US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, gegen die starke Marktmacht der größten Fleischverarbeiter in den Vereinigten Staaten vorzugehen. Künftig sollen Farmer und Rancher mehr Möglichkeiten bekommen, ihre Tiere selbst zu verarbeiten und das Fleisch zu verkaufen.
Auslöser für Trumps Vorstoß war offenbar ein Interview mit dem konservativen Radiomoderator Glenn Beck. Dieser hatte den Präsidenten aufgefordert, die Macht der großen Fleischverarbeitungskonzerne zu brechen und die zahlreichen bundesstaatlichen Vorschriften für kleinere Betriebe zu lockern. Nur zwei Tage später kündigte Trump auf Truth Social entsprechende Schritte an.
Trump erklärte, seine Regierung solle rechtliche Möglichkeiten vorbereiten, damit Farmer und Viehzüchter ihr eigenes Fleisch leichter verarbeiten können. Zugleich griff er die großen Konzerne scharf an und warf ihnen vor, das Leben amerikanischer Landwirte unnötig zu erschweren.
Vier Unternehmen dominieren den Markt
Hintergrund ist die enorme Konzentration in der amerikanischen Fleischindustrie.
Rund 85 Prozent der Fleischverarbeitung in den USA werden von lediglich vier Unternehmen kontrolliert: Cargill, Tyson Foods, JBS USA und National Beef Packing.
Kritiker sehen darin seit Jahren ein Problem. Besonders kleinere Viehzüchter beklagen, von wenigen großen Schlacht- und Verarbeitungskonzernen abhängig zu sein. Sie werfen den Unternehmen vor, zu viel Einfluss auf Preise und Marktbedingungen auszuüben.
Glenn Beck, der selbst eine Ranch in Idaho besitzt, bezeichnete die großen Fleischverarbeiter sogar als eine Art Kartell.
Er klagte darüber, dass kleine Betriebe durch bundesstaatliche Vorschriften und aufwendige Kontrollen daran gehindert würden, Tiere direkt auf dem eigenen Hof zu schlachten und das Fleisch anschließend zu verkaufen.
Auf Trumps Frage, ob Rancher diese Arbeiten selbst übernehmen könnten, wenn die Regeln gelockert würden, antwortete Beck eindeutig mit Ja. Trump kündigte daraufhin an, sich das Problem umgehend anzusehen.
Streit mit den eigenen Ranchern
Der Vorstoß kommt für Trump zu einem politisch heiklen Zeitpunkt.
In mehreren traditionell republikanischen Bundesstaaten wächst der Unmut unter Viehzüchtern über seine Landwirtschaftspolitik. Der Präsident hatte zuvor Zölle auf importiertes Hackfleisch vorübergehend gelockert, um die Lebensmittelpreise für amerikanische Verbraucher zu senken.
Für Rancher bedeutet mehr ausländisches Fleisch allerdings zusätzliche Konkurrenz.
Mehrere republikanische Senatoren aus großen Viehzuchtstaaten wie Nebraska, Montana und Wyoming stellten sich deshalb ungewöhnlich deutlich gegen den Präsidenten.
Der neue Angriff auf die großen Fleischkonzerne könnte daher auch ein Versuch sein, die verärgerten Rancher wieder auf Trumps Seite zu ziehen.
Bundesgesetze stehen im Weg
Ganz so einfach dürfte Trumps Plan allerdings nicht umzusetzen sein.
Nach dem Federal Meat Inspection Act von 1906 dürfen Farmer Tiere zwar für den Eigenbedarf verarbeiten. Fleisch, das anschließend verkauft werden soll, muss jedoch grundsätzlich in Betrieben verarbeitet werden, die vom US-Landwirtschaftsministerium kontrolliert werden.
Diese Vorschriften dienen unter anderem der Lebensmittelsicherheit und dem Schutz vor Krankheitserregern.
Welche rechtliche Grundlage Trump nutzen will, um diese Regeln zu verändern oder zu umgehen, war zunächst unklar.
Im Kongress gibt es bereits seit längerem einen Vorschlag des republikanischen Abgeordneten Thomas Massie. Sein sogenannter PRIME Act würde bestimmten kleineren Schlachtbetrieben erlauben, Fleisch auch ohne die bisher vorgeschriebenen bundesweiten Kontrollen zu verkaufen, sofern sie die jeweiligen Vorschriften ihres Bundesstaates erfüllen.
Das Gesetz kam bislang allerdings nicht voran.
Landwirtschaftsministerium kündigt weitere Schritte an
US-Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins stellte bereits weitere Maßnahmen in Aussicht.
Für Montag seien größere Ankündigungen geplant. Dabei soll nach ihren Angaben Bürokratie in der Fleischverarbeitung abgebaut werden. Außerdem sollen Rancher künftig leichter Fleisch über Bundesstaatsgrenzen hinweg verkaufen können.
Auch ältere Verwaltungsvorgaben sollen aufgehoben werden.
Glenn Beck zeigte sich entsprechend begeistert und bezeichnete Trumps Reaktion als möglicherweise grundlegende Veränderung für das amerikanische Lebensmittelsystem.
Zwischen Verbraucherpreisen und Farmerinteressen
Für Trump bleibt die Fleischpolitik allerdings ein Balanceakt.
Auf der einen Seite will seine Regierung die Preise für Verbraucher senken. Dafür hatte sie zuletzt mehr ausländisches Fleisch zugelassen.
Auf der anderen Seite fühlen sich gerade amerikanische Viehzüchter dadurch unter Druck gesetzt.
Nun versucht Trump offenbar, ihnen an anderer Stelle entgegenzukommen: weniger Vorschriften, mehr Eigenverarbeitung und weniger Abhängigkeit von den großen Konzernen.
Ob daraus tatsächlich eine tiefgreifende Reform der amerikanischen Fleischindustrie wird, ist jedoch noch offen.
Denn zwischen politischer Ankündigung und dem eigenen Steak aus der Ranch-Schlachterei stehen in den USA noch einige Gesetze, Behörden und Lebensmittelkontrollen.


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