Der Krieg im Iran könnte dramatische Folgen für die globale Lebensmittelversorgung haben. Nach Einschätzung eines führenden Branchenvertreters sind durch unterbrochene Lieferketten bis zu zehn Milliarden Mahlzeiten pro Woche gefährdet.
Svein Tore Holsether, Chef des Düngemittelkonzerns Yara, warnt, dass die aktuellen Spannungen im Golf – insbesondere die Blockade wichtiger Schifffahrtsrouten wie der Straße von Hormus – die Produktion von Düngemitteln massiv beeinträchtigen. Bereits jetzt würden weltweit rund 500.000 Tonnen Stickstoffdünger nicht hergestellt.
Die Folgen könnten gravierend sein: Ohne ausreichenden Einsatz von Düngemitteln drohen deutliche Ernteausfälle. Laut Holsether könnten die Erträge bei manchen Nutzpflanzen schon in der ersten Saison um bis zu 50 Prozent sinken.
Steigende Preise und drohender Verteilungskampf
Die Preise für Düngemittel sind seit Beginn des Konflikts um rund 80 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sehen sich Landwirte weltweit mit steigenden Kosten für Energie, Diesel und andere Betriebsmittel konfrontiert – während die Preise für ihre Erzeugnisse noch nicht im gleichen Maße gestiegen sind.
Diese Entwicklung könnte einen globalen Wettbewerb um Lebensmittel auslösen. Wohlhabendere Länder hätten dabei deutlich bessere Chancen, sich ausreichend zu versorgen. Das Risiko: Ärmeren Staaten könnten wichtige Nahrungsmittel entzogen werden.
„In einem solchen Szenario zahlen die Schwächsten den höchsten Preis“, warnt Holsether. Die Folgen wären steigende Lebensmittelpreise, wachsende Knappheit und zunehmender Hunger.
Auswirkungen auch in Europa und Deutschland spürbar
Während akute Versorgungsengpässe in Ländern wie Deutschland oder Großbritannien als unwahrscheinlich gelten, dürften Verbraucher die Entwicklung dennoch im Geldbeutel spüren. Experten rechnen damit, dass steigende Produktionskosten in den kommenden Monaten zu höheren Lebensmittelpreisen führen.
Prognosen gehen davon aus, dass die Lebensmittelpreise bis Jahresende deutlich anziehen könnten. Auch die Bank of England erwartet einen weiteren Anstieg der Inflation im Lebensmittelbereich.
Globale Hungerkrise droht sich zu verschärfen
Internationale Organisationen schlagen bereits Alarm. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen geht davon aus, dass durch die Auswirkungen des Konflikts zusätzlich bis zu 45 Millionen Menschen in akuten Hunger geraten könnten. Besonders stark betroffen wäre die Region Asien-Pazifik.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie eng geopolitische Konflikte, Energiepreise und Ernährungssicherheit miteinander verknüpft sind – und wie schnell sich regionale Krisen zu globalen Problemen ausweiten können.

