Österreichs Bundesliga am Morgen: Sturm stolpert, Hartberg atmet auf – und der Europacup zerlegt den Spieltag

Österreichs Bundesliga am Morgen: Sturm stolpert, Hartberg atmet auf – und der Europacup zerlegt den Spieltag

Veröffentlicht

Sonntag, 23.08.2026
von Red. TB

Wer am Samstagabend glaubte, die vierte Runde der österreichischen Bundesliga würde einfach gemütlich ihren vorgesehenen Gang gehen, wurde eines Besseren belehrt. Sturm Graz ließ gegen Aufsteiger Austria Lustenau überraschend Punkte liegen, Hartberg beendete seine miserable Startserie buchstäblich in letzter Sekunde – und der Rest des Spieltags sieht wegen der Europacup-Verpflichtungen ohnehin eher aus wie ein Terminkalender, den jemand während eines Stromausfalls zusammengestellt hat.

Das Wichtigste aus den vergangenen rund zwölf Stunden.

Sturm stolpert ausgerechnet über den „Lieblingsgegner“

Eigentlich war alles angerichtet. Sturm Graz empfing Austria Lustenau und hätte zumindest vorübergehend an die Tabellenspitze springen können. Und statistisch hätte man den Vorarlbergern beinahe empfehlen können, sich die lange Anreise zu sparen: Sturm hatte zuvor 15 Bundesliga-Duelle in Folge gegen Lustenau gewonnen.

Dann kam der Fußball.

Und der interessiert sich bekanntlich nur mäßig für Statistiken.

Bereits in der zehnten Minute köpfte Dominik Weixelbraun die Gäste in Führung. Sturm lief anschließend lange einem Rückstand hinterher und benötigte schließlich Unterstützung durch den VAR. Nach einem Videoeingriff gab es Elfmeter, Seedy Jatta verwandelte in der 65. Minute zum 1:1. Dabei blieb es.

Für Sturm ist das ärgerlich. Die Grazer verpassten den Sprung an die Tabellenspitze und liegen nach ihrem zweiten Unentschieden der Saison auf Rang drei. Gleichzeitig hält eine andere Serie: Sturm ist nun seit 17 Bundesligaspielen ungeschlagen. Für Lustenau dagegen fühlt sich dieses Unentschieden fast wie ein kleiner Sieg an. Zum ersten Mal überhaupt holten die Vorarlberger einen Bundesliga-Punkt bei Sturm. Der bislang einzige andere Punktegewinn gegen die Grazer lag unglaubliche 29 Jahre zurück – ein 1:1 im Jahr 1997.

Und dann wurde es richtig kurios

Als wäre das überraschende Ergebnis nicht genug gewesen, lieferte die Nachspielzeit noch eine Szene, über die man in Lustenau vermutlich etwas länger sprechen wird.

Torhüter Domenik Schierl ließ sich zu einem Kopfstoß hinreißen. Der VAR griff ein, Schierl sah in der 98. Minute Rot.

Das Problem: Lustenau hatte keine normale Lösung mehr für das Tor.

Also musste Feldspieler Lenn Jastremski hinein.

Und was macht ein Feldspieler, wenn er plötzlich in der Nachspielzeit gegen Sturm Graz Torwart spielen soll?

Offenbar einfach das, was ein Torwart auch machen würde.

Beim letzten Grazer Eckball faustete Jastremski den Ball weg und rettete den Punkt.

Man kann taktische Konzepte wochenlang trainieren.

Manchmal lautet der Matchplan aber offenbar auch: Du bist jetzt Torwart. Viel Glück.

Hartberg trifft endlich – und gewinnt gleich mit

Noch größer dürfte die Erleichterung beim TSV Hartberg sein.

Drei Bundesligaspiele, drei Niederlagen, kein einziges Tor – so war die Mannschaft von Markus Schopp nach Begegnungen mit Salzburg, Sturm und Austria in die Saison gestartet.

In Altach platzte nun der Knoten.

Und wenn man schon mit dem Toreschießen beginnt, kann man offenbar auch gleich gewinnen.

Angelo Gattermayer erzielte in der 16. Minute Hartbergs erstes Saisontor. Ousmane Diawara glich nach der Pause per Kopf zum 1:1 aus. Vieles deutete anschließend auf eine Punkteteilung hin.

Bis zur 93. Minute.

Marco Hoffmann brachte den Ball noch einmal in die Mitte, Benjamin Markus kam aus dem Hintergrund – und traf zum 2:1 für Hartberg.

Für Markus war es sein erstes Bundesliga-Tor in Österreich.

Für Hartberg waren es die ersten drei Punkte der Saison.

Und für Trainer Markus Schopp dürfte es einer dieser Treffer gewesen sein, bei denen man sich plötzlich daran erinnert, dass Fußball gelegentlich auch Spaß machen kann.

Altach wirft einen Punkt in letzter Sekunde weg

In Altach sieht man dieselbe Szene naturgemäß etwas anders.

Trainer Ognjen Zaric brachte es anschließend ziemlich treffend auf den Punkt: Wenn man ein Spiel nicht gewinnen könne, müsse man zumindest den einen Punkt mitnehmen.

Genau das gelang seiner Mannschaft nicht.

Zaric bezeichnete beide Hartberger Treffer als vermeidbar und selbst verschuldet. Besonders bitter: Nach Diawaras Ausgleich hatte Altach zeitweise das Momentum auf seiner Seite.

Statt eines möglichen Heimsieges gab es schließlich gar nichts.

Hartberg dagegen verlängerte eine bemerkenswerte Serie: Die Steirer sind mittlerweile seit elf Ligaspielen gegen Altach ungeschlagen.

Und was ist mit Salzburg gegen Rapid?

Wer nun am heutigen Sonntag gemütlich Red Bull Salzburg gegen Rapid Wien schauen wollte, muss seinen Tagesplan ändern.

Das Spiel findet nicht statt.

Zumindest nicht heute.

Die vierte Bundesligarunde wurde wegen der internationalen Aufgaben der österreichischen Europacup-Teilnehmer kräftig auseinandergezogen. Salzburg gegen Rapid wurde auf Mittwoch, 2. September, 20.30 Uhr verlegt.

Auch Austria Wien gegen WSG Tirol wurde verschoben und findet am 2. September um 18.30 Uhr statt. Der WAC empfängt den LASK bereits am 1. September um 19.30 Uhr.

Damit ist die vierte Runde derzeit tatsächlich eine Art Bundesliga auf Raten.

Offizielle Übersicht der vierten Bundesliga-Runde

Der Grund: Europa hat Vorrang

Hinter den Verschiebungen steckt allerdings kein organisatorisches Chaos, sondern eine bewusste Entlastung der österreichischen Europacupstarter.

Salzburg, Rapid, Austria und der LASK haben internationale Aufgaben vor sich und erhielten deshalb die Möglichkeit, ihre Bundesligapartien verlegen zu lassen. Schon vor dem Wochenende sprach der ORF deshalb treffend von einer „Rumpfrunde“.

Aus Sicht des österreichischen Fußballs ist das durchaus nachvollziehbar.

Österreich braucht international Punkte für die UEFA-Wertung. Gleichzeitig sollen die Klubs möglichst gute Chancen haben, die jeweiligen Ligaphasen zu erreichen.

Der Preis dafür ist allerdings ein Tabellenbild, das in den kommenden Tagen nur bedingt aussagekräftig sein wird.

Einige Vereine haben vier Spiele absolviert, andere erst drei – und manche Begegnungen der vierten Runde finden erst Anfang September statt.

Sturm sucht weiterhin Verstärkung

Interessant bleibt bei Sturm auch die Kaderplanung.

Trainer Fabio Ingolitsch hatte bereits vor der Partie gegen Lustenau deutlich gemacht, dass die Grazer nach den Abgängen von Jeyland Mitchell und Ryan Fosso noch nachlegen wollen.

Besonders in der Innenverteidigung sucht Sturm nach einem Spieler mit Tempo und körperlicher Präsenz.

Daneben bleibt die Personalie Yann Massombo interessant.

Der Altach-Stürmer wird mit Sturm in Verbindung gebracht. Eine Einigung ist jedoch nicht bestätigt – deshalb bleibt die Personalie ausdrücklich ein Transfergerücht.

Massombo fehlte auch gegen Hartberg weiterhin im Altacher Aufgebot und trainiert individuell. Nach Angaben aus Vorarlberg soll es Anfang der kommenden Woche Neuigkeiten zu seiner Situation geben.

Das könnte eines der interessantesten Transfer-Themen der kommenden Tage werden.

Lustenau hat plötzlich ein Torwartproblem

Für Austria Lustenau hat der Punktgewinn in Graz dagegen möglicherweise einen unangenehmen Nachgeschmack.

Nach der Roten Karte gegen Domenik Schierl droht dem Stammtorhüter nun eine Sperre. Wie lang diese ausfallen wird, hängt von der sportrechtlichen Bewertung der Szene ab. Eine konkrete Strafhöhe ist derzeit noch nicht bestätigt.

Sportlich darf Lustenau trotzdem zufrieden sein. Der Aufsteiger hat nach vier Partien bereits gezeigt, dass er nicht nur gekommen ist, um höflich mitzuspielen.

Ein Punkt bei Sturm ist dafür ein ziemlich deutliches Signal.

Hartberg lebt wieder

Die emotional wichtigste Geschichte des Abends schrieb aber vielleicht Hartberg.

Nach drei Spielen ohne Punkt und ohne Tor stand die Mannschaft bereits früh unter Druck. Trainer Schopp sprach nach dem Sieg davon, dass diese Situation für einige Spieler durchaus eine Belastung gewesen sei.

Nun sind die ersten drei Punkte da.

Das löst natürlich noch nicht alle Probleme.

Aber zwischen null Punkten und drei Punkten liegt im Fußball manchmal eine erstaunlich große Welt.

Vor allem wenn der entscheidende Treffer in Minute 93 fällt.

Fazit: Ein Abend für Außenseiter

Die vergangenen zwölf Stunden haben der österreichischen Bundesliga jedenfalls gutgetan.

Austria Lustenau beendet eine beinahe historische Negativserie gegen Sturm Graz und nimmt sensationell einen Punkt aus Graz mit. Hartberg beendet seine Tor- und Punkteflaute mit einem Last-Minute-Sieg in Altach. Sturm verpasst die Tabellenführung. Und mit Schierls Platzverweis samt Feldspieler im Tor lieferte der Samstag auch noch jene Portion Verrücktheit, ohne die ein Bundesliga-Wochenende irgendwie unvollständig wäre.

Der einzige Haken für Fußballfans:

Der Spieltag ist noch lange nicht wirklich beendet.

WAC gegen LASK am 1. September, Austria gegen Tirol und Salzburg gegen Rapid am 2. September – erst dann ist die vierte Runde komplett.

Bis dahin bleibt eine Tabelle mit Sternchen.

Aber eines wissen wir seit Samstagabend schon wieder ganz sicher:

Wenn ein Aufsteiger beim vermeintlichen Lieblingsgegner punktet, ein bislang torloses Team in der 93. Minute gewinnt und am Ende ein Feldspieler im Tor einen Punkt festhält, dann braucht die österreichische Bundesliga wirklich niemandem zu erklären, warum man sie anschauen sollte.

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von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 23.08.2026

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