Musik hinter Gittern: Kameruns berüchtigtes Gefängnis mit eigenem Plattenlabel

Musik hinter Gittern: Kameruns berüchtigtes Gefängnis mit eigenem Plattenlabel

Veröffentlicht

Sonntag, 26.07.2026
von Red. TB

Das New-Bell-Gefängnis in Douala gilt als einer der härtesten Orte Kameruns. Die überfüllte Haftanstalt funktioniert fast wie eine eigene Stadt – mit kleinen Märkten, inoffiziellen Boten und Häftlingen, die bei der Aufrechterhaltung der Ordnung helfen.

Mitten in diesem schwierigen Umfeld entstand 2018 das Musikprojekt Jail Time Records. In einem einfachen Studio mit kleiner Aufnahmekabine und einem Computer produzieren Gefangene Rap, Afrobeats und Musikvideos.

Einige Künstler erreichen inzwischen ein internationales Publikum. Der Häftling Empereur kam mit seinem vollständig im Gefängnis gedrehten Video zu „Sa Ngando“ auf Zehntausende YouTube-Aufrufe. Andere Songs finden Zuhörer in Südafrika, den USA und Argentinien.

Für die Beteiligten ist die Musik mehr als Unterhaltung. Sie bietet ihnen die Möglichkeit, Gedanken, Schuldgefühle, Hoffnungen und Sehnsüchte auszudrücken. Der frühere Insasse und Mitbegründer Steve Happi beschreibt das Studio als einen Ort, an dem die Gefangenen zumindest für kurze Zeit die Gefängnismauern vergessen können.

Die Entstehungsgeschichte wurde über sechs Jahre hinweg in einem Dokumentarfilm festgehalten. Die Produktion gewann beim Tribeca-Filmfestival mehrere Preise. Oscarpreisträger Taika Waititi und Sängerin Rita Ora unterstützten das Projekt als ausführende Produzenten.

Das Label arbeitet unter extremen Bedingungen. Menschenrechtsorganisationen berichteten, dass New Bell mit rund 4.700 Insassen zeitweise vierfach überbelegt war. Krankheiten, schlechte hygienische Zustände und Gewalt gehören zum Alltag.

Kritiker fragen, ob das Projekt gewalttätige Straftäter zu Stars machen könnte. Die Gründer sehen ihre Arbeit jedoch als Teil der Resozialisierung. Kunst könne Menschen helfen, sich mit den eigenen Taten auseinanderzusetzen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Auch Frauen aus dem Gefängnistrakt nehmen inzwischen teil. Die Sängerin Jeje veröffentlichte 2022 ihren ersten Afrobeats-Song.

Jail Time Records wurde mittlerweile auf ein Gefängnis in Burkina Faso ausgeweitet. Die Einnahmen aus Veröffentlichungen werden teilweise an die Künstler ausgezahlt, der Rest fließt zurück in das Projekt.

Für viele Gefangene bedeutet das Studio vor allem eines: das Gefühl, trotz ihrer Haft noch gehört zu werden und weiterhin einen Platz in der Gesellschaft zu haben.

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Fanette (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 26.07.2026

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