Kaum ist der eine weg, steht der nächste schon bereit – die ÖVP zeigt einmal mehr, wie reibungslos Personalrochaden funktionieren, wenn es wirklich darauf ankommt. Nach dem Rücktritt von August Wöginger, der zwar verurteilt, aber natürlich nicht rechtskräftig verurteilt wurde (wichtiger Unterschied), soll nun Ernst Gödl übernehmen. Jurist, Landwirt, Sicherheitssprecher – also quasi das politische Schweizer Taschenmesser.
Die Nominierung erfolgte, wie könnte es anders sein, zügig im Parteipräsidium. Dienstagfrüh soll Gödl dann offiziell ins Amt gehoben werden. Man kennt das Prozedere: Sitzung, Wahl, Applaus – und weiter geht’s, als wäre nichts gewesen.
Wöginger selbst zieht sich übrigens nicht etwa komplett zurück, sondern „konzentriert“ sich künftig auf andere Aufgaben. Praktisch: Ein Schritt zur Seite ist in der Politik oft nur ein Schritt auf einen anderen Posten. Das Verfahren sei belastend gewesen, sagt er. Verständlich – wer lässt sich schon gern wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch verurteilen, auch wenn man natürlich fest mit einem Freispruch in der zweiten Instanz rechnet.
Inhaltlich ging es im Prozess um die mutmaßlich kreative Besetzung eines Finanzamtspostens. Laut Gericht kein „Bürgeranliegen“, sondern eher ein Parteianliegen mit besonderem Engagement. Aber auch hier gilt: Aussage gegen Aussage, und irgendwo dazwischen die Wahrheit – oder zumindest das, was übrig bleibt.
Die Reaktionen? Klassisch österreichisch. Die einen sprechen von einem „harten Urteil“, die anderen vom „System“. Am Ende bleibt vor allem eines: Der Klub hat einen neuen Chef, der Betrieb läuft weiter.
Und die Moral von der Geschichte? In der Politik ist nichts so endgültig wie ein Rücktritt – außer vielleicht die nächste Nominierung.

