Erst ein wenig Sommerschlaf, dann ein schwarz-weißes Schützenfest
Na also, es geht doch. Der LASK ist in die Mission Titelverteidigung im UNIQA-ÖFB-Cup gestartet – und wie! Beim SC Kalsdorf siegten unsere Schwarz-Weißen am Ende mit 7:0. Das Ergebnis klingt nach einem gemütlichen Betriebsausflug in die Steiermark. Wer die erste Hälfte gesehen hat, weiß allerdings: Ganz so entspannt war die Angelegenheit zunächst nicht.
45 Minuten lang wirkte der LASK zeitweise so, als hätte man die Sommerpause vorsichtshalber um einen halben Tag verlängert. Kalsdorf spielte mutig, frech und ohne jeden Respekt vor dem Double-Gewinner. Noah Leitold hatte sogar die große Chance, den Regionalligisten in Führung zu bringen. Zum Glück blieb uns dieser frühe Weckruf auf der Anzeigetafel erspart.
Auch der LASK ließ seine Möglichkeiten zunächst mit bemerkenswerter Großzügigkeit liegen. Man wollte dem Gastgeber offenbar nicht gleich die ganze Freude an diesem Cupabend nehmen.
Andrade beendet den Sommerschlaf
Für die erlösende Führung musste schließlich ein WM-Teilnehmer sorgen. Andres Andrade stieg nach einem Standard am höchsten und köpfelte den Ball in der 40. Minute zum 1:0 ins Netz.
Kein fußballerisches Feuerwerk, keine große Gala – aber Hauptsache Führung. Im Cup gewinnt man schließlich keinen Schönheitspreis. Man muss weiterkommen. Und wenn möglich, ohne dass die Nerven der mitgereisten LASK-Fans bereits im Juli vollständig aufgebraucht werden.
Mit der knappen Führung ging es in die Pause. Vermutlich fand Dietmar Kühbauer dort die richtigen Worte. Vielleicht waren sie taktischer Natur. Vielleicht hat er auch einfach gefragt, ob jemand daran interessiert sei, die Saison tatsächlich zu beginnen.
Christoph Lang kommt – und Kalsdorf erlebt einen langen Abend
Nach dem Seitenwechsel war jedenfalls ein anderer LASK zu sehen. Die Linzer erhöhten das Tempo, spielten zielstrebiger und ließen den Klassenunterschied endlich erkennen.
Der entscheidende Mann hieß Christoph Lang. Eigentlich war er zunächst gar nicht für eine Hauptrolle vorgesehen. Dann kam er für den verletzten Ramiz Harakate ins Spiel – und machte aus seiner Einwechslung eine persönliche Torgala.
In der 54. Minute köpfelte Lang zum 2:0 ein. Acht Minuten später folgte ein platzierter Flachschuss zum 3:0. Damit war die Partie entschieden und der Widerstand der Kalsdorfer weitgehend gebrochen.
Doch Lang hatte noch nicht genug.
Samuel Adeniran erhöhte in der 70. Minute auf 4:0. Danach verwandelte Lang einen Elfmeter zum 5:0 und vollendete in der Nachspielzeit sogar seinen persönlichen Viererpack. Dazwischen traf auch Krystof Danek.
Am Ende stand ein 7:0, das nach der etwas verschlafenen ersten Hälfte doch noch standesgemäß ausfiel. Vier Tore von Christoph Lang sind dabei eine Ansage. Wer von der Bank kommt und den Gegner anschließend praktisch im Alleingang zerlegt, darf sich den Titel „Mann des Spiels“ ohne jede Diskussion mit nach Linz nehmen.
Große Sorge um Ramiz Harakate
So schön das Ergebnis war, ganz ungetrübt blieb der Abend leider nicht.
Neuzugang Ramiz Harakate ließ zunächst eine große Möglichkeit aus und rutschte wenig später ohne gegnerische Einwirkung unglücklich weg. Sein erster Griff ging sofort zum Knie – bekanntlich eine Bewegung, bei der jeder Fußballfan automatisch zusammenzuckt.
Der Franzose versuchte zwar noch kurz weiterzuspielen, musste dann aber ausgewechselt werden. Später wurde er auf Krücken gesehen.
Damit bekam der klare Sieg einen bitteren Beigeschmack. Gerade bei einem Neuzugang, auf den man sich in Linz einiges erhofft, braucht wirklich niemand schon beim ersten Pflichtspiel eine möglicherweise schwerere Knieverletzung.
Bleibt zu hoffen, dass es weniger schlimm ist, als es im ersten Moment aussah. Sieben Tore sind schön. Ein gesunder Stürmer wäre trotzdem noch schöner.
Salzburg gewinnt auch – na und?
Auch Red Bull Salzburg gewann sein Erstrundenspiel deutlich. Beim Debüt des neuen Trainers Danny Röhl setzten sich die Salzburger mit 7:1 in Oberwart durch.
Edmund Baidoo und Yorbe Vertessen sorgten früh für klare Verhältnisse, Gaoussou Diakite traf per Elfmeter. Oberwarts Michael Hutter durfte anschließend immerhin einmal den neuen Salzburger Einsergoalie Christian Zawieschitzky überwinden.
In der zweiten Hälfte machten Damir Redzic mit einem Doppelpack, Nikolas Veratschnig und Sota Kitano den Kantersieg perfekt.
Röhl sprach danach von einem Pflichtsieg, lobte den Start und ärgerte sich standesgemäß über das Gegentor. Trainer sind bekanntlich nie vollständig zufrieden. Bei Salzburg kommt erschwerend hinzu, dass selbst ein 7:1 offenbar noch Raum für Grundsatzanalysen bietet.
Man darf ihnen den gelungenen Auftakt gönnen. Schließlich ist es auch für einen Herausforderer schön, einmal sieben Tore zu erzielen. Der Titel steht derzeit trotzdem in Linz.
GAK kommt weiter, verliert aber Trummer
Auch der GAK erreichte souverän die nächste Runde. Die Grazer gewannen bei Donaufeld mit 4:0.
Tim Trummer brachte den GAK kurz vor der Pause in Führung, Alexander Hofleitner, Leon Klassen und der ehemalige LASK-Spieler Peter Michorl erzielten die weiteren Treffer. Michorl setzte ausgerechnet gegen die Mannschaft seines Onkels Josef den Schlusspunkt.
Doch auch die Grazer mussten ihren Sieg teuer bezahlen. Trummer verletzte sich bei seinem Tor offenbar schwer. Trainer Ferdinand Feldhofer sprach anschließend davon, dass die Situation „alles andere als gut“ aussehe.
Der LASK erfüllt seine Pflicht – und macht Lust auf mehr
Für den LASK bleibt nach diesem Auftakt ein gemischtes, insgesamt aber deutlich positives Fazit.
Die erste Hälfte war zäh. Kalsdorf hätte den Favoriten durchaus überraschen können. Nach der Pause zeigte die Mannschaft jedoch jene Konsequenz, die man von einem Titelverteidiger erwarten darf.
Sieben Tore, kein Gegentreffer und ein Christoph Lang in Torlaune: Sportlich kann sich dieser Pflichtspielauftakt sehen lassen.
Jetzt muss nur noch die Diagnose bei Ramiz Harakate möglichst glimpflich ausfallen. Denn so gern wir LASK-Fans Kantersiege feiern – die Saison ist lang, und der nächste Titel lässt sich leichter mit einem vollständigen und gesunden Kader verteidigen.
Der erste Schritt ist jedenfalls gemacht.
Der Cup gehört weiterhin uns. Und wer ihn haben will, muss erst einmal am LASK vorbei.


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