Donald Trump schafft etwas, das selbst jahrzehntelang kaum jemand hinbekommen hat: Er legt sich öffentlich mit dem Papst an – und wirkt dabei, als halte er sich persönlich für die höhere religiöse Instanz.
Der US-Präsident behauptet allen Ernstes, Papst Leo XIV. finde es „okay“, wenn der Iran Atomwaffen besitzt. Belege? Fehlanzeige. Fakten? Nebensache. Hauptsache maximaler Alarmismus für die eigene Fanbase.
Dabei vertritt der Vatikan seit Jahrzehnten eine glasklare Linie gegen Atomwaffen. Aber warum sollte man sich von Realität aufhalten lassen, wenn man gerade dabei ist, den Papst zum neuen Lieblingsgegner zu erklären?
Leo XIV. reagierte erstaunlich ruhig. „Wenn mich jemand kritisieren will, weil ich das Evangelium verkünde, soll er das wenigstens mit der Wahrheit tun“, sagte der Papst. Eine diplomatische Formulierung für: Vielleicht einfach mal weniger Unsinn erzählen.
Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er daraus nicht sofort die nächste bizarre Show machen würde. Erst bezeichnet er den Papst als „schwach“ und „furchtbar in der Außenpolitik“, dann postet er ein KI-Bild von sich selbst als Heilsfigur. Nach Kritik erklärt er später, er habe gedacht, das Bild würde ihn als Arzt zeigen.
Klar. Und vermutlich hielt er die Sixtinische Kapelle für ein Casino.
Besonders grotesk wird das Ganze durch Vizepräsident JD Vance. Der erklärte öffentlich dem Papst, dieser solle bei theologischen Fragen vorsichtiger sein. Ein amerikanischer Politiker belehrt also das Oberhaupt der katholischen Kirche über katholische Lehre. Mehr Selbstüberschätzung passt eigentlich nur noch in einen Trump-Wahlkampfspot.
Nun darf Außenminister Marco Rubio nach Rom reisen und versuchen, die diplomatischen Scherben zusammenzukehren. Man könnte auch sagen: Rubio spielt den Praktikanten, der sich entschuldigen muss, nachdem die Chefs wieder unkontrolliert ins Internet durften.
Im Vatikan dürfte man inzwischen verstanden haben:
Trump sieht selbst den Papst nur noch als weiteren Gegner im Dauerwahlkampf. Wer nicht exakt seine Meinung vertritt, wird eben attackiert – egal ob Richter, Journalisten, Verbündete oder eben das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken.
Und genau das könnte für Trump politisch gefährlicher werden, als ihm lieb ist. Denn selbst viele konservative Katholiken fragen sich langsam, ob der Präsident noch zwischen politischem Gegner und spirituellem Oberhaupt unterscheiden kann.
Aber wahrscheinlich erklärt Trump demnächst auch noch Jesus persönlich, wie man richtig verhandelt.

