Österreich wacht nach einer Nachrichten-Nacht auf, in der ausgerechnet der Sport für die spektakulärste Schlagzeile sorgte: Der LASK hat in der Champions-League-Qualifikation ein nahezu aussichtsloses Duell gegen Celtic Glasgow noch gedreht. Politisch beschäftigen die möglichen Geldflüsse aus der Freiheitlichen Jugend in das Umfeld der Identitären die Regierung, während Bundeskanzler Christian Stocker seine Tour durch die Bundesländer beendet hat. Wirtschaftlich stehen Lenzing, hohe Treibstoffpreise und die Folgen der Dürre im Mittelpunkt. International sorgen ein angeblicher Geheimbesuch des CIA-Chefs in Moskau und ein neuer Zollschlag Kanadas gegen die USA für Aufmerksamkeit.
Österreichische Politik: Freiheitliche Jugend gerät unter Druck
Eine der brisantesten innenpolitischen Meldungen des Abends betrifft die Freiheitliche Jugend.
Kanzleramtsministerin Claudia Bauer von der ÖVP will überprüfen lassen, ob die staatliche Jugendförderung für die FPÖ-Nachwuchsorganisation weiterhin gerechtfertigt ist. Hintergrund ist ein Bericht des „Standard“, wonach Gelder möglicherweise an eine Gruppierung aus dem Umfeld der rechtsextremen Identitären Bewegung geflossen sein könnten.
Dabei handelt es sich bislang um einen Verdacht aufgrund eines Medienberichts, nicht um eine festgestellte illegale Finanzierung. Der Vorsitzende der Freiheitlichen Jugend, Maximilian Weinzierl, weist zurück, dass Geld an die Identitären oder die Gruppierung „Aktion 451“ geflossen sei.
Bauer kündigte nun eine Prüfung an. Dabei soll unter anderem untersucht werden, ob die sogenannte Antisemitismusklausel bei der Bundesjugendförderung berührt sein könnte.
Die übrigen Parteien reagierten scharf. Vertreter von ÖVP, SPÖ und NEOS verlangten Aufklärung. Vizekanzler Andreas Babler warnte davor, mit Rechtsextremen gemeinsame Sache zu machen, während NEOS-Chef Douglas Hoyos eine lückenlose Klärung forderte. Der grüne Abgeordnete Lukas Hammer verlangte sogar den Rücktritt Weinzierls.
Damit bekommt die schon länger geführte Debatte über die Nähe einzelner FPÖ-Organisationen zur Identitären Bewegung neuen politischen Zündstoff.
Stocker beendet seine Österreich-Tour
Bundeskanzler Christian Stocker beendete am Dienstagabend in Linz seine sechswöchige Gesprächsreise durch alle neun Bundesländer.
Unter dem Titel „Österreich im Gespräch“ hatte der Kanzler seit Mitte Juli Bürgerinnen und Bürger getroffen. Beim Abschluss in Oberösterreich diskutierten rund 200 ausgewählte Gäste unter anderem über Gesundheit, Bildung, Pensionen, Kinderbetreuung, Pflege und Klimapolitik.
Besonders interessant war Stockers Position zum neuen Klimagesetz. Auf die Frage, ob strengere Klimavorgaben die stark industriell geprägte oberösterreichische Wirtschaft gefährden könnten, verwies der Kanzler auf eine vorgesehene Standortklausel. Österreich müsse seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten, gleichzeitig aber den CO₂-Ausstoß senken und sich an die Folgen des Klimawandels anpassen.
Stocker stellte sich damit ausdrücklich hinter das geplante Klimagesetz.
Daneben musste der Kanzler auch eine frühere Aussage über Kinderbetreuung korrigieren. Nachdem er bei einem früheren Termin mit einer Bemerkung für Kritik gesorgt hatte, stellte er in Linz klar: Kinderbetreuung sei Arbeit.
Die Bürger-Tour ist damit vorbei. Für die Bundesregierung beginnt nun der schwierigere Teil: Aus Gesprächsrunden müssen konkrete Reformen werden.
