Die gesundheitliche Lage der inhaftierten iranischen Menschenrechtsaktivistin und Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi hat sich offenbar dramatisch verschlechtert. Angehörige sowie das Nobelkomitee fordern dringend eine Verlegung in ein spezialisiertes Krankenhaus.
Nach Angaben ihrer Familie wurde die 54-Jährige am Freitag aus dem Gefängnis in Sandschan im Nordwesten des Iran in ein örtliches Krankenhaus gebracht. Dieser Schritt sei jedoch „in letzter Minute“ erfolgt und komme möglicherweise zu spät, hieß es.
Ihr Bruder Hamidreza Mohammadi erklärte gegenüber der BBC, der Zustand sei kritisch: „Ihr Blutdruck ist stark abgesunken, und es ist bisher nicht gelungen, ihn zu stabilisieren.“ Bereits im vergangenen Monat sei sie nach einem mutmaßlichen Herzinfarkt bewusstlos aufgefunden worden.
Vorwürfe gegen Behörden wegen verweigerter Behandlung
Die Familie wirft den iranischen Behörden vor, Mohammadi über Wochen hinweg notwendige medizinische Versorgung verweigert zu haben. Laut einer Mitteilung der von Angehörigen betriebenen Stiftung habe sich ihr Zustand nach mehr als 140 Tagen Haft ohne angemessene Behandlung „katastrophal verschlechtert“.
Mohammadi leidet unter mehreren Vorerkrankungen, darunter Herzprobleme, Lungenembolien und Blutdruckstörungen. Ihr Bruder betonte, eine angemessene Behandlung sei unter den aktuellen Umständen nicht möglich. Er fordert daher ihre sofortige Verlegung nach Teheran, wo spezialisierte Ärzte sie betreuen könnten.
Auch der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, äußerte sich besorgt und warnte, dass Mohammadi weiterhin in Lebensgefahr sei.
Langjährige Verfolgung einer Aktivistin
Narges Mohammadi wurde 2023 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – für ihren Einsatz für Menschenrechte und insbesondere für die Rechte von Frauen im Iran. Gleichzeitig ist sie seit Jahren Ziel staatlicher Repressionen.
Laut ihrer Stiftung wurde sie bislang 13-mal festgenommen und zu insgesamt 31 Jahren Haft sowie 154 Peitschenhieben verurteilt. Die Vorwürfe reichen von „Propaganda gegen den Staat“ bis hin zu angeblicher Gefährdung der nationalen Sicherheit – Anschuldigungen, die sie stets zurückgewiesen hat.
Nach einer vorübergehenden medizinischen Haftentlassung Ende 2024 wurde sie im Dezember erneut festgenommen, nachdem sie bei einer Gedenkveranstaltung für eine andere Aktivistin gesprochen hatte. Ihre Familie berichtet, sie sei dabei misshandelt worden.
Im Februar wurde ihre Strafe erneut verlängert – um weitere siebeneinhalb Jahre. Kurz darauf wurde sie ohne Vorankündigung in das Gefängnis von Sandschan verlegt, wo sie nur eingeschränkt Kontakt zu ihrer Familie hat.
Die Forderungen nach ihrer Freilassung und medizinischen Versorgung werden nun international lauter – doch bislang gibt es keine Anzeichen für ein Einlenken der iranischen Behörden.

