Es war einmal in einem kleinen Fürstentum zwischen Bergen und Banken ein Königreich namens TGI.
Dort herrschte der legendäre Rabattkönig Helmut der Goldene, der seinen Untertanen ein wundersames Versprechen gab:
„Bringt mir heute euer Geld, und in einigen Jahren bekommt ihr Gold. Und bis dahin überschütte ich euch mit Rabatten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat!“
Die Kunde verbreitete sich schnell.
Schon bald erschienen die ersten Ritter des Goldenen Rabatts auf allen Marktplätzen des Internets.
„Es funktioniert!“, rief Ritter Matthias.
„Genial!“, jubelte Ritter Danny.
„Unglaublich!“, schwärmte Ritter Andreas.
„Mein Leben hat sich verändert!“, verkündete Ritter Ralf.
„Ich baue ein goldenes Imperium bis 2030 auf!“, erklärte ein besonders begeisterter Edelmann.
Wer die Lobgesänge las, musste glauben, dass im Königreich TGI Milch, Honig und Goldbarren aus den Brunnen flossen.
Merkwürdig war nur eines:
Fast alle begeisterten Stimmen schienen aus den Reihen der königlichen Rabatt-Armee zu stammen.
Jeder zweite Kommentator berichtete nicht nur von seiner Zufriedenheit, sondern empfahl zugleich Freunden, Bekannten, Nachbarn, Hamstern und vermutlich auch Zimmerpflanzen, sich ebenfalls dem Reich des Goldenen Rabatts anzuschließen.
Wer hingegen vorsichtig fragte:
„Woher kommt eigentlich das Geld für all diese Wunder?“
oder
„Wie funktioniert das Geschäftsmodell genau?“
wurde von den Rittern häufig mit einem mächtigen Zauberspruch bedacht:
„Du hast das System einfach nicht verstanden!“
Besonders beliebt war auch:
„Komm doch mal hinter die Kulissen!“
oder
„Es läuft alles perfekt!“
Währenddessen geschah etwas Seltsames.
Die Wächter der Finanzwelt – in fernen Ländern bekannt als BaFin, FMA und andere Aufsichtsbehörden – begannen sich für das Königreich zu interessieren.
Und eines Tages ritten sogar die Ermittler aus Vaduz vor.
Die Staatsanwaltschaft ließ die Burg durchsuchen und wollte wissen, was sich hinter den Goldversprechen tatsächlich verbarg.
Doch im Reich der Rabatt-Ritter blieb die Stimmung ungebrochen.
Während draußen Aufsichtsbehörden warnten und Ermittler Fragen stellten, sangen die treuen Gefolgsleute weiter ihre Hymnen:
„Alles wunderbar!“
„Alles transparent!“
„Alles perfekt!“
„Die Rabatte leben hoch!“
So entstand ein bemerkenswertes Schauspiel:
Auf der einen Seite standen Finanzaufsichten, Ermittler und kritische Journalisten.
Auf der anderen Seite eine Armee von Kommentatoren, die sich auffallend oft als Kunden, Vertriebspartner, Empfehlungsgeber oder zukünftige Besitzer eines „goldenen Imperiums“ präsentierten.
Und die Moral von der Geschichte?
Wenn unter nahezu jeder Bewertung Begriffe wie „Rabatte“, „Empfehlung“, „Partner“, „Goldimperium“, „Chance des Lebens“ oder „monatliche Auszahlungen“ auftauchen, dann darf man zumindest die Frage stellen, ob man gerade unabhängige Kundenmeinungen liest – oder die digitale Version eines MLM-Stammtisches.
Denn selbst im schönsten Märchen gilt:
Je lauter die Hofmusik spielt, desto genauer sollte man gelegentlich einen Blick in die Schatzkammer werfen.

