter Radfahrer gerade erst den ersten Müsliriegel auspackt.

Überraschung im Lager: Teile fehlen

Als Ursache für die neue Pleite nennt das Unternehmen laut KSV1870 unter anderem Probleme nach der Betriebsübernahme.

Demnach habe sich herausgestellt, dass Informationen der früheren Schuldnerin nicht vollständig nachvollziehbar beziehungsweise korrekt gewesen seien.

Besonders unangenehm: Die übernommenen Warenbestände waren offenbar nicht so vollständig wie erwartet.

Bei einem Fahrradhersteller kann das zu Problemen führen.

Denn ein Fahrrad ohne bestimmte Teile ist zwar möglicherweise ein interessantes Kunstprojekt – aber nur eingeschränkt auslieferbar.

Fehlende Komponenten sorgten dafür, dass vorhandene Aufträge nicht schnell genug abgearbeitet werden konnten. Fahrräder konnten nicht fertiggestellt und entsprechend nicht ausgeliefert werden.

Keine Lieferung bedeutet häufig keine Zahlung.

Keine Zahlung bedeutet weniger Liquidität.

Und irgendwann meldet sich wieder das Insolvenzgericht.

33,4 Millionen Euro Schulden – davon 26 Millionen bei einer Gläubigerin

Insgesamt werden nun Verbindlichkeiten von 33,4 Millionen Euro angegeben.

Davon stammen 28,3 Millionen Euro aus dem früheren Sanierungsverfahren. Weil der Sanierungsplan gescheitert ist, leben diese Forderungen wieder auf.

Besonders bemerkenswert: Rund 26 Millionen Euro sollen allein auf eine Hauptgläubigerin entfallen.

Damit liegt ein ausgesprochen großer Teil der finanziellen Last bei einer einzigen Gläubigerpartei.

Der Rest verteilt sich auf weitere Gläubiger.

Finanziell gesprochen fährt Simplon also derzeit nicht mit Gegenwind.

Das Unternehmen befindet sich eher auf einer Alpenetappe ohne Bremsen.

Neuer Plan: 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren

Ganz aufgegeben wird allerdings nicht.

Das Unternehmen will erneut einen Sanierungsplan vorlegen. Angeboten werden soll eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren.

Für Gläubiger bedeutet das vereinfacht:

Aus 100 Euro Forderung sollen 20 Euro werden.

Das ist zwar mathematisch übersichtlich, dürfte aber nicht bei allen Beteiligten spontane Begeisterung auslösen.

Der KSV1870 bietet den betroffenen Gläubigern jedenfalls seine Vertretung im Verfahren an.

Dabei war die erste Insolvenz schon ziemlich groß

Bereits im September 2024 hatte die damalige Simplon Fahrrad GmbH ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt.

Damals lagen die Verbindlichkeiten sogar bei rund 44,5 Millionen Euro.

Als Ursachen wurden seinerzeit intensiver Wettbewerb, hoher Preisdruck und ein allgemeiner Rückgang der Verkaufszahlen in der Fahrradbranche genannt.

Das war durchaus nachvollziehbar: Nach dem Fahrradboom der Pandemie standen bei Herstellern und Händlern teilweise große Lagerbestände einer deutlich schwächeren Nachfrage gegenüber.

Simplon wollte anschließend neu starten.

Investor rein.

Sanierungsplan beschlossen.

Produktion teilweise verlagert.

Kosten reduziert.

Und nun: wieder Gericht.

Seit 1961 Fahrräder – inzwischen auch Erfahrung mit Sanierungen

Simplon wurde 1961 als Familienunternehmen in Hard gegründet und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer bekannten österreichischen Fahrradmarke.

Die Marke steht vor allem für hochwertige Rennräder, Mountainbikes und E-Bikes.

Dass ein solches Traditionsunternehmen nun innerhalb weniger Jahre bereits das zweite Insolvenzverfahren erlebt, zeigt allerdings, wie schwierig die wirtschaftliche Situation geworden ist.

Die entscheidende Frage lautet jetzt, ob diesmal tatsächlich eine dauerhaft tragfähige Sanierung gelingt.

Denn spätestens nach der zweiten Insolvenz gilt auch in der Fahrradbranche:

Man kann vieles wieder aufpumpen – aber irgendwann sollte der Reifen auch die Luft behalten.

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geralt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 02.09.2026

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