Nach 50 Tagen Straßenblockaden, leeren Tankstellen und wachsender Verzweiflung hat Boliviens Präsident Rodrigo Paz die Notbremse gezogen: landesweiter Ausnahmezustand.
Oder anders gesagt: Wenn das ganze Land im Verkehr feststeckt, erklärt man irgendwann den Verkehr zur Staatskrise.
Seit Wochen blockieren Demonstranten wichtige Verkehrswege. Lebensmittel kommen nicht an, Treibstoff wird knapp, Medikamente bleiben unterwegs stecken und die Wirtschaft bewegt sich ungefähr so schnell wie ein Lkw vor einer Straßensperre.
Paz erklärte nun, die Bevölkerung dürfe nicht länger „Geisel der Blockaden“ sein. Deshalb sollen Polizei und Militär die Straßen wieder freiräumen.
Die Demonstranten sehen das naturgemäß etwas anders. Sie protestieren gegen steigende Lebenshaltungskosten, hohe Inflation, Treibstoffmangel und die wirtschaftliche Misere des Landes. Manche fordern sogar den Rücktritt des Präsidenten.
Der Präsident wiederum betont, er habe lange auf Dialog gesetzt. Offenbar so lange, bis niemand mehr genug Benzin hatte, um zu den Gesprächen zu fahren.
Bolivien steckt derzeit in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Inflation erreicht Höchststände, Devisen sind knapp und die einst lukrativen Erdgasexporte liefern längst nicht mehr die Einnahmen früherer Jahre.
Besonders explosiv wurde die Lage, nachdem die Regierung staatliche Treibstoffsubventionen kürzte. Das sollte Geld sparen. Stattdessen bekam das Land Proteste, Straßensperren und einen Ausnahmezustand – was zumindest zeigt, dass manche Sparmaßnahmen deutlich teurer werden können als geplant.
Nun soll das Militär für Ordnung sorgen. Ob damit die Krise endet, bleibt offen. Sicher ist nur: Wenn ein Land nach sieben Monaten Amtszeit bereits den Ausnahmezustand ausruft, verlief die Einarbeitungsphase nicht ganz nach Plan.


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