Italiens Kinder werden immer dicker – die Mittelmeerdiät verschwindet

Italiens Kinder werden immer dicker – die Mittelmeerdiät verschwindet

Veröffentlicht

Sonntag, 26.07.2026
von Red. TB

Italien gilt als Heimat der gesunden Mittelmeerdiät. Doch immer mehr Kinder und Jugendliche leiden dort an Übergewicht oder Adipositas. Besonders betroffen ist der Süden: In Teilen Kampaniens sind mehr als 40 Prozent der Acht- und Neunjährigen übergewichtig.

Der 17-jährige Salvatore wiegt 170 Kilogramm und kann kaum noch laufen oder seine Schuhe binden. Eine geplante Magenoperation ist derzeit zu gefährlich. Mithilfe eines appetithemmenden Medikaments soll er zunächst genügend Gewicht verlieren.

Ärzte beobachten, dass schweres Übergewicht immer früher auftritt. Kinder von zwei oder drei Jahren kämen teilweise bereits mit 25 Kilogramm in die Sprechstunde. Viele Eltern nähmen das Gewicht jedoch nicht als gesundheitliches Problem wahr.

Die traditionelle Ernährung aus Gemüse, Hülsenfrüchten, Fisch, Vollkornprodukten und Olivenöl spielt im Alltag vieler Familien kaum noch eine Rolle. Der Ernährungsforscher Valter Longo schätzt, dass nur etwa zehn Prozent der Italiener wirklich nach dem mediterranen Vorbild essen.

Stattdessen dominierten die „fünf P“: Pizza, Pasta, Kartoffeln, Protein und Brot. Hinzu kommen süße Snacks, zuckerhaltige Getränke und stark verarbeitete Lebensmittel. Selbst Pizza wird häufig mit Pommes, Wurst und frittierten Zutaten belegt.

Auch Bewegungsmangel verschärft das Problem. Viele italienische Schulen befinden sich in alten Gebäuden mit kleinen oder ungeeigneten Sporthallen. Gleichzeitig sind Tennisplätze, Schwimmbäder und andere Freizeitangebote für viele Familien zu teuer.

In Kampanien sollen nun mehr als 17.000 Schülerinnen und Schüler an Ernährungsprogrammen teilnehmen. Familien erhalten Unterstützung, um Essgewohnheiten dauerhaft zu verändern.

Umstritten ist ein Versuch mit einer stark kalorienreduzierten, fastenähnlichen Ernährung für übergewichtige Jugendliche. Befürworter hoffen auf positive Stoffwechseleffekte. Kritiker warnen dagegen vor Essstörungen und psychischem Druck.

Italien erkannte Adipositas 2025 als chronische, fortschreitende und wiederkehrende Krankheit an. Damit soll deutlich werden, dass nicht allein mangelnde Disziplin verantwortlich ist. Auch biologische, soziale und wirtschaftliche Faktoren spielen eine entscheidende Rolle.

Für viele Kinder kommt die Hilfe jedoch spät. Eine Generation wächst zunehmend entfernt von jener Ernährungsweise auf, die Italien einst weltweit zum Vorbild machte.

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odioso (CC0), Pixabay

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am: Sonntag, 26.07.2026

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