Im Persischen Golf läuft derzeit wieder das beliebte Strategiespiel „Wer droht zuerst?“. Während offiziell über sichere Schifffahrtsrouten durch die Straße von Hormus verhandelt wird, werfen sich Washington und Teheran gleichzeitig mit ultimativen Warnungen um die Ohren. Diplomatie im Jahr 2026 bedeutet offenbar: Erst bombardieren, dann verhandeln – und zwischendurch noch ein paar Drohungen auf Social Media veröffentlichen.
Oman versucht derweil den Schiedsrichter zu geben und schlägt zwei Schifffahrtsrouten vor: eine durch omanische Gewässer, eine durch iranische. Die Idee klingt fast vernünftig – was vermutlich erklärt, warum sich bislang niemand endgültig darauf einigen konnte.
Die USA verlangen vom Iran eine öffentliche Garantie, künftig keine Schiffe mehr zu beschießen. Der Iran wiederum erklärt, man halte sich an Absprachen – während gleichzeitig wieder Raketen fliegen. Offenbar hat inzwischen jede Seite ihre ganz eigene Definition davon, was eine Waffenruhe eigentlich bedeutet.
Donald Trump bleibt seiner Rolle als Chef-Kommentator auf Truth Social treu und kündigt für den Fall eines Attentats auf seine Person gleich die vollständige Vernichtung Irans an. In Teheran antwortet man wenig überraschend mit dem Schwur auf Rache für den getöteten Ajatollah Ali Chamenei. Die diplomatische Gesprächskultur erinnert damit zunehmend an einen Schulhof, auf dem beide Seiten gleichzeitig rufen: „Der hat aber angefangen!“
Fast schon grotesk wirkt dabei die iranische Zeitung Hamshahri, die eine Liste angeblicher Mitverantwortlicher für Chameneis Tod veröffentlicht. Darauf finden sich neben Donald Trump und Benjamin Netanjahu gleich mehrere europäische Regierungschefs – darunter Giorgia Meloni, Emmanuel Macron, Keir Starmer und Friedrich Merz. Offenbar gilt inzwischen: Wer international bekannt ist, hat gute Chancen, auf irgendeiner politischen Feindesliste zu landen.
Währenddessen hoffen Reedereien, Versicherungen und die Weltwirtschaft schlicht darauf, dass Tanker irgendwann wieder ungestört durch die Straße von Hormus fahren können. Denn eines zeigt dieser Konflikt einmal mehr: Öl fließt zwar durch Pipelines – politische Vernunft dagegen offensichtlich deutlich seltener.


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