Die europäischen Finanzaufsichtsbehörden EBA, EIOPA und ESMA haben eine gemeinsame Stellungnahme zu den Chancen und Risiken fortschrittlicher Künstlicher Intelligenz (KI) im Finanzsektor veröffentlicht. Darin fordern sie einen sektorenübergreifenden, risikobasierten und einheitlichen Aufsichtsansatz, um neue Gefahren frühzeitig zu erkennen und die Widerstandsfähigkeit des europäischen Finanzsystems zu stärken.
Die Mitteilung wurde am 3. August 2026 veröffentlicht.
KI verändert den Finanzsektor
Immer mehr Banken, Versicherungen und Wertpapierunternehmen setzen moderne KI-Modelle ein. Sie unterstützen beispielsweise bei der Betrugserkennung, der Kreditprüfung, der Analyse großer Datenmengen oder im Kundenservice.
Nach Auffassung der europäischen Aufsichtsbehörden entstehen dadurch jedoch auch neue Risiken. Insbesondere leistungsfähige KI-Systeme können die Abhängigkeit von komplexen IT-Infrastrukturen erhöhen und neue Angriffsmöglichkeiten für Cyberkriminelle schaffen.
Gemeinsamer Aufsichtsansatz gefordert
Die drei europäischen Aufsichtsbehörden – die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) sowie die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) – sprechen sich deshalb für einen einheitlichen und risikoorientierten Aufsichtsrahmen aus.
Ziel ist es, Risiken im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) frühzeitig zu erkennen und wirksam zu begrenzen. Gleichzeitig sollen für alle Bereiche des Finanzsektors vergleichbare Anforderungen gelten.
Operative Resilienz soll gestärkt werden
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Stellungnahme steht die operative Resilienz der Finanzunternehmen. Gemeint ist die Fähigkeit, auch bei Cyberangriffen, technischen Störungen oder anderen IT-Ausfällen den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Die Aufsichtsbehörden empfehlen insbesondere Maßnahmen zur:
- Prävention von Cyberangriffen,
- frühzeitigen Erkennung von Sicherheitsvorfällen,
- wirksamen Reaktion auf Cyberrisiken,
- sowie einer schnellen Wiederherstellung kritischer Systeme.
Gerade beim Einsatz moderner KI-Modelle müssten Unternehmen ihre IT-Sicherheitsmaßnahmen kontinuierlich an neue Bedrohungen anpassen.
Governance und Risikomanagement im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der Stellungnahme betrifft die Unternehmenssteuerung. Nach Ansicht der europäischen Aufsichtsbehörden benötigen Finanzunternehmen robuste Governance- und Risikomanagementstrukturen, um den sicheren Einsatz von KI-Systemen zu gewährleisten.
Hierzu gehören unter anderem:
- klare Verantwortlichkeiten innerhalb der Unternehmen,
- laufende Risikoanalysen,
- wirksame interne Kontrollmechanismen,
- sowie regelmäßige Überprüfungen der eingesetzten KI-Anwendungen.
Bedeutung des DORA-Regelwerks
Besondere Bedeutung messen die Aufsichtsbehörden dem Digital Operational Resilience Act (DORA) bei. Dieses europäische Regelwerk verpflichtet Finanzunternehmen unter anderem dazu, ihre digitale Widerstandsfähigkeit zu stärken und Risiken bei der Nutzung externer IT-Dienstleister besser zu kontrollieren.
Gerade bei modernen KI-Anwendungen greifen viele Unternehmen auf spezialisierte Cloud- und Technologieanbieter zurück. Deshalb soll auch die Aufsicht über kritische IKT-Drittdienstleister weiter ausgebaut werden.
Fazit
Mit ihrer gemeinsamen Stellungnahme machen EBA, EIOPA und ESMA deutlich, dass der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz im Finanzsektor neue Anforderungen an Sicherheit und Aufsicht stellt. Die Behörden fordern einen europaweit abgestimmten, risikobasierten Aufsichtsansatz, robuste Governance-Strukturen sowie eine konsequente Umsetzung der DORA-Vorgaben. Ziel ist es, Cyberrisiken frühzeitig zu erkennen und die Stabilität des europäischen Finanzsystems auch im Zeitalter moderner KI-Anwendungen dauerhaft zu sichern.


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