Die US-Schauspielerin Busy Philipps hat mit einer überraschenden Diagnose für Aufsehen gesorgt: Bei der 47-Jährigen wurde ein seltener Hirntumor entdeckt – obwohl sie zuvor keinerlei Beschwerden hatte.
Gefunden wurde die Veränderung nicht wegen konkreter Symptome, sondern bei einem freiwilligen Ganzkörper-MRT. Philipps hatte sich aus eigenem Interesse für die Untersuchung entschieden. Ihr Hausarzt hatte ihr zuvor sogar gesagt, dass ihre jährlichen Blutwerte unauffällig seien und aus medizinischer Sicht kein besonderer Anlass für einen solchen Scan bestehe.
Die Untersuchung brachte dennoch einen auffälligen Befund ans Licht.
Diagnose: Oligodendrogliom zweiten Grades
Bei der weiteren Abklärung stellte sich heraus, dass es sich bei der Veränderung um ein Oligodendrogliom zweiten Grades handelte. Dabei handelt es sich um einen langsam wachsenden Hirntumor, der nach Angaben von Fachärzten grundsätzlich behandelbar ist.
Philipps’ Neuroonkologin erklärte, der Tumor gelte zwar als bösartig, habe innerhalb dieser Tumorgruppe aber eine vergleichsweise günstige Prognose. Entscheidend sei, dass solche Tumoren im Laufe der Zeit erneut wachsen können.
Philipps ließ den Tumor operativ entfernen.
Ganz ohne Komplikationen verlief die Behandlung allerdings nicht. Nach dem ersten Eingriff entwickelte sie eine Staphylokokkeninfektion und musste ein zweites Mal operiert werden.
Gerade dieser Verlauf zeigt nach Einschätzung von Medizinern auch die andere Seite präventiver Ganzkörperuntersuchungen: Wird etwas entdeckt, folgen häufig weitere Untersuchungen oder Eingriffe – und diese können wiederum eigene Risiken mit sich bringen.
Sind Ganzkörper-MRTs sinnvoll?
Der Fall von Busy Philipps wirft eine naheliegende Frage auf: Sollte man sich auch ohne Beschwerden regelmäßig einem Ganzkörper-MRT unterziehen?
Die Antwort der Medizin fällt deutlich zurückhaltender aus, als es manche Werbung oder Social-Media-Beiträge vermuten lassen.
Untersuchungen zeigen zwar, dass solche Scans sehr häufig irgendwelche Auffälligkeiten entdecken. Doch nur ein kleiner Teil davon erweist sich tatsächlich als ernsthafte Erkrankung.
Eine Studie aus dem Jahr 2020 kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass bei 95 Prozent der untersuchten beschwerdefreien Personen irgendeine Auffälligkeit gefunden wurde. Nur 1,8 Prozent dieser Befunde stellten sich jedoch tatsächlich als Krebs heraus.
Das Problem: Jeder verdächtige Befund kann weitere Untersuchungen nach sich ziehen.
Damit steigt das Risiko sogenannter Zufallsbefunde und Überdiagnosen – also der Entdeckung von Veränderungen, die möglicherweise niemals Beschwerden verursacht hätten.
Experten sehen noch zu wenig wissenschaftliche Belege
Die Radiologin Manjiri Dighe von der University of Washington bezeichnete Ganzkörper-MRTs als medizinisch noch vergleichsweise junges Verfahren.
Zwar seien die Untersuchungen nicht invasiv und sehr empfindlich. Es fehlten jedoch große Langzeitstudien, die zeigen könnten, dass solche Screenings tatsächlich mehr Leben retten, als sie durch Überdiagnosen und unnötige Folgebehandlungen komplizieren.
Für den durchschnittlichen gesunden Menschen seien diese Untersuchungen deshalb derzeit eher ein kostspieliges Zusatzangebot als eine wissenschaftlich etablierte medizinische Notwendigkeit. Die Preise können je nach Umfang von mehreren hundert bis zu mehreren tausend Dollar reichen und werden in den USA meist nicht von Versicherungen übernommen.
Auch der Neurochirurg Anthony DiGiorgio äußert Zweifel daran, dass Ganzkörper-MRTs die Gesundheit der Gesamtbevölkerung entscheidend verbessern könnten. In seiner eigenen klinischen Praxis seien behandlungsbedürftige Zufallsbefunde nach solchen Untersuchungen eher selten.
Social Media verstärkt den Trend
Ganzkörper-MRTs werden seit einiger Zeit besonders von Prominenten und Influencern beworben.
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass mehr als 87 Prozent der Social-Media-Beiträge über Ganzkörper-MRTs und ähnliche Früherkennungstests positiv formuliert waren. Rund 84 Prozent der Beiträge hatten sogar ausdrücklich werbenden Charakter.
Das kann bei Menschen den Eindruck erwecken, ein möglichst umfassender Scan sei automatisch die sicherere Entscheidung.
Der Fall Philipps scheint diese Vorstellung auf den ersten Blick sogar zu bestätigen: Bei ihr wurde tatsächlich ein Tumor entdeckt, den man sonst womöglich erst später gefunden hätte.
Doch genau darin liegt das medizinische Dilemma.
Ein spektakulärer Einzelfall beweist noch nicht, dass ein Verfahren für Millionen gesunde Menschen sinnvoll ist.
Philipps: Informationen können Sicherheit geben
Busy Philipps selbst sieht ihre Entscheidung naturgemäß positiv. Sie erklärte, sie sei dankbar, dass der Tumor entdeckt worden sei und sie lebe.
Sie rät dazu, den eigenen Körper ernst zu nehmen und Informationen über die eigene Gesundheit nicht grundsätzlich zu fürchten.
Mediziner empfehlen allerdings, die Entscheidung über ein Ganzkörper-MRT gemeinsam mit einem Arzt zu treffen und dabei persönliche Risiken, mögliche Vorteile und mögliche Folgeuntersuchungen sorgfältig abzuwägen.
Der Fall zeigt damit beides:
Moderne Bildgebung kann Krankheiten entdecken, bevor Symptome auftreten.
Aber mehr Diagnostik bedeutet nicht automatisch bessere Medizin.


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