Der spektakuläre Mordfall um den früheren US-Anwalt Alex Murdaugh nimmt erneut eine überraschende Wendung: Das Oberste Gericht von South Carolina hat die Verurteilung wegen Doppelmordes aufgehoben und einen neuen Prozess angeordnet.
Die Richter entschieden einstimmig, dass die damalige Gerichtssekretärin Becky Hill die Jury unzulässig beeinflusst habe. Dadurch sei Murdaugh das Recht auf ein faires Verfahren verweigert worden.
Gericht sieht Einflussnahme auf die Jury
In der Entscheidung heißt es, Hill habe „ihre Finger auf die Waage der Gerechtigkeit gelegt“. Deshalb müsse das Urteil aufgehoben werden – trotz des enormen Aufwands und der langen Dauer des ursprünglichen Prozesses.
Mit der Entscheidung wurden auch die beiden lebenslangen Haftstrafen wegen Mordes annulliert.
Allerdings bleibt Alex Murdaugh weiterhin im Gefängnis: Wegen zahlreicher Finanz- und Betrugsdelikte verbüßt er bereits andere Haftstrafen von insgesamt mehreren Jahrzehnten.
Staatsanwaltschaft kündigt neuen Mordprozess an
South Carolinas Generalstaatsanwalt Alan Wilson erklärte unmittelbar nach dem Urteil, dass die Staatsanwaltschaft einen neuen Prozess anstreben werde.
„Wir werden Alex Murdaugh erneut aggressiv wegen des Mordes an Maggie und Paul Murdaugh anklagen“, sagte Wilson.
Die Verteidiger des ehemaligen Anwalts begrüßten dagegen die Entscheidung des Gerichts. Das Urteil zeige, dass der Rechtsstaat weiterhin funktioniere.
Der Fall Alex Murdaugh schockierte die USA
Alex Murdaugh war im März 2023 schuldig gesprochen worden, seine Ehefrau Maggie und seinen Sohn Paul im Juni 2021 erschossen zu haben.
Der Prozess entwickelte sich zu einem der bekanntesten Kriminalfälle der USA und sorgte weltweit für Schlagzeilen, Dokumentationen und Podcasts.
Murdaugh stammt aus einer einflussreichen Juristenfamilie in South Carolina. Sein Vater, Großvater und Urgroßvater waren dort über Jahrzehnte als Staatsanwälte tätig.
Während des sechswöchigen Prozesses wurde bekannt, dass Murdaugh über Jahre Millionenbeträge von Mandanten und seiner eigenen Kanzlei veruntreut haben soll.
Gerichtssekretärin soll Jury beeinflusst haben
Im Mittelpunkt der Berufung stand die damalige Gerichtssekretärin Becky Hill. Sie soll während des Prozesses Kommentare gegenüber Geschworenen gemacht haben, die Murdaugh als schuldig erscheinen ließen.
Eine Geschworene erklärte später, Hill habe gesagt:
- man solle auf Murdaughs Verhalten achten
- sich nicht von der Verteidigung täuschen lassen
- die Beratungen würden „nicht lange dauern“
Die Frau gab an, dadurch beeinflusst worden zu sein.
Andere Juroren bestätigten einzelne Aussagen ebenfalls. Hill bestritt die meisten Vorwürfe, räumte jedoch ein, die Aussagen Murdaughs vor Gericht als „großen Tag“ bezeichnet zu haben.
Becky Hill später selbst angeklagt
Die frühere Gerichtssekretärin wurde später selbst strafrechtlich verfolgt.
Ihr wurde vorgeworfen:
- geheime Informationen an Medien weitergegeben zu haben
- unter Eid gelogen zu haben
- ihre Rolle im Prozess zur Vermarktung eines Buches genutzt zu haben
2025 bekannte sich Hill schuldig und erhielt drei Jahre Bewährung.
Kritik an umfangreichen Finanz-Beweisen
Das Berufungsgericht äußerte außerdem deutliche Kritik daran, wie stark sich die Anklage im Mordprozess auf Murdaughs Finanzverbrechen konzentriert hatte.
Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, Murdaugh habe seine Familie ermordet, um von seinen Betrügereien abzulenken.
Die Richter erklärten nun jedoch, einige Zeugenaussagen hätten kaum Beweiswert gehabt und seien möglicherweise unfair belastend gewesen.
Dies könnte in einem neuen Prozess eine wichtige Rolle spielen.
Murdaugh bestreitet die Morde weiterhin
Trotz seiner Verurteilungen wegen Finanzbetrugs beteuert Alex Murdaugh bis heute seine Unschuld im Mordfall.
Während des ursprünglichen Prozesses gab er zwar zu, Ermittler über seinen Aufenthaltsort belogen zu haben, bestritt jedoch stets, seine Frau und seinen Sohn getötet zu haben.

