Österreich kompakt: Justizstreit, „Made in Europe“ – und Rapid erlebt einen bitteren Europacup-Abend

Österreich kompakt: Justizstreit, „Made in Europe“ – und Rapid erlebt einen bitteren Europacup-Abend

Veröffentlicht

Donnerstag, 27.08.2026
von Red. TB

In Österreich ist in den vergangenen Stunden einiges zusammengekommen: In der Innenpolitik bekommt die geplante Bundesstaatsanwaltschaft neuen Gegenwind ausgerechnet aus der Justiz, wirtschaftspolitisch will die Regierung die gewaltige Einkaufsmacht des Staates stärker für europäische Unternehmen einsetzen, und im Fußball liegen zwischen Euphorie und Katzenjammer gerade einmal wenige Kilometer Autobahn. Während der LASK nach seinem Champions-League-Coup noch schwebt, muss Rapid einen ausgesprochen bitteren Europacup-Abend verdauen.

Hinweis zur Aktualität: Berücksichtigt sind die aktuell auffindbaren Meldungen aus ungefähr den vergangenen zwölf Stunden beziehungsweise die jüngsten relevanten Entwicklungen, soweit sie von den Nachrichtenquellen bereits veröffentlicht und indexiert wurden.

Innenpolitik: Bundesstaatsanwaltschaft wird zum nächsten Regierungstest

Die geplante Bundesstaatsanwaltschaft entwickelt sich zunehmend zu einem politischen Problem für die Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS. Kritik kommt nicht nur von der Opposition, sondern auch aus Justizkreisen. Oberster Gerichtshof und Richtervereinigung sehen laut einem aktuellen Bericht die Unabhängigkeit der geplanten Weisungsspitze gefährdet. Die Grünen verlangen deshalb ein „Zurück an den Start“.

Das ist für die Regierung mehr als ein Schönheitsfehler. Für die Reform ist eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat erforderlich. Die Koalition benötigt also Unterstützung von FPÖ oder Grünen. Gerade deshalb könnte die fachliche Kritik politisch noch erhebliches Gewicht bekommen.

Die Grundidee der Reform ist eigentlich klar: Die Weisungsspitze soll vom Justizministerium weg und auf eine unabhängige oberste Ermittlungs- und Anklagebehörde übertragen werden. Geplant ist eine kollegiale Dreierspitze.

Kurz gesagt: Die Regierung möchte die Staatsanwaltschaft unabhängiger machen und muss sich nun mit dem Vorwurf beschäftigen, dass ihre Konstruktion möglicherweise nicht unabhängig genug ist. Österreichische Innenpolitik kann manchmal eine bemerkenswerte Liebe zur Pointe entwickeln.

Auch bildungspolitisch stehen Veränderungen bevor. Zum Schulstart kommen unter anderem eine verpflichtende Begleitung suspendierter Schüler, neue Deutschförderkonzepte an zahlreichen Pflichtschulen und der sogenannte Chancenbonus für 400 Schulen. Ebenfalls vorgesehen ist erneut ein Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 Jahre.

Wirtschaft: Der Staat soll seine 67 Milliarden europäischer ausgeben

Wirtschaftspolitisch sorgt vor allem Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer für Gesprächsstoff. Der ÖVP-Politiker will die öffentliche Beschaffung stärker auf Produkte und Leistungen aus Österreich und Europa ausrichten.

Und dabei geht es nicht um Kleingeld.

Bund, Länder, Gemeinden und andere öffentliche Stellen vergeben beziehungsweise tätigen Beschaffungen im Umfang von rund 67 Milliarden Euro pro Jahr. Dieses Geld soll stärker dazu beitragen, Wertschöpfung, Produktion und Arbeitsplätze in Österreich und Europa zu halten. Das Schlagwort lautet „Made in Europe“.

Die Idee klingt zunächst bestechend einfach: Wenn der Staat ohnehin Milliarden ausgibt, warum damit nicht stärker europäische Unternehmen unterstützen?

In der Praxis wird es komplizierter. Europäische Anbieter sind teilweise teurer als Konkurrenten beispielsweise aus China. Hinzu kommen europarechtliche Vorgaben für öffentliche Ausschreibungen. Eine Bevorzugung heimischer Unternehmen lässt sich also nicht einfach per Ministerwort anordnen.

Damit beginnt die eigentliche Diskussion: Wie viel darf Standortpolitik kosten? Und wann wird aus „Made in Europe“ schlicht „teurer eingekauft“?

Kapsch wächst – Schulden bleiben das Problem

Unternehmensseitig steht Kapsch TrafficCom im Blickpunkt. Der Wiener Anbieter von Mautsystemen steigerte seinen Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 um 4,7 Prozent auf 105,2 Millionen Euro. Das operative Ergebnis lag bei 2,3 Millionen Euro.

Unter dem Strich blieb allerdings ein Nettoverlust von 1,1 Millionen Euro. Zudem belasten hohe Schulden und die laufende Restrukturierung weiterhin die finanzielle Situation.

Die Zahlen erzählen damit eine Geschichte, die derzeit bei einigen österreichischen Unternehmen zu beobachten ist: operativ geht es wieder etwas aufwärts, aber die Altlasten fahren weiterhin auf dem Beifahrersitz mit.