Weltpolitik: CIA-Chef offenbar heimlich in Moskau
International richtet sich der Blick in dieser Nacht vor allem auf Moskau.
Nach Berichten mehrerer US-Medien soll CIA-Direktor John Ratcliffe zu geheimen Gesprächen in die russische Hauptstadt gereist sein. Es wäre sein erster bekannter Besuch in Moskau seit seinem Amtsantritt.
Bemerkenswert ist, dass weder die CIA noch die russische Regierung die Reise zunächst offiziell bestätigten. Auch der genaue Zweck des Besuchs ist bislang unbekannt.
Nach Berichten von Axios und CNN soll Washington die Ukraine allerdings über die Reise informiert und darum ersucht haben, bestimmte Angriffe auf russisches Territorium während Ratcliffes Aufenthalt auszusetzen.
Ob es dabei um neue Verhandlungen über den Ukrainekrieg, Gefangenenaustausch, Geheimdienstkontakte oder andere sicherheitspolitische Fragen geht, ist derzeit offen. Gerade deshalb dürfte die Reise in den kommenden Stunden eines der wichtigsten internationalen Themen bleiben.
Kanada schlägt im Zollstreit mit den USA zurück
Gleichzeitig eskaliert der Handelsstreit zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten.
Die kanadische Regierung von Premierminister Mark Carney kündigte neue Zölle auf US-Produkte im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar an.
Ab dem 8. September sollen auf rund 700 amerikanische Produkte Abgaben zwischen 15 und 50 Prozent erhoben werden. Besonders hart betroffen sind unter anderem Stahl, Aluminium, Möbel und Kleidung. Auch Haushaltsgeräte, Elektronik, Werkzeuge und einzelne Lebensmittel stehen auf der Liste.
Kanada reagiert damit auf neue US-Zölle. Präsident Donald Trump droht zudem mit deutlich höheren Abgaben auf kanadische Fahrzeuge.
Das ist für Ottawa besonders gefährlich: Rund 70 Prozent der kanadischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Die kanadische Regierung stellt deshalb gleichzeitig milliardenschwere Hilfen für Unternehmen und Beschäftigte bereit.
Aus einem politischen Streit zwischen Washington und Ottawa wird damit zunehmend ein handfester nordamerikanischer Handelskonflikt.
Syrische Kurden lösen ihre eigenständige Streitmacht auf
Auch aus Syrien kam am Abend eine politisch weitreichende Nachricht.
Der kurdische Militärführer Maslum Abdi kündigte in Damaskus die Auflösung der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) als eigenständige bewaffnete Organisation an.
Die SDF waren jahrelang einer der wichtigsten Partner der westlichen Anti-IS-Koalition und spielten eine entscheidende Rolle bei der militärischen Niederlage des sogenannten „Islamischen Staates“ im Jahr 2019.
Die kurdischen Streitkräfte sollen nun schrittweise in die staatlichen syrischen Strukturen integriert werden. Grundlage ist eine Vereinbarung mit Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa.
Damit verändert sich die Machtarchitektur im Nordosten Syriens erheblich.
Österreichische Wirtschaft: Lenzing sammelt 300 Millionen Euro ein
In der österreichischen Wirtschaft kommt die wichtigste Unternehmensmeldung aus Oberösterreich.
Der Faserhersteller Lenzing hat eine Kapitalerhöhung im Umfang von rund 300 Millionen Euro beschlossen.
Gemeinsam mit weiteren 300 Millionen Euro Fremdfinanzierung sollen damit insgesamt rund 600 Millionen Euro für den Konzernumbau zur Verfügung stehen. Lenzing will sich stärker auf hochwertige Spezialfasern, Vliesstoffe, Zellstoff und Bioraffinerieprodukte konzentrieren.
Der Umbau hat allerdings eine harte Kehrseite.
Die Faserproduktion im burgenländischen Werk soll bis Ende 2026 eingestellt werden, ein Werk in Großbritannien folgt 2027. Weltweit sollen im Zuge des Sparprogramms rund 2.000 Stellen wegfallen.
