Breaking News aus Brüssel:
China verkauft billiger als Europa!
Nach nur ungefähr drei Jahrzehnten intensiver Beobachtung scheint die EU nun zu der sensationellen Erkenntnis gelangt zu sein, dass chinesische Unternehmen tatsächlich Produkte günstiger herstellen können als europäische Konkurrenten.
Manfred Weber zeigt sich entsprechend alarmiert:
„Die Zeit der Naivität ist vorbei.“
Die eigentliche Frage lautet natürlich:
Wann genau war die Zeit der Naivität?
War das 2005?
2010?
2015?
Oder erst letzte Woche beim Blick auf die Handelsbilanz?
Fest steht: Europa ist empört.
China produziert zu viel.
China verkauft zu günstig.
China gewinnt Ausschreibungen.
Kurz gesagt: China macht genau das, was China seit Jahren macht.
Besonders schmerzhaft wurde die Sache beim Kauf von 380 Bussen für den Senegal.
Die EU stellte das Geld bereit.
Ein chinesischer Hersteller bekam den Auftrag.
Der schwedische Hersteller Scania schaute in die Röhre.
Das ist ungefähr so, als würde man einem Freund 50 Euro für ein Geburtstagsgeschenk geben und später feststellen, dass er damit den Nachbarn beschenkt hat.
Nun fordert Brüssel mehr Härte.
Zölle!
Schutzmaßnahmen!
Konsequenz!
Entschlossenheit!
Also all die Dinge, die Politiker gerne ankündigen, bevor sie drei Gipfel, fünf Arbeitsgruppen und sieben Expertenrunden später eine gemeinsame Erklärung veröffentlichen.
Die große Hoffnung lautet:
China braucht Europa.
Die große Sorge lautet:
Europa braucht China auch.
Denn sollte Peking tatsächlich den Hahn bei seltenen Erden oder wichtigen Rohstoffen zudrehen, könnte es in manchen europäischen Industriebetrieben ungefähr so hektisch werden wie in einem Baumarkt fünf Minuten vor Ladenschluss.
Besonders amüsant ist die Vorstellung, wie Europa jahrelang erklärte, Globalisierung sei großartig, grenzenloser Handel die Zukunft und wirtschaftliche Verflechtung die beste Friedenspolitik.
Und nun schaut man auf die Zahlen und ruft:
„Moment mal! Das war doch gar nicht so gemeint!“
China dürfte die Aufregung gelassen verfolgen.
Dort wird man vermutlich denken:
„Ihr habt uns 20 Jahre lang erklärt, wie freier Welthandel funktioniert. Jetzt seid ihr überrascht, dass wir zugehört haben?“
Am Ende könnte alles wie immer ausgehen:
Ein großer Gipfel.
Ein großes Gruppenfoto.
Viele ernste Gesichter.
Eine Erklärung über „fairen Wettbewerb“.
Und anschließend werden wieder Container über die Weltmeere geschoben, als wäre nichts gewesen.
Denn eines haben Europa und China gemeinsam:
Beide verdienen viel Geld miteinander.
Und Geld ist bekanntlich oft der beste Dolmetscher der Welt.

