Der Krieg in der Ukraine hinterlässt zunehmend auch in Russland selbst sichtbare Spuren. Während viele Bewohner der großen russischen Städte die Auswirkungen des Konflikts lange Zeit nur aus den Nachrichten kannten, sorgen ukrainische Drohnenangriffe inzwischen dafür, dass der Krieg auch im Alltag vieler Russen angekommen ist.
Besonders betroffen sind Regionen rund um Moskau und St. Petersburg. Immer häufiger schlagen ukrainische Drohnen tief im russischen Hinterland ein und treffen dabei sowohl militärische Einrichtungen als auch zivile Infrastruktur.
Angriff auf Wohngebäude bei Moskau
Eine Bewohnerin der Stadt Selenograd nordwestlich von Moskau berichtet von dramatischen Szenen. In den frühen Morgenstunden wurde sie durch laute Geräusche am Himmel geweckt. Kurz darauf schlug eine Drohne in unmittelbarer Nähe ihres Wohnhauses ein.
Nach ihren Angaben fing ein Teil des Gebäudes Feuer. Gemeinsam mit ihrem Sohn versuchte sie zunächst, die Flammen zu löschen. Erst als eine Explosion folgte, verließ die Familie mit ihrem Hund die Wohnung.
Mehrere Wohnungen wurden beschädigt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand schwer.
St. Petersburg ebenfalls Ziel von Angriffen
Auch Russlands zweitgrößte Stadt St. Petersburg gerät zunehmend ins Visier ukrainischer Angriffe.
Während des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg kam es zu mehreren Drohnenattacken in der Region. Zeitweise wurden die Bewohner sogar aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen.
Über der Stadt waren Rauchwolken sichtbar. Nach Angaben der russischen Behörden wurden zahlreiche Drohnen abgefangen. Dennoch zeigen die Angriffe, dass die Ukraine inzwischen in der Lage ist, Ziele weit innerhalb Russlands zu erreichen.
Wirtschaftliche Folgen werden spürbarer
Die Auswirkungen beschränken sich längst nicht mehr auf militärische Einrichtungen.
Durch Angriffe auf Ölraffinerien und Treibstofflager kommt es in einigen Regionen bereits zu Versorgungsengpässen. Besonders auf der von Russland kontrollierten Krim wurden zeitweise Einschränkungen bei der Treibstoffversorgung gemeldet.
Zudem belasten wirtschaftliche Probleme, neue Steuern, Einschränkungen beim Internetzugang und verschärfte staatliche Kontrollmaßnahmen viele Bürger.
Stimmung in Russland verändert sich
Experten beobachten, dass die Unterstützung für eine Fortsetzung des Krieges zunehmend nachlässt.
Nach Angaben unabhängiger Meinungsforscher spricht sich inzwischen eine Mehrheit der Befragten für Friedensverhandlungen aus. Viele Russen zeigen sich kriegsmüde und wünschen sich ein Ende der Kampfhandlungen.
Besonders Menschen, die direkt von Drohnenangriffen betroffen sind, berichten von wachsender Unsicherheit und Angst.
Eine Bewohnerin der Stadt Chimki bei Moskau schilderte, dass sie inzwischen bei jedem lauten Geräusch zusammenzucke. Selbst Feuerwerkskörper würden Erinnerungen an die Angriffe auslösen.
Der Krieg rückt näher
Lange Zeit versuchte die russische Führung, den Eindruck zu vermitteln, dass der Krieg weit entfernt stattfinde und das Leben in den großen Städten weitgehend normal weitergehen könne.
Doch die jüngsten Entwicklungen zeigen ein anderes Bild.
Mit jedem neuen Drohnenangriff rückt der Krieg näher an die russische Bevölkerung heran. Beschädigte Wohnhäuser, nächtliche Alarme und wirtschaftliche Einschränkungen machen deutlich, dass die Folgen des Konflikts inzwischen auch viele Menschen innerhalb Russlands unmittelbar treffen.
Für zahlreiche Betroffene steht dabei ein Wunsch im Vordergrund: Dass der Krieg möglichst bald endet und wieder Frieden einkehrt.