Für Österreich ist der Fall exemplarisch für ein größeres Problem: Energieintensive Industriebetriebe müssen gleichzeitig investieren, Kosten senken und sich technologisch neu positionieren.
Hohe Spritpreise bringen Übergewinnsteuer wieder ins Spiel
Auch an den Tankstellen wächst der politische Druck.
Finanzminister Markus Marterbauer von der SPÖ brachte angesichts der hohen Benzin- und Dieselpreise erneut eine europäische Übergewinnsteuer für internationale Ölkonzerne ins Gespräch.
Besteuert werden sollen demnach außergewöhnlich hohe Gewinne, die durch geopolitische Krisen und steigende Energiepreise entstehen.
Unterstützung kommt unter anderem vom ÖAMTC in Vorarlberg. Aus der Wirtschaft werden dagegen Zweifel geäußert, ob eine solche Steuer tatsächlich zu niedrigeren Preisen für Autofahrer führen würde.
Dieselpreise von mehr als zwei Euro pro Liter sorgen jedenfalls zunehmend für Unmut.
Damit könnte Energiepolitik im Herbst wieder zu einem größeren innenpolitischen Konflikt werden.
Dürre setzt Österreichs Landwirtschaft stärker unter Druck
Hinzu kommt ein Problem, das sich nicht mit einer kurzfristigen Steuermaßnahme lösen lässt.
Österreich gehört laut einer aktuellen Auswertung der EU-Kommission zu jenen europäischen Staaten, deren Landwirtschaft besonders stark unter Trockenheit und Hitze leidet.
Bei einzelnen Sommerkulturen liegen die Erträge in manchen österreichischen Regionen rund 20 Prozent unter dem fünfjährigen Durchschnitt. Besonders betroffen ist der Osten des Landes.
Forscherinnen und Forscher der Universität für Bodenkultur warnen deshalb vor langfristigen Folgen für die Lebensmittelproduktion. Rund 80 Prozent der befragten landwirtschaftlichen Betriebe sehen sich bereits vom Klimawandel betroffen; vier von zehn betrachten die Entwicklung sogar als mögliche Gefahr für ihre wirtschaftliche Existenz.
Die Debatte dreht sich damit zunehmend nicht mehr nur darum, ob Österreichs Landwirtschaft sich anpassen muss, sondern wie schnell.
Kultur: Der letzte „Jedermann“ der Saison
Deutlich ruhiger als Politik und Wirtschaft war die Kultur-Nachrichtenlage in den vergangenen zwölf Stunden.
In Salzburg ging allerdings eine der traditionsreichsten Serien der österreichischen Kultursaison zu Ende.
Am Dienstag um 17 Uhr stand die letzte „Jedermann“-Vorstellung der Salzburger Festspiele 2026 auf dem Programm. Philipp Hochmair spielte erneut die Titelrolle, Roxane Duran die Buhlschaft. Die Inszenierung stammt von Robert Carsen.
Der „Jedermann“ verabschiedet sich damit für dieses Jahr vom Domplatz – die Salzburger Festspiele selbst laufen jedoch noch bis zum 30. August.
Insgesamt umfasst die diesjährige Ausgabe 171 Aufführungen an 19 Spielstätten sowie zahlreiche Veranstaltungen im Kinder- und Jugendprogramm.
Sport: Der LASK schafft eines der größten Comebacks seiner Geschichte
Und dann kam Linz.
Was am Dienstagabend in der Champions-League-Qualifikation passierte, dürfte in die österreichische Fußballgeschichte eingehen.
Der LASK besiegte Celtic Glasgow nach Verlängerung mit 5:1 und qualifizierte sich erstmals für die Ligaphase der Champions League.
Das allein wäre bereits bemerkenswert.
Doch die Vorgeschichte macht den Erfolg spektakulär.
Nach einer 0:3-Niederlage im Hinspiel geriet der LASK auch im Rückspiel zunächst in Rückstand. Damit lag Celtic zwischenzeitlich insgesamt 4:0 vorne.
Das Duell schien entschieden.
Dann begann das Comeback.