Klimapolitik trifft Industrie: Streit um CO₂-Speicherung

Ebenfalls wirtschaftlich relevant ist die wieder aufgeflammte Debatte über Carbon Capture and Storage (CCS).

Nach der politischen Einigung auf das österreichische Klimaziel 2040 wird über eine Aufhebung des bisherigen Verbots der CO₂-Speicherung diskutiert. Besonders energieintensive Branchen wie die Zementindustrie sehen darin eine wichtige Möglichkeit, ihre Emissionen zu reduzieren.

Die Sache hat allerdings einen Haken – beziehungsweise mehrere Milliarden davon.

Für Abscheidung, Transport und Speicherung des CO₂ wäre eine umfangreiche Infrastruktur notwendig. Die Industrie drängt deshalb auf eine Beteiligung des Staates an den Kosten. Umweltorganisationen warnen dagegen vor ökologischen Risiken und davor, CCS als Ersatz für tatsächliche Emissionsvermeidung zu betrachten.

Damit dürfte Österreich noch eine Weile über die Frage diskutieren, wer das CO₂ wohin bringt – und vor allem, wer am Ende die Rechnung dafür bekommt.

Fußball: Rapid vom Europacup-Himmel auf den Boden gefallen

Und dann wäre da noch Österreichs Bundesliga.

Dort könnte die Gefühlslage derzeit kaum unterschiedlicher sein.

Der LASK schreibt Fußballgeschichte, Rapid erlebt einen Abend zum Vergessen.

Die Linzer hatten im Champions-League-Play-off gegen Celtic Glasgow nach dem 0:3 im Hinspiel und einem weiteren Gegentor im Rückspiel zwischenzeitlich insgesamt 0:4 zurückgelegen.

Normalerweise ist das jener Moment, in dem man als Fan beginnt, über die Liga am kommenden Wochenende nachzudenken.

Der LASK entschied sich für eine andere Variante.

Die Mannschaft von Dietmar Kühbauer gewann das Rückspiel nach Verlängerung sensationell mit 5:1 und erreichte erstmals die Ligaphase der Champions League.

Das „Wunder von Linz“ gehört damit schon jetzt zu den außergewöhnlichsten Europacup-Abenden des österreichischen Vereinsfußballs.

Rapid scheitert im Elfmeterschießen

Wesentlich weniger feierlich war der Abend für Rapid Wien.

Die Hütteldorfer verpassten gegen Heart of Midlothian die Ligaphase der Conference League. Rapid führte im Play-off-Rückspiel durch Ercan Kara zunächst mit 1:0, kassierte anschließend jedoch zwei Gegentreffer und rettete sich durch Nenad Cvetkovic in der 119. Minute noch ins Elfmeterschießen.

Dort war Schluss.

Rapid verlor das Elfmeterschießen mit 3:4. Besonders bitter: Mit dem Ausscheiden gehen auch erhebliche Europacup-Einnahmen verloren; zudem könnten nun Spielerabgänge zum Thema werden.

Für Rapid ist das ein empfindlicher Rückschlag – gerade weil der Saisonstart in der Bundesliga hervorragend verlaufen ist.

Rapid und LASK führen die Liga an

Nach vier Runden liegen Rapid und LASK mit jeweils neun Punkten an der Spitze der österreichischen Bundesliga. Dahinter folgt Sturm Graz mit acht Punkten, Salzburg hält bei sieben Zählern.

Rapid hatte zuvor unter anderem mit einem spektakulären 8:0 gegen den GAK für Aufsehen gesorgt.

Nun wartet am Sonntag ein echtes Spitzenspiel: Rapid empfängt Sturm Graz im Allianz Stadion. Nach dem Europacup-Aus wird dabei besonders interessant sein, wie schnell die Hütteldorfer den Kopf wieder frei bekommen.

Für den LASK sieht die Welt dagegen momentan ausgesprochen freundlich aus. Tabellenführer beziehungsweise punktgleich an der Spitze, Champions-League-Ticket in der Tasche und ein 5:1 gegen Celtic, über das man in Linz vermutlich auch in zwanzig Jahren noch erzählen wird.

Das österreichische Tagesbild

Österreich startet damit mit reichlich Gesprächsstoff in den Tag. Politisch muss die Regierung bei einem ihrer großen Justizprojekte um die notwendige Mehrheit kämpfen. Wirtschaftlich setzt sie auf „Made in Europe“ und möchte die milliardenschwere öffentliche Beschaffung stärker als industriepolitisches Werkzeug einsetzen.

Und im Fußball zeigt sich wieder einmal, warum Europacup-Abende keinerlei Rücksicht auf Blutdruck oder Wochenplanung nehmen: Der LASK erlebt ein historisches Hoch, Rapid einen ausgesprochen schmerzhaften Absturz.

Immerhin bleibt Rapid Tabellenführer.

In Wien-Hütteldorf dürfte das heute allerdings ungefähr so tröstlich wirken wie der Hinweis nach einem verpassten Flug, dass der Flughafen dafür wirklich schöne Geschäfte hat.

Ich kann dir daraus auch jeden Morgen einen aktuellen Österreich-Artikel mit den drei festen Ressorts Politik, Wirtschaft und Bundesliga erstellen.

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GregBulmash (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 27.08.2026

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