Blumen, Komplimente, Schmetterlinge im Bauch – und dann kommt die Rechnung. Kaum ein Thema sorgt beim Dating für so unterschiedliche Meinungen wie die Frage, wer beim ersten Treffen bezahlen sollte.
Während manche das Teilen der Rechnung für selbstverständlich halten, sehen andere darin einen echten Stimmungskiller. Besonders in Zeiten steigender Restaurantpreise und hoher Lebenshaltungskosten wird die Frage zunehmend zum finanziellen und emotionalen Balanceakt.
Zwischen Romantik und Gleichberechtigung
Für die Londoner Content-Creatorin Yasmin El-Saie ist die Sache klar:
„Wenn ein Mann mich zum ersten Date einlädt, erwarte ich, dass er zumindest bereit ist zu bezahlen.“
Dabei gehe es ihr weniger ums Geld als um die Geste.
Ähnlich sieht es Jennifer Read-Dominguez. Die Digitalredakteurin findet, dass grundsätzlich die Person zahlen sollte, die das Date vorgeschlagen hat.
„Frauen können selbstverständlich selbst bezahlen. Aber manchmal ist es einfach schön, wenn sich jemand Mühe gibt und Verantwortung übernimmt.“
Für sie hat das nichts mit Abhängigkeit zu tun, sondern mit Wertschätzung.
Wenn die Rechnung zum Albtraum wird
Nicht jedes Date endet allerdings romantisch.
Jennifer erinnert sich an einen Mann, der sie in ein teures Restaurant einlud, anschließend über die Preise schimpfte und dann vorschlug, die Rechnung zu teilen.
Als seine Karte schließlich nicht funktionierte, blieb die gesamte Rechnung an ihr hängen.
„Er sagte, er würde mir das Geld zurückgeben. Das hat er nie getan.“
Der Vorfall hinterließ bei ihr ein ungutes Gefühl.
Der Porsche-Fahrer mit Sparfuchs-Mentalität
Auch Yasmin hat kuriose Erfahrungen gesammelt.
Ein Date holte sie mit einem Porsche ab. Statt eines entspannten Abends führte der Mann sie allerdings direkt ins Restaurant, um noch rechtzeitig vom Frühbucherrabatt zu profitieren.
Besonders irritiert war sie, als er laut eigener Schilderung sogar die normale Speisekarte verschwinden ließ, damit nur die günstigeren Angebote sichtbar waren.
Bei einem anderen Treffen besuchte sie ein Buffet-Restaurant mit einem frisch geschiedenen Mann.
Dort sammelten die Gäste kleine Holzstäbchen, anhand derer später abgerechnet wurde.
„Er hat den ganzen Abend darauf geachtet, dass seine Stäbchen bloß nicht mit meinen verwechselt werden.“
Romantik sieht anders aus.
Kommunikation statt Regeln
Ganz anders blickt Jamie Rutter auf die Sache.
Der 32-Jährige arbeitet im Finanzbereich und hält starre Regeln für überholt.
Gerade im queeren Dating gebe es oft keine traditionellen Erwartungen darüber, wer bezahlen müsse.
„Wenn ich jemanden einlade, rechne ich damit, die Rechnung zu übernehmen. Werde ich eingeladen, gehe ich davon aus, meinen Anteil selbst zu zahlen.“
Für ihn ist Offenheit wichtiger als jede gesellschaftliche Konvention.
Wenn ein Restaurant sein Budget sprengt, spricht er das direkt an und schlägt eine günstigere Alternative vor.
Das beste Date kostete weniger als gedacht
Jamies schönstes Date war übrigens keines in einem Nobelrestaurant.
Ein Mann organisierte ein Picknick mit einem vorab bestellten Drei-Gänge-Menü in einem Picknickkorb.
Die Rechnung war bereits bezahlt, bevor das Treffen überhaupt begann.
„Da musste niemand über Geld sprechen.“
Für Jamie ein perfektes Beispiel dafür, dass nicht der Preis eines Dates entscheidend ist, sondern die Idee dahinter.
Generation Dating wird teurer
Die Diskussion kommt nicht von ungefähr.
Laut einer Studie von Barclays geben Erwachsene in Großbritannien durchschnittlich mehr als 1.300 Pfund pro Jahr für Dates und Dating-Apps aus.
Vor allem die Generation Z empfindet die Kosten zunehmend als Hürde. Mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen gibt an, dass finanzielle Belastungen ihre Dating-Aktivitäten einschränken.
Fazit: Es gibt keine allgemeingültige Antwort
Ob der Mann zahlt, die Frau einlädt oder beide die Rechnung teilen – eine universelle Regel scheint es nicht mehr zu geben.
Die einen sehen im Bezahlen eine romantische Geste.
Die anderen betrachten das Teilen der Rechnung als Ausdruck moderner Gleichberechtigung.
Fest steht lediglich:
Die Rechnung am Ende des Abends verrät manchmal fast genauso viel über einen Menschen wie das Gespräch während des Dates.


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