Zwischen Kanada und den USA fliegen wieder die wirtschaftlichen Fetzen. Nachdem die Handelsgespräche kurz vor knapp geplatzt sind, hat US-Präsident Donald Trump neue Zölle von satten 50 Prozent auf zahlreiche kanadische Waren verhängt. Kanadas Premier Mark Carney reagiert nach dem Motto: Wenn schon Zoll-Keule, dann bitte beidseitig – und kündigt Gegenmaßnahmen „Dollar für Dollar“ an.
Eigentlich sah es zwischenzeitlich so aus, als könnten sich beide Seiten noch einigen. Doch kurz vor der Ziellinie war plötzlich Schluss mit freundlicher Nachbarschaft. Carney erklärte, die USA hätten ihre Bedingungen in letzter Minute verändert. Diese seien unfair, wirtschaftlich wenig sinnvoll und hätten Zweifel geweckt, ob man sich auf einen Deal überhaupt verlassen könne.
Also: Verhandlungen gestoppt, Unterhändler zurück nach Ottawa und erst einmal Ärmel hochkrempeln für die nächste Runde im Zoll-Pingpong.
Washington sagt: Kanada war’s
Natürlich sieht die US-Seite die Sache etwas anders. Handelsbeauftragter Jamieson Greer erklärte sinngemäß: Wir waren uns doch schon fast einig – und dann kam Kanada plötzlich mit neuen Forderungen um die Ecke.
Damit ist klar: Beim beliebten Spiel „Wer hat angefangen?“ steht es derzeit ebenfalls unentschieden.
Noch wenige Tage zuvor hatten beide Seiten Optimismus verbreitet. Im Raum stand unter anderem, die US-Zölle auf kanadischen Stahl und Aluminium von 50 auf 25 Prozent zu halbieren. Bei Autos sollten die Abgaben von 25 auf 15 Prozent sinken.
Im Gegenzug sollte Kanada den USA unter anderem beim Zugang zum Milchmarkt entgegenkommen und amerikanische Spirituosen wieder großzügiger in die Regale lassen.
Doch daraus wird vorerst nichts.
Jetzt trifft es Wein, Käse und sogar Hockey-Ausrüstung
Die neuen US-Zölle treffen unter anderem kanadischen Wein, Milchprodukte, Kleidung, Zement und Eishockey-Ausrüstung.
Spätestens beim Hockey dürfte in Kanada klar sein: Jetzt wird’s persönlich.
Zusätzlich bleiben bereits bestehende Abgaben auf Stahl, Aluminium, Autos und Holz bestehen. Für kanadische Unternehmen entwickelt sich der Handelsstreit damit langsam zu einer Rechnung, bei der niemand mehr freiwillig nach dem Endbetrag fragt.
Wirtschaft schlägt Alarm
Die kanadische Handelskammer warnt bereits vor erheblichen Folgen. Besonders kleinere Exporteure könnten durch die zusätzlichen Kosten unter Druck geraten.
Schätzungen zufolge könnten bis zu 90.000 Arbeitsplätze in Kanada gefährdet sein. Auch das Bruttoinlandsprodukt könnte einen spürbaren Dämpfer bekommen.
Besonders angespannt ist die Lage in Ontario. Die Provinz ist stark von Industrie und Autobau abhängig. Premier Doug Ford unterstützt deshalb Carneys harte Linie ausdrücklich: Zoll für Zoll, Dollar für Dollar.
Oder anders gesagt: Wenn Washington die Rechnung erhöht, legt Ottawa einfach dieselbe Summe oben drauf.
Aus Nachbarschaft wird Zoll-Nachbarschaft
Kanada und die USA gehören eigentlich zu den engsten Handelspartnern der Welt. Doch seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus erinnert das Verhältnis zunehmend weniger an gute Nachbarn und mehr an zwei Leute, die sich über den Gartenzaun hinweg darüber streiten, wer zuerst den Rasenmäher falsch abgestellt hat.
Ob beide Länder bald wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, ist offen.
Bis dahin gilt wohl: Ahornsirup gegen amerikanischen Whiskey, Stahl gegen Autos und Zoll gegen Zoll. Nordamerikanische Freundschaft kann manchmal ganz schön teuer werden.


0 Kommentare