Nach schweren Vorwürfen gegen den zurückgetretenen Leiter des Wiener Marktamts, Andreas Kutheil, prüft die Magistratsdirektion die Einleitung eines Disziplinarverfahrens.
Geprüft wird also zunächst, ob genug geprüft wurde, um anschließend offiziell prüfen zu dürfen.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten Kutheil unter anderem Mobbing und rassistisches Verhalten vorgeworfen. Im „Falter“ war von einem „Klima der Angst“, Beschimpfungen und einem massiv belasteten Arbeitsalltag die Rede. Ein Personalvertreter sprach sogar von „Aktenschränken voller Vorwürfe“.
Zum Glück verfügt eine Behörde über reichlich Aktenschränke. Organisatorisch ist man auf die Lage also vorbereitet.
Kutheil trat bereits zurück. Für die Stadt Wien ist die Angelegenheit damit allerdings keineswegs erledigt. Als Arbeitgeberin müsse sie den Sachverhalt objektiv untersuchen, erklärte die Magistratsdirektion.
Sollte sich dabei eine Pflichtverletzung ergeben, könnten dienstrechtliche Maßnahmen folgen. Sollte ein Disziplinarverfahren notwendig sein, würde sich anschließend die unabhängige Disziplinarkommission mit den Vorwürfen befassen.
Die Reihenfolge ist damit klar:
Erst Rücktritt.
Dann interne Prüfung.
Dann Prüfung eines Verfahrens.
Dann möglicherweise das Verfahren.
Und irgendwann vielleicht sogar ein Ergebnis.
Nach einem mutmaßlichen Vorfall bei einer Weihnachtsfeier hatten Beschäftigte ein Gedächtnisprotokoll erstellt und den unabhängigen Bedienstetenschutz eingeschaltet. Dieser bestätigte, von den Vorwürfen zu wissen, durfte wegen seiner Verschwiegenheitspflicht aber keine Einzelheiten nennen.
Das schützt immerhin zuverlässig die Vertraulichkeit. Ob es auch die Beschäftigten geschützt hat, ist nun Gegenstand weiterer Prüfungen.
Für die Wiener Verwaltung beginnt damit eine ihrer anspruchsvollsten Disziplinen: möglichst gründlich aufklären, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, dass irgendjemand übereilt Verantwortung übernimmt.


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