Früher war eine Fußball-Weltmeisterschaft ein Fest für Fans. Heute ist sie offenbar ein betriebswirtschaftliches Forschungsprojekt mit angeschlossenem Turnier. Die WM 2026, die in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet, verspricht nicht nur Tore, Dramen und Elfmeterschießen, sondern auch die einmalige Gelegenheit, einen Kleinwagen gegen eine Eintrittskarte einzutauschen.
Schon die politische Kulisse hat es in sich. Während auf dem Rasen Völkerverständigung gespielt wird, befinden sich einige beteiligte Staaten außerhalb der Stadien lieber im Handelskrieg oder gleich in einem echten Konflikt. Donald Trump pendelt derweil zwischen Friedensstifter, Kriegstreiber und WM-Botschafter – manchmal alles am selben Nachmittag. Sogar einen FIFA-Friedenspreis hat er bereits erhalten. Das ist ungefähr so, als würde man einem Pyromanen den Preis für vorbildlichen Brandschutz verleihen.
Doch die eigentliche Sensation findet nicht auf dem Spielfeld statt, sondern an der Kasse.
Jock Stein sagte einst: „Fußball ist nichts ohne die Fans.“ Die FIFA scheint daraus gemacht zu haben: „Fußball ist nichts ohne die Kreditkarte der Fans.“ Wer zur WM möchte, braucht inzwischen weniger Fußballwissen als einen gut gefüllten Anlagefonds. Gruppenspiele kosten teilweise um die 1.000 Dollar, das Finale bewegt sich in Regionen, in denen normalerweise Eigentumswohnungen besichtigt werden.
Besonders innovativ ist das Verkehrskonzept. Eine Bahnfahrt, die sonst 13 Dollar kostet, wurde für das Turnier auf rund 100 Dollar angehoben. Offenbar soll die Anreise bereits das erste finanzielle Qualifikationsspiel sein. Wer den Bahnhof erreicht, hat bewiesen, dass er WM-reif ist.
Die FIFA nennt das „dynamische Preisgestaltung“. Früher nannte man es schlicht: „Schauen wir mal, wie viel wir noch verlangen können.“ Das Prinzip ist einfach: Je größer die Nachfrage, desto höher der Preis. Theoretisch könnte das Finale irgendwann den Gegenwert eines kleinen Schlosses erreichen, solange sich noch irgendwo ein Hedgefonds-Manager findet, der zahlen möchte.
Auch der Schwarzmarkt wurde elegant modernisiert. Statt Ticket-Händlern das Geschäft zu überlassen, hat die FIFA beschlossen, selbst mitzuverdienen. Tickets dürfen weiterverkauft werden, die FIFA kassiert dabei fleißig mit. Man könnte sagen: Der Verband hat den Zwischenhändler abgeschafft und sich selbst zum Zwischenhändler gemacht.
Besonders rührend ist die Begründung. Die Milliarden sollen schließlich dem Weltfußball zugutekommen. Das klingt ein wenig wie ein Milliardär, der erklärt, er kaufe sich nur deshalb die dritte Yacht, um die Schiffbauindustrie zu fördern.
Währenddessen hoffen die Gastgeberstädte auf wirtschaftliche Impulse. Manche stellen allerdings fest, dass die FIFA die Einnahmen einsammelt, während sie selbst die Rechnungen für Sicherheit, Verkehr und Infrastruktur bezahlen dürfen. Das erinnert an eine Geburtstagsparty, bei der der Gast alle Geschenke mitnimmt und dem Gastgeber anschließend die Rechnung für die Getränke überreicht.
So wird die WM 2026 wohl in die Geschichte eingehen: als erstes Turnier, bei dem die Frage „Wer wird Weltmeister?“ möglicherweise weniger spannend ist als „Wer kann sich überhaupt ein Ticket leisten?“
Immerhin bleibt der Fußball derselbe. Nur das Publikum könnte künftig aussehen wie die Gästeliste eines Weltwirtschaftsforums.


0 Kommentare