In Frankreich und Spanien kämpfen Zehntausende Einsatzkräfte gegen schwere Waldbrände. Mehr als 300.000 Menschen mussten ihre Häuser, Ferienunterkünfte und Gemeinden verlassen. Viele von ihnen wissen nicht, wann sie zurückkehren können – oder was sie dort noch vorfinden werden.
Besonders dramatisch ist die Lage im Südwesten Frankreichs. Starke Winde treiben die Flammen in Richtung Bordeaux und erschweren die Löscharbeiten erheblich. Ein Feuerwehrsprecher erklärte, die Einsatzkräfte seien noch weit davon entfernt, den Brand unter Kontrolle zu haben.
Allein am Samstagabend wurden weitere 55.000 Menschen zur Evakuierung aufgefordert. Damit stieg die Zahl der Betroffenen in den Regionen Gironde und Landes auf etwa 250.000.
Feuerwehrhauptmann Nicolas Braz beschrieb den Brand als unberechenbar. Die enorme Hitze erzeuge eigene Luftströmungen und sogar Wirbelwinde. Den Einsatzkräften stehe eine weitere schwierige Nacht bevor.
Frankreich hat inzwischen auch das Militär mobilisiert. Soldaten unterstützen die Feuerwehr dabei, Büsche und trockenes Pflanzenmaterial zu entfernen sowie Brandschneisen anzulegen.
Präsident Emmanuel Macron versprach den Betroffenen langfristige Hilfe. Frankreich werde die zerstörten Gebiete wiederaufbauen, und die Regierung werde so lange Unterstützung leisten, wie es notwendig sei.
Am Samstag zog dichter Rauch über Bordeaux. Einwohner berichteten von einem beißenden Geruch, der bis tief in die Stadt hinein wahrnehmbar war.
Ein Urlauber, der mit seiner Familie vor einem herannahenden Feuer fliehen musste, bezeichnete das Ausmaß des Brandes als beängstigend. Die Familie brachte sich rund 160 Kilometer entfernt in Sicherheit – konnte den Rauch aber selbst dort noch riechen.
Andere Reisende berichteten, sie hätten zunächst geglaubt, in der Nachbarschaft werde gegrillt. Wenig später sei Asche auf ihr Grundstück gefallen und habe den Swimmingpool bedeckt. Beim Gehen im Freien seien ihre Füße schwarz geworden. Der Rauch habe sofort in der Lunge gebrannt.
In zahlreichen Orten wurden Notunterkünfte eingerichtet. Dort schlafen Menschen auf Matten und Feldbetten, während sie auf Nachrichten aus ihren Heimatorten warten. Familien sorgen sich um ihre Häuser, ältere Menschen um ihre Medikamente und viele Tierhalter um zurückgelassene Tiere.
Auch Einwohner von Saint-Aubin-de-Médoc mussten ihre Häuser verlassen. Betroffene beschrieben die Situation als belastend und sprachen von einer Katastrophe.
Die Brände haben inzwischen auch Auswirkungen auf die Tour de France. Die für Sonntag vorgesehene Schlussetappe wurde von 133 auf 89 Kilometer verkürzt. Dadurch können Sicherheitskräfte in die betroffenen Brandgebiete verlegt werden.
Insgesamt wüten in Frankreich rund 30 größere Feuer. Die Regierung bezeichnete die Situation als beispiellos. Macron wollte deshalb zu einer Krisensitzung mit mehreren Ministern zusammenkommen.
Auch in Spanien bleibt die Lage angespannt. Das Land hat den Notstand ausgerufen. Zwar halfen veränderte Wetterbedingungen den Einsatzkräften zeitweise, doch die Behörden warnten vor weiterhin schwierigen Stunden.
Bei einem Brand in der Nähe von València kam ein Mann ums Leben. Der vermutlich über 70-Jährige wurde von Feuerwehrleuten tot in seinem Auto gefunden.
Seit Beginn der aktuellen Brände wurden in den Regionen Madrid und Ávila fast 60.000 Menschen evakuiert. Mehr als 28.000 weitere Bewohner durften ihre Häuser nicht verlassen.
Am Samstagabend ordneten die Behörden zudem Evakuierungen in mindestens acht Gemeinden in der Nähe von Toledo an. Wie viele Menschen davon betroffen waren, war zunächst nicht bekannt.
Die Regionalpräsidentin von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, sprach vom schlimmsten Feuer in der Geschichte der Region.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez warnte vor schwierigen Zeiten. In diesem Jahr seien bereits rund 130.000 Hektar Land verbrannt – deutlich mehr als der durchschnittliche Jahreswert des vergangenen Jahrzehnts.
Auch in Frankreich sind die Schäden gewaltig. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez wurden seit Beginn des Jahres 2026 bereits 98.000 Hektar durch Feuer zerstört.
Die Waldbrandgefahr betrifft inzwischen weite Teile Europas. Auf Sizilien brachen mehr als 350 Brände aus, darunter zehn besonders große Feuer. Auch dort mussten Menschen ihre Häuser verlassen.
In Schottland kämpfen Einsatzkräfte seit Tagen gegen einen Brand im Cairngorms-Nationalpark. Das Feuer brannte bereits seit zehn Tagen, als die Behörden einen größeren Notfall ausriefen.
Die Europäische Union befürchtet, dass die diesjährige Waldbrandsaison bisherige Schadensrekorde übertreffen könnte. EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib warnte, die Saison habe besonders früh begonnen und weitere Hitzewellen könnten zusätzliche Feuer auslösen.
Frankreich hat den europäischen Katastrophenschutzmechanismus aktiviert. Mehrere Länder schicken Löschflugzeuge, Hubschrauber und Fachkräfte in die betroffenen Gebiete.
Aus Kroatien sollen drei Canadair-Löschflugzeuge kommen, aus Portugal zwei weitere Spezialflugzeuge. Tschechien und die Slowakei stellen Black-Hawk-Hubschrauber bereit. Zusätzlich reist ein rumänisches Waldbrandteam mit 40 Einsatzkräften an.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, insgesamt seien elf Flugzeuge und Hubschrauber der europäischen Löschflotte nach Frankreich und Spanien geschickt worden.
Während die Einsatzkräfte unermüdlich gegen die Flammen kämpfen, bleiben für Hunderttausende Menschen nur Sorge, Erschöpfung und Ungewissheit. Viele haben innerhalb weniger Minuten ihr Zuhause verlassen müssen und konnten nur das Nötigste mitnehmen.
Die Gedanken sind bei den Angehörigen des Todesopfers, bei den Verletzten, bei allen Evakuierten und bei jenen Feuerwehrleuten und Helfern, die unter lebensgefährlichen Bedingungen versuchen, Menschen, Tiere und ganze Ortschaften zu schützen.

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