Trump wundert sich über eigene Zahlen – und niemand weiß, woher sie kommen

Trump wundert sich über eigene Zahlen – und niemand weiß, woher sie kommen

Veröffentlicht

Sonntag, 07.06.2026
von Red. TB

US-Präsident Donald Trump hat bei einem Auftritt im Bundesstaat Wisconsin erneut mit fragwürdigen Statistiken für Aufsehen gesorgt. Diesmal überraschte er jedoch sogar seine eigenen Zuhörer mit einer bemerkenswerten Ehrlichkeit.

Während einer Rede behauptete Trump, die Arbeitslosigkeit unter Afroamerikanern sei aktuell so niedrig wie niemals zuvor. Nur wenige Sekunden später schob er allerdings selbst hinterher:

„Ich weiß nicht, wo diese Statistik herkommt, aber ich nehme sie gerne.“

Noch deutlicher wurde der Präsident anschließend:

„Ich weiß nicht, wo zum Teufel diese Zahl herkommt – aber wir nehmen sie.“

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache

Tatsächlich sind die offiziellen Daten eindeutig.

Die Arbeitslosenquote unter Afroamerikanern lag zuletzt bei 6,6 Prozent. Zwar ist dies ein Rückgang gegenüber dem Vormonat, als die Quote bei 7,3 Prozent lag. Von einem historischen Rekordwert kann jedoch keine Rede sein.

Im Gegenteil: Die niedrigste jemals gemessene Arbeitslosenquote für Afroamerikaner lag bei 4,8 Prozent und wurde im April 2023 während der Amtszeit von Präsident Joe Biden erreicht.

Auch bei seinem Amtsantritt Anfang 2025 lag die Quote mit 6,2 Prozent niedriger als heute.

Falsche Zahlen gehören inzwischen zum Standardprogramm

Die Aussage zur Arbeitslosigkeit war nicht die einzige umstrittene Behauptung des Präsidenten.

Trump wiederholte erneut seine Angabe, wonach Unternehmen derzeit Investitionen von angeblich 18 Billionen Dollar in den Vereinigten Staaten planten. Selbst die Zahlen seiner eigenen Regierung liegen deutlich darunter.

Ebenso wiederholte er seine seit Monaten vorgetragene Behauptung, unter Präsident Biden seien 25 Millionen Migranten ins Land gekommen. Auch hierfür gibt es keine belastbaren Belege. Die offiziellen Zahlen liegen deutlich niedriger.

Hinzu kam die erneute Behauptung, die Inflation unter Biden sei die höchste in der gesamten amerikanischen Geschichte gewesen. Tatsächlich lag die höchste Inflationsrate während Bidens Amtszeit bei 9,1 Prozent und damit weit unter historischen Höchstwerten wie den 23,7 Prozent im Jahr 1920 oder den fast 15 Prozent während der Präsidentschaft Jimmy Carters.

Wenn selbst der Redner Zweifel hat

Besonders bemerkenswert bleibt allerdings die Szene in Wisconsin.

Während Politiker normalerweise versuchen, eigene Aussagen mit Nachdruck zu verteidigen, lieferte Trump gleich selbst den ersten Faktencheck seiner Behauptung.

Die Situation wirkte fast so, als hätte der Präsident während seiner Rede plötzlich festgestellt, dass die Zahl möglicherweise nicht stimmen könnte – und dies kurzerhand öffentlich eingeräumt.

Für politische Beobachter ist das ungewöhnlich. Denn selten hört man einen Präsidenten sagen, dass er nicht weiß, woher eine seiner wichtigsten Statistiken stammt.

Zwischen Wahlkampf und Wirklichkeit

Der Vorfall zeigt einmal mehr das zentrale Problem vieler politischer Debatten: Schlagzeilenwirksame Behauptungen verbreiten sich oft schneller als überprüfbare Fakten.

Während Trump seine Anhänger mit optimistischen Botschaften über Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Migration mobilisieren möchte, zeigen die offiziellen Statistiken ein deutlich differenzierteres Bild.

Und vielleicht bleibt von diesem Auftritt vor allem ein Satz in Erinnerung:

„Ich weiß nicht, wo zum Teufel diese Zahl herkommt – aber wir nehmen sie.“

Ein ungewöhnlich ehrlicher Moment in der amerikanischen Politik.

Bildnachweis:

GabrielDouglas (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 07.06.2026

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