Donald Trump hat wieder einmal gezeigt, dass er bei Sicherheitsfragen kein Freund von Papierkram ist. Während andere Regierungen internationale Haftbefehle beantragen, Gerichtsverfahren vorbereiten und Auslieferungsabkommen prüfen, schickte Washington diesmal lieber gleich eine Rakete vorbei.
Der berüchtigte Tren-de-Aragua-Chef Héctor „Niño“ Guerrero Flores wurde nach Angaben der US-Regierung bei einem Luftangriff ausgeschaltet. Trump präsentierte den Erfolg gewohnt selbstbewusst auf Social Media – inklusive Video von einer Explosion, die eher an einen Actionfilm als an eine Pressekonferenz erinnerte.
„Mission erfüllt“, könnte man sagen. Oder zumindest fast. Denn wie so oft beginnt die eigentliche Diskussion erst nach dem Knall.
Guerrero war nicht irgendein Kleinkrimineller. Der Mann hatte es geschafft, aus einem Gefängnis eine Art All-inclusive-Resort mit Zoo, Nachtclub, Restaurants und Swimmingpool zu machen. Andere Häftlinge beantragen Freigang, Guerrero betrieb praktisch einen Freizeitpark hinter Gittern.
Nachdem er mehrfach spektakulär entkommen war, entschied man sich offenbar, die Chancen auf eine weitere Flucht diesmal auf ein Minimum zu reduzieren.
Trump feiert den Schlag als Sieg gegen das organisierte Verbrechen. Kritiker fragen dagegen, seit wann Drogenbanden offiziell als militärische Gegner behandelt werden. Die Antwort aus Washington lautet sinngemäß: Seit man beschlossen hat, dass Raketen schneller arbeiten als Richter.
Bemerkenswert ist auch die neue außenpolitische Freundschaft zwischen Washington und Caracas. Noch vor Kurzem standen sich beide Seiten feindlich gegenüber. Heute kooperiert man bei Militäroperationen. In der internationalen Politik gilt offenbar derselbe Grundsatz wie im Fußball: Nichts ist älter als die Schlagzeile von gestern.
Ob mit Guerreros Tod die kriminellen Strukturen tatsächlich geschwächt werden, bleibt abzuwarten. Erfahrungsgemäß wachsen bei solchen Organisationen neue Anführer oft schneller nach als Unkraut im Vorgarten.
Fest steht nur: Wer bislang dachte, die USA würden Gangster mit Handschellen suchen, wurde eines Besseren belehrt. Im Jahr 2026 lautet die modernisierte Version des Fahndungsplakats offenbar: „Gesucht – vorzugsweise aus der Luft.“


0 Kommentare