Fliegen lassen – aber bitte jemand anderen ans Steuer

Fliegen lassen – aber bitte jemand anderen ans Steuer

Veröffentlicht

Samstag, 02.05.2026
von Red. TB

Guernsey hat ein Luxusproblem: eine eigene Airline – und trotzdem Streit darüber, wer sie eigentlich besser betreiben sollte. Die neueste Idee aus der Ecke engagierter Luftfahrtkritik: Aurigny möge doch bitte seine Gatwick-Strecke abgeben und anderen das Feld überlassen. Man selbst könnte sich dann gemütlich auf die „regionalen Basics“ konzentrieren – eine Art Provinzliga der Lüfte.

Die Argumentation klingt dabei herrlich nüchtern: Andere Airlines seien größer, effizienter, widerstandsfähiger. Kurz gesagt: besser im Fliegen. Aurigny hingegen solle sich darauf besinnen, was wirklich zählt – Verbindungen nach Bristol, Exeter, Southampton. Keine große Bühne mehr, eher solides Vorprogramm.

Auslöser der Debatte ist ein prognostiziertes Minus von fünf Millionen Pfund. Schuld? Angeblich die neue Heathrow-Verbindung von British Airways. Wobei Kritiker trocken anmerken: Verluste gab es auch schon vorher – ganz ohne Konkurrenz aus London. Vielleicht ist Heathrow also weniger der Bösewicht als vielmehr ein bequemer Sündenbock mit Terminalanschluss.

Aurigny selbst bleibt erwartungsgemäß standhaft. Man sei bestens aufgestellt, verfüge über die richtige Flotte und biete – pro Kopf gerechnet – die beste Anbindung aller vergleichbaren Inseln. Was übersetzt ungefähr heißt: Es läuft nicht perfekt, aber ohne uns wäre es deutlich schlechter.

Im Kern prallen hier zwei Philosophien aufeinander: Soll eine staatliche Airline wirtschaftlich glänzen oder vor allem verlässlich verbinden? Die einen wollen Effizienz und Wettbewerb, die anderen Sicherheit und Kontrolle. Und irgendwo dazwischen kreist die Frage, ob man Slots in Gatwick wirklich wie Ferienwohnungen einfach weitervermieten sollte.

Am Ende geht es weniger um Flugzeuge als um Selbstverständnis: Wie viel Markt verträgt eine Insel – und wie viel Absicherung braucht sie? Bis das geklärt ist, bleibt Aurigny wohl genau das, was sie jetzt schon ist: gleichzeitig unverzichtbar und umstritten.

Bildnachweis:

Leonhard_Niederwimmer (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Samstag, 02.05.2026

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