Wenn Generationen aufeinander losgehen – Hauptsache, die Quote stimmt

Wenn Generationen aufeinander losgehen – Hauptsache, die Quote stimmt

Veröffentlicht

Samstag, 02.05.2026
von Red. TB

Ach ja, der gute alte Generationenkonflikt – Hollywoods verlässlichste Naturressource, gleich nach Superhelden und schlechten Fortsetzungen. Kaum wird die Welt komplizierter, entdeckt das Fernsehen wieder, dass sich Alt und Jung wunderbar gegeneinander ausspielen lassen. Neu ist daran ungefähr so viel wie an einem „revolutionären“ iPhone-Update.

Schon in den 70ern hat All in the Family bewiesen, dass man gesellschaftliche Spannungen hervorragend in Lacher verwandeln kann. Damals stritten sich Kriegsveteranen und Blumenkinder – heute sind es Boomers, Millennials und Gen Z, die sich gegenseitig erklären, warum die jeweils anderen moralisch fragwürdig, kulturell peinlich oder einfach komplett verloren sind.

Was früher ein mutiger Blick auf gesellschaftliche Bruchlinien war, ist heute oft ein fein justiertes Unterhaltungsprodukt: ein bisschen Empörung, ein bisschen Selbstironie, und bitte so, dass sich am Ende möglichst niemand wirklich angesprochen fühlt. Konflikt ja – aber bitte mit Kuscheldecke.

Serien wie Rooster geben sich dabei versöhnlich: Alle sind irgendwie lächerlich, aber auch irgendwie liebenswert. Der Gen-X-Professor stolpert durch die neue Sprachwelt, die Studierenden rollen mit den Augen, und am Ende lernen wir: Man kann sich gleichzeitig missverstehen und trotzdem umarmen. Schön. Fast schon verdächtig schön.

Vladimir dagegen wirkt wie die leicht unangenehme Wahrheit nach der Sitcom: Hier sind die Unterschiede nicht nur lustig, sondern tatsächlich… unerquicklich. Plötzlich geht es nicht mehr nur um peinliche Tanzmoves oder falsche Begriffe, sondern um Macht, Moral und das ungute Gefühl, dass manche Gräben eben nicht mit einem guten Witz zugeschüttet werden können.

Und dann kommt Beef und erinnert daran, dass hinter all dem Generationen-Gezanke auch ganz banale Dinge stecken: Geld, Unsicherheit, unterschiedliche Lebenserfahrungen. Während die einen bei einem Streit mit den Schultern zucken, zücken die anderen bereits das Smartphone – nicht aus Bosheit, sondern weil sie in einer Welt aufgewachsen sind, in der alles dokumentiert werden muss, um überhaupt Gewicht zu haben.

Der Clou an der Sache: Das Fernsehen verkauft uns diese Konflikte gern als großes gesellschaftliches Drama – dabei sind sie vor allem eines: zuverlässig unterhaltsam. Jede Generation bekommt ihre Karikatur, darf kurz lachen (oder sich ärgern) und erkennt sich gerade so viel wieder, dass es nicht ganz bequem wird.

Die eigentliche Frage ist also weniger, ob uns diese Serien versöhnen. Sondern eher, ob wir wirklich versöhnt werden wollen – oder ob es nicht viel angenehmer ist, sich 45 Minuten lang darüber zu amüsieren, wie furchtbar die anderen Generationen sind.

Denn seien wir ehrlich: Solange sich Streit in gute Einschaltquoten übersetzen lässt, wird das Fernsehen alles daran setzen, dass wir uns weiterhin prächtig missverstehen.

Bildnachweis:

2211438 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Samstag, 02.05.2026

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