Naher Osten im Gruppenchat-Modus: USA und Iran schicken sich wieder „freundliche Nachrichten“

Naher Osten im Gruppenchat-Modus: USA und Iran schicken sich wieder „freundliche Nachrichten“

Veröffentlicht

Mittwoch, 10.06.2026
von Red. TB

Die Lage im Nahen Osten erinnert inzwischen immer mehr an eine eskalierende WhatsApp-Gruppe, in der niemand mehr weiß, wer eigentlich angefangen hat – aber jeder überzeugt ist, nur auf die letzte Nachricht zu antworten.

Nachdem die USA iranische Ziele rund um die Straße von Hormus bombardiert hatten, weil zuvor ein amerikanischer Apache-Hubschrauber vom Himmel geholt worden war, fühlte sich Teheran zu einer Antwort verpflichtet.

Oder wie man es in der Diplomatie nennt:

„Wir bedauern die Eskalation und schicken daher einige Raketen.“

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten daraufhin, amerikanische Einrichtungen in Bahrain und Jordanien angegriffen zu haben. In Bahrain heulten die Sirenen, in Jordanien wurden Raketen abgefangen und in Kuwait suchten die Menschen Schutzräume auf.

Für die Einwohner der Region bedeutet das inzwischen vermutlich:

Montag Arbeit.

Dienstag Raketenalarm.

Mittwoch wieder Arbeit.

US-Präsident Donald Trump sprach von einer „starken und kraftvollen Antwort“ der Vereinigten Staaten. Das überrascht wenig, denn amerikanische Präsidenten verwenden in solchen Situationen traditionell entweder die Worte „stark“, „entschlossen“ oder „historisch“.

Manchmal auch alle drei gleichzeitig.

Die USA betonten zudem, die Angriffe seien lediglich eine begrenzte Aktion gewesen.

Was im militärischen Sprachgebrauch ungefähr bedeutet:

„Wir wollten euch nicht bombardieren bombardieren. Nur ein bisschen bombardieren.“

Der Iran reagierte seinerseits ebenfalls mit einer begrenzten Antwort.

Also mit Raketen, Drohnen und Angriffen auf US-Ziele.

Alles völlig kontrolliert natürlich.

Besonders bemerkenswert: Während auf beiden Seiten geschossen wird, erklären Politiker gleichzeitig, dass die Friedensgespräche weiterhin gut laufen.

Das ist ungefähr so, als würde man während einer Kneipenschlägerei betonen, dass die Beziehung zum Gegenüber grundsätzlich ausgezeichnet sei.

Auch die Straße von Hormus bleibt einmal mehr Mittelpunkt der Weltpolitik. Die strategisch wichtige Wasserstraße ist mittlerweile so oft Krisengebiet gewesen, dass sie vermutlich bald einen eigenen UNO-Sonderbeauftragten, einen Instagram-Kanal und eine Netflix-Dokumentation bekommt.

Unterdessen versichern alle Beteiligten, dass niemand einen größeren Krieg wolle.

Die Geschichte zeigt allerdings, dass dieser Satz oft direkt vor Dingen gesagt wird, die anschließend doch ziemlich nach Krieg aussehen.

Die Bevölkerung in der Region dürfte deshalb vor allem einen Wunsch haben:

Vielleicht einfach mal einen Tag ohne Raketen, Drohnen, Sirenen und Pressekonferenzen.

Doch das scheint derzeit ungefähr so realistisch wie ein Nahost-Gipfel, bei dem am Ende wirklich alle zufrieden nach Hause gehen.

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PuppypawsAZ (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 10.06.2026

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