Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat eine Praxis bestätigt, die lange nur als düstere Vermutung galt – und sie gleich zur Heldengeschichte erklärt. Soldaten seines Landes, die im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands kämpfen, hätten sich lieber selbst in die Luft gesprengt, als in Gefangenschaft zu geraten. Für Kim sind sie „Helden“.
Bei einer Gedenkveranstaltung in Pjöngjang lobte er jene Kämpfer, die sich „ohne zu zögern für den