Selenskyj kämpft nach Entlassung des Verteidigungsministers mit politischer Krise

Selenskyj kämpft nach Entlassung des Verteidigungsministers mit politischer Krise

Veröffentlicht

Samstag, 25.07.2026
von Red. TB

Der ukrainische Präsident versucht, die Folgen einer umstrittenen Regierungsumbildung einzudämmen. Zwar wurde ein neuer Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt und ein amtierender Verteidigungsminister eingesetzt, doch die politische Krise ist damit keineswegs beendet.

Auslöser war die Entscheidung vom 15. Juli, den bisherigen Verteidigungsminister nicht erneut zu berufen. Vor allem junge Ukrainer protestieren seitdem in mehreren Städten und fordern seine Rückkehr. Der frühere Minister gilt als treibende Kraft hinter der technologischen Modernisierung der Armee und dem verstärkten Einsatz von Drohnen und digitalen Systemen.

Angebote für andere Regierungsämter lehnte er bislang ab. Nach seiner Darstellung gebe es nur wenige Positionen, von denen aus sich der Verlauf des Krieges tatsächlich beeinflussen lasse: das Verteidigungsministerium, die militärische Führung oder das Präsidentenamt. Diese Äußerung nährte Spekulationen über mögliche politische Ambitionen. Wahlen sind während des Krieges allerdings nicht vorgesehen.

Teilweise beruhigt wurde die Lage durch die Ernennung eines neuen Oberbefehlshabers. Der 43-jährige General gilt als kampferfahren, modern und innerhalb der Streitkräfte hoch angesehen. Seine Berufung wurde sowohl von Regierungsvertretern als auch von Teilen der Opposition begrüßt. Sie löst jedoch nur einen Teil des Problems, denn die Entlassung des populären Verteidigungsministers belastet weiterhin das Ansehen des Präsidenten.

Beobachter vermuten, dass die Umbildung auch dazu dienen sollte, einen möglichen politischen Rivalen zu schwächen. Das Gegenteil scheint eingetreten zu sein: Seit seiner Entlassung ist die Popularität des früheren Ministers deutlich gestiegen.

Seine Unterstützer sehen in ihm einen jungen, entschlossenen Reformer und Gegner von Korruption. Kritiker warnen hingegen vor einer übertriebenen Personalisierung. Die militärische Innovationskraft der Ukraine beruhe nicht auf einem einzelnen Politiker, sondern auf Tausenden Unternehmen, Entwicklern und Soldaten.

Auch die Vorstellung, moderne Technik könne den Einsatz von Menschen weitgehend ersetzen, sei zu stark vereinfacht. Dennoch trifft sie einen empfindlichen Punkt in einer Gesellschaft, die seit Jahren unter Krieg, Mobilisierung und Verlusten leidet.

Trotz der politischen Spannungen rechnen die meisten Experten nicht mit unmittelbaren Rückschlägen an der Front. Die Kampfgebiete bleiben weitgehend stabil, während die Ukraine ihre Angriffe auf russische Infrastruktur fortsetzt. Gleichzeitig bereitet sich das Land auf mögliche neue Angriffe auf das Energienetz im kommenden Winter vor.

Die Affäre hat jedoch die Autorität des Präsidenten beschädigt. Sie zeigt, wie stark die ukrainischen Institutionen durch den Krieg belastet sind – und wie schnell Personalentscheidungen in einer erschöpften Gesellschaft zu einer politischen Vertrauenskrise werden können.

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am: Samstag, 25.07.2026

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