Moses Usor traf zum 1:1, Marin Ljubičić kurz nach der Pause zum 2:1. Samuel Adeniran erhöhte auf 3:1, Florian Flecker rettete den LASK mit dem 4:1 in der 90. Minute überhaupt erst in die Verlängerung.
Dort erzielte Adeniran in der 109. Minute das entscheidende 5:1.
Endstand über beide Spiele: 5:4 für den LASK.
Neben dem sportlichen Prestige bedeutet die erstmalige Teilnahme an der Champions-League-Ligaphase auch einen finanziellen Sprung. Allein das Startgeld liegt bei rund 18 Millionen Euro – zusätzliche Einnahmen aus Spielen, Marktpool und Prämien noch nicht eingerechnet.
Für einen Klub wie den LASK verändert das die wirtschaftlichen Möglichkeiten erheblich.
Austria-Frauen dürfen weiter von der Champions League träumen
Auch die Fußballerinnen von Austria Wien kämpften am Dienstag um die Königsklasse.
Im Hinspiel der letzten Qualifikationsrunde unterlagen die Wienerinnen bei Brann Bergen mit 1:2.
Die Ausgangslage für das Rückspiel in Wien bleibt damit offen.
Auf Verena Hanshaw musste die Austria kurzfristig verzichten. Sie reiste aus privaten Gründen ab.
Die Entscheidung über den Einzug in die Champions League fällt kommende Woche in Wien.
Felix Gall fährt bei der Vuelta aufs Podest
Auch aus dem Radsport gibt es eine starke österreichische Nachricht.
Felix Gall belegte auf der vierten Etappe der Vuelta den dritten Platz.
Auf der schweren Bergetappe in Andorra kam der Tiroler 2:39 Minuten hinter Tagessieger Tadej Pogačar ins Ziel.
Gregor Mühlberger komplettierte mit Rang zehn einen starken österreichischen Tag.
Gall liegt in der Gesamtwertung nun auf Rang sieben, Mühlberger auf Platz elf.
Für Gall bleibt damit eine Spitzenplatzierung bei der Rundfahrt realistisch.
Historischer Satz für Österreichs Volleyballerinnen
Eine kleinere, aber bemerkenswerte Sportgeschichte lieferte Österreichs Frauen-Volleyballnationalteam.
Bei der Europameisterschaft verlor die Mannschaft zwar mit 1:3 gegen Griechenland, gewann aber den ersten Satz mit 25:20.
Damit gelang Österreich erstmals überhaupt ein Satzgewinn in einem EM-Gruppenspiel der Frauen. Bei den bisherigen EM-Teilnahmen 1958, 1963 und 1971 waren sämtliche Gruppenspiele ohne Satzgewinn geblieben.
Am Mittwoch wartet mit Bulgarien der nächste Gegner.
Österreich startet mit ungewöhnlich vielen Baustellen in den Mittwoch
Die vergangenen zwölf Stunden zeigen ein Land zwischen innenpolitischem Streit, wirtschaftlichem Anpassungsdruck und einer ausgesprochen erfolgreichen Sportnacht.
Die Regierung muss klären, was hinter den möglichen Finanzströmen aus der Freiheitlichen Jugend steckt. Christian Stocker beendet seine Bürger-Tour und muss nun beweisen, dass aus Zuhören auch Regieren wird. Lenzing stellt sich tiefgreifend neu auf, während hohe Energiepreise und klimabedingte Ernteausfälle neue wirtschaftliche Risiken schaffen.
International öffnen sich gleichzeitig überraschende diplomatische Kanäle zwischen Washington und Moskau, Kanada und die USA bewegen sich tiefer in einen Zollkrieg und in Syrien verschwindet mit der SDF eine der wichtigsten eigenständigen Streitkräfte des vergangenen Jahrzehnts.
Und dann ist da der LASK.
Vier Tore Rückstand in der Gesamtwertung, Celtic Glasgow als Gegner, Champions League auf dem Spiel – und am Ende steht ein 5:1.
Manche Nachrichten-Nächte enden mit Regierungskrisen.
Diese endet in Österreich zumindest auch mit einem Fußballmärchen.


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