In Indien wächst die Kritik an der umstrittenen Überarbeitung der Wählerverzeichnisse. Der Editors Guild of India, einer der wichtigsten Journalistenverbände des Landes, wirft den Behörden vor, einem prominenten Journalisten faktisch grundlegende Bürgerrechte entzogen zu haben.
Im Mittelpunkt steht R. Rajagopal, ehemaliger Chefredakteur der renommierten Zeitung The Telegraph in Kolkata. Nach seinen Angaben wurde sein Name im Zuge der sogenannten Special Intensive Revision (SIR) aus dem Wählerverzeichnis gestrichen. Die Folge: Nicht nur sein Wahlrecht ist derzeit ausgesetzt – auch die Verlängerung seines Reisepasses verzögert sich, weil die Behörden die notwendige Polizeiprüfung nicht abschließen konnten.
Millionen Wähler betroffen
Die von der indischen Wahlkommission durchgeführte SIR soll unberechtigte Einträge aus den Wählerlisten entfernen. Kritiker sprechen jedoch von einem massiven Eingriff in demokratische Rechte.
Seit Beginn der Überprüfung im November 2025 wurden nach offiziellen Angaben rund 60 Millionen Namen aus den Wählerverzeichnissen gestrichen. Allein im Bundesstaat Westbengalen sollen rund neun Millionen Menschen betroffen sein.
Journalistenverband schlägt Alarm
Der Editors Guild of India sieht im Fall Rajagopal ein alarmierendes Signal.
Wenn bereits ein bekannter Journalist und ehemaliger Chefredakteur Schwierigkeiten habe, seine demokratischen Rechte durchzusetzen, stelle sich die Frage, wie es Millionen weniger privilegierter Bürger ergehen müsse.
Rajagopal lebt nach eigenen Angaben seit mehr als 25 Jahren in Kolkata und ist seit 2010 als Wähler registriert. Trotzdem wurde sein Name gestrichen, weil weder sein eigener noch der seines Vaters in den Wählerlisten aus dem Jahr 2002 gefunden worden seien. Gegen diese Entscheidung hat er inzwischen Rechtsmittel eingelegt.
Politische Debatte verschärft sich
Der Fall sorgt inzwischen landesweit für Diskussionen. Zahlreiche Journalisten sowie Oppositionspolitiker haben sich mit Rajagopal solidarisiert und fordern die sofortige Wiederherstellung seines Wahlrechts.
Die Wahlkommission weist den grundsätzlichen Vorwurf zurück, Millionen berechtigter Wähler zu Unrecht gestrichen zu haben. Eine Stellungnahme zu Rajagopals Einzelfall liegt bislang jedoch nicht vor.
Der Fall entwickelt sich damit zunehmend zu einem Symbol für die Kritik an der aktuellen Wahlrechtsreform und wirft Fragen nach Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und dem Schutz demokratischer Grundrechte in Indien auf.


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