Der Job des Pressesprechers oder der Pressesprecherin im Weißen Haus gehört zu den sichtbarsten und anstrengendsten politischen Aufgaben in Washington. Eine Analyse von USA Today zeigt nun, dass Mütter in dieser Funktion im Durchschnitt deutlich kürzer im Amt bleiben als andere Amtsinhaber.
Aktuelles Beispiel ist Karoline Leavitt. Nur wenige Wochen nachdem sie nach der Geburt ihrer Tochter wieder an das Rednerpult im Pressebriefing-Raum zurückgekehrt war, kündigte sie ihren Abschied aus dem Weißen Haus an.
Leavitt war erst zehneinhalb Wochen zuvor Mutter geworden. Als sie bei einer Pressekonferenz gefragt wurde, wie sie die anspruchsvolle Arbeit mit einem Neugeborenen und ihrem zweijährigen Sohn vereinbare, fiel ihre Antwort nüchtern aus: Ein Geheimrezept gebe es nicht. Man müsse schlicht jeden Tag weitermachen. Gleichzeitig räumte sie offen ein, wie schwierig der Spagat zwischen Beruf und Familie sei.
Nur wenige Wochen später stand fest: Leavitt würde ihren Posten verlassen.
Vier Pressesprecherinnen gingen wegen ihrer Familien
Leavitt ist bereits die vierte Pressesprecherin innerhalb von sieben Jahren, die ausdrücklich erklärte, mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen zu wollen.
Nach einer Auswertung von USA Today blieben Mütter als Pressesprecherinnen des Weißen Hauses im Durchschnitt rund ein Jahr kürzer im Amt als andere Amtsinhaber. Dabei wurden auch Männer mit kleinen Kindern sowie Frauen ohne Kinder zum Vergleich herangezogen.
Arbeitsmarktforscher sehen darin kein rein politisches Phänomen. In den USA verlassen weiterhin viele Frauen den Beruf, weil Betreuung, Organisation und familiäre Verantwortung mit den Anforderungen ihres Arbeitsplatzes kaum vereinbar sind.
Nach Angaben von Forschern der University of Kansas schieden zwischen Juli 2025 und Juli 2026 rund 341.000 Mütter aus dem Arbeitsmarkt aus. Studien nennen Betreuungspflichten als einen wesentlichen Faktor.
Ein Arbeitstag, der kaum Pausen kennt
Wer das Weiße Haus nach außen vertritt, lebt praktisch im Nachrichtentakt.
Die frühere ABC-Korrespondentin Ann Compton, die sieben Präsidenten begleitete, beschrieb den Arbeitsalltag als nahezu erstickend. Schon ab dem Moment, in dem man das Gebäude betrete, gebe es permanent Arbeit.
Für eine stillende Mutter könne es bereits schwierig sein, überhaupt eine kurze Pause einzubauen, um Milch abzupumpen, ein Baby zu versorgen oder zu Hause nach dem Rechten zu sehen.
Experten argumentieren deshalb, dass Präsidenten und ihre Stabschefs eine Arbeitskultur schaffen müssten, in der Spitzenjobs nicht zwangsläufig mit dem Verzicht auf ein Familienleben verbunden seien.
Andernfalls verliere das Weiße Haus hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Früher fast ausschließlich Männer
Historisch betrachtet war der Posten lange eine Männerdomäne.
Von insgesamt 37 Pressesprechern des Weißen Hauses waren bis 2017 lediglich zwei Frauen. Das änderte sich, als Donald Trump Sarah Huckabee Sanders ernannte.
Sanders hatte damals drei kleine Kinder und blieb 23 Monate im Amt.
Die Pressesprecher vor ihr hatten im Durchschnitt knapp drei Jahre durchgehalten. Darunter waren auch Männer mit kleinen Kindern.
Seit fast einem Jahrzehnt jedoch wurde das Amt ausschließlich von Frauen ausgeübt: Sarah Huckabee Sanders, Stephanie Grisham, Kayleigh McEnany, Jen Psaki, Karine Jean-Pierre und Karoline Leavitt.
Alle hatten zu Beginn ihrer Tätigkeit Kinder unter zehn Jahren. Ihre durchschnittliche Amtsdauer lag bei rund 18 Monaten.
Vier von ihnen erklärten ausdrücklich, dass der Wunsch nach mehr Zeit mit ihren Kindern zu ihrem Abschied beigetragen habe.
Der klassische „gierige Job“
Ökonomin Claudia Goldin bezeichnet besonders gut bezahlte Berufe mit extrem hohen zeitlichen Anforderungen als „greedy jobs“ – also Berufe, die praktisch die vollständige Verfügbarkeit ihrer Beschäftigten verlangen.
Der Job des Pressesprechers passt ziemlich genau in diese Kategorie.
2026 liegt das Jahresgehalt für die Position bei rund 195.000 Dollar. Dafür sind Arbeitstage von frühmorgens bis spätabends keine Ausnahme.
Der frühere Pressesprecher Ari Fleischer berichtete beispielsweise, dass sein Tag häufig gegen fünf Uhr morgens begann. Um sieben Uhr stand bereits die Besprechung mit den wichtigsten Mitarbeitern des Weißen Hauses an. Nach Hause ging er oft erst gegen 20 Uhr. Hinzu kamen Arbeit an Samstagen und Telefonate an Sonntagen.
Für Eltern kleiner Kinder bedeutet ein solcher Tagesablauf zwangsläufig, Abendessen, Badezeiten und häufig auch das Zubettbringen zu verpassen.
Auch Väter kennen den Konflikt
Das Problem betrifft keineswegs ausschließlich Frauen.
Jay Carney, Pressesprecher unter Barack Obama, blieb 40 Monate im Amt. Bei seinem Abschied erklärte er, er hoffe, dadurch seine Frau und seine Kinder weniger zu belasten.
Obama selbst sagte damals, Carney habe bereits zu viele Baseballspiele seiner Tochter verpasst.
Carney erklärte später, dass leitende Tätigkeiten im Weißen Haus für jeden Menschen mit kleinen Kindern extrem schwierig seien.
Er versuchte, trotz der Belastung möglichst häufig gegen 20 Uhr zu Hause zu sein, um seine Kinder zumindest noch ins Bett bringen zu können. Bei Auslandsreisen mit dem Präsidenten funktionierte selbst das nicht.
Öffentliche Angriffe verschärfen die Belastung
Zum Zeitdruck kommt die enorme öffentliche Aufmerksamkeit.
Pressesprecherinnen stehen fast täglich vor laufenden Kameras und werden dadurch selbst zu prominenten politischen Figuren.
Sarah Huckabee Sanders berichtete beispielsweise, dass ihre Familie während ihrer Tätigkeit für Trump aus einem Restaurant hinausgeworfen worden sei. Ein Elternteil an der Vorschule ihres dreijährigen Sohnes habe sogar auf ihr Auto gespuckt.
Politische Kommentatoren hätten zudem regelmäßig ihr Aussehen kritisiert und sogar ihre Fähigkeiten als Mutter infrage gestellt.
Auch männliche Pressesprecher wurden häufig persönlich angegriffen. Jay Carney sagte jedoch, er sei während seiner Amtszeit nie wegen seiner Rolle als Vater attackiert worden.
„Man schaltet diesen Job nie aus“
Karine Jean-Pierre, die unter Joe Biden 32 Monate im Amt blieb und damit länger als jede andere Frau auf diesem Posten, beschrieb einen weiteren Aspekt der Belastung.
Auch außerhalb des Weißen Hauses sei sie immer noch die Pressesprecherin gewesen – ganz gleich, ob sie gerade einkaufen oder einen Kaffee trinken ging.
Der Beruf lasse sich praktisch nicht abschalten.
Bei ihrer letzten Pressekonferenz wandte sich Jean-Pierre emotional an ihre Tochter und räumte ein, dass diese viele Abende sowie zahlreiche Schulwege ohne ihre Mutter verbringen musste.
Karoline Leavitt kehrte schon wenige Wochen nach der Geburt zurück
Leavitts eigene Geschichte verdeutlicht den enormen Druck besonders.
Schon nach der Geburt ihres ersten Kindes 2024 unterbrach sie ihre Tätigkeit als Trump-Sprecherin nur kurz. Vier Tage nach dem Attentat auf Trump in Butler kehrte sie sofort in den Wahlkampf zurück.
Am 1. Mai 2026 wurde sie schließlich zur ersten amtierenden Pressesprecherin des Weißen Hauses, die während ihrer Amtszeit ein Kind zur Welt brachte.
Bereits rund sieben Wochen später reiste sie wieder mit Trump in der Air Force One. Ihre erste Pressekonferenz nach der Geburt hielt sie Mitte Juli.
Im August erklärte Leavitt schließlich, jeder Tag als berufstätige Mutter sei eine Herausforderung. Man müsse ständig Prioritäten setzen und viele berufliche Möglichkeiten ablehnen, wenn man abends bei den eigenen Kindern sein wolle.
Nach ihrem Abschied plant sie zunächst einen Familienurlaub in New Hampshire. Anschließend soll sie für ein Trump-nahes Super-PAC arbeiten – also weiterhin politisch aktiv bleiben, allerdings außerhalb des täglichen Drucks im Weißen Haus.
Eine Entscheidung für die Familie
Mehrere frühere Pressesprecherinnen äußerten Verständnis für Leavitts Schritt.
Kayleigh McEnany bezeichnete ihre Entscheidung, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu wollen, als nachvollziehbar und lobte Leavitt dafür, den anspruchsvollen Job auch während ihrer Schwangerschaft ausgeübt zu haben.
Auch Jen Psaki sagte, sie könne die Schwierigkeit sehr gut nachvollziehen, eine solche Tätigkeit mit einem Familienleben vereinbaren zu müssen.
Der Fall zeigt damit ein grundsätzliches Problem weit über Washington hinaus:
Spitzenpositionen verlangen häufig nahezu vollständige zeitliche Verfügbarkeit. Solange sich diese Arbeitskultur nicht verändert, werden besonders Eltern kleiner Kinder immer wieder vor derselben Entscheidung stehen.
Karriere oder Familie soll eigentlich keine Entweder-oder-Frage sein.
Im Weißen Haus ist sie es offenbar noch erstaunlich oft.


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