Schwangerschaft erfunden, Baby mitgenommen: Ein True-Crime-Fall wie aus dem Drehbuch

Schwangerschaft erfunden, Baby mitgenommen: Ein True-Crime-Fall wie aus dem Drehbuch

Veröffentlicht

Mittwoch, 12.08.2026
von Red. TB

Manche Lügen werden irgendwann so groß, dass man sie kaum noch erklären kann. Im Fall der Mexikanerin Eleonor Alejandra Marín Mendoza war die Sache besonders ambitioniert: Sie täuschte über Monate eine Schwangerschaft vor, überzeugte damit Familie, Ehemann und sogar Ärzte – und verließ am Ende ein Krankenhaus mit einem Baby, das nicht ihres war.

Die Geschichte spielte sich 2009 in Mexiko-Stadt ab. Mendoza, damals 26 Jahre alt, hatte zuvor mehrere Fehlgeburten erlitten. Statt die letzte offen zu kommunizieren, baute sie ihre erfundene Schwangerschaft weiter aus. Sie nahm stark zu, veränderte medizinische Unterlagen und hielt die Illusion offenbar so überzeugend aufrecht, dass niemand rechtzeitig die Notbremse zog.

Der Höhepunkt dieses traurigen Theaterstücks folgte im Krankenhaus: Mendoza nahm ein neugeborenes Mädchen mit. Wenige Stunden später wurden sie und ihr Mann in einem Motel festgenommen. Das Kind blieb unverletzt und kam zu seinen Eltern zurück. Für Mendoza endete die Geschichte mit 13 Jahren Gefängnis.

Besonders absurd: Selbst ein Arzt soll während der vorgetäuschten Schwangerschaft einen vermeintlichen Herzschlag des Babys festgestellt und ihr Mutterschutz bescheinigt haben. Spätestens da dürfte die Realität selbst kurz überlegt haben, ob sie noch zuständig ist.

Mendoza erklärte später, sie habe unter massivem familiären und gesellschaftlichen Druck gestanden, Mutter zu werden. Nach Aussagen aus dem Prozess wurde ihr sinngemäß vermittelt, eine Frau ohne Kinder sei weniger wert. Der Wunsch nach Mutterschaft wurde so offenbar immer stärker mit ihrem eigenen Selbstbild verknüpft.

Die Mutter des entführten Babys sieht die Sache naturgemäß weniger psychologisch und deutlich klarer: Ihr Kind sei gestohlen worden, und sie empfinde kein Mitgefühl für Mendoza. Diese Perspektive bildet den harten Gegenpol zu der Frage, wie sehr sozialer Druck und psychische Belastungen Mendozas Verhalten beeinflusst haben könnten.

Das Netflix-Dokudrama „A Child of My Own“ greift den Fall nun auf und inszeniert Mendozas Version zunächst bewusst wie ein rosafarbenes Märchen. Erst später bricht die Realität in diese Traumwelt ein – ziemlich passend für eine Geschichte, in der Wunschdenken, gesellschaftliche Erwartungen und Verdrängung lange stärker waren als die Fakten.

Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis erklärte Mendoza, sie habe erst mit der Zeit verstanden, dass ihr Leben nicht davon abhängt, Mutter zu sein. Eine Erkenntnis, die in diesem Fall leider erst nach einer sehr langen, sehr dunklen Umleitung kam.

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Jupilu (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 12.08.2026

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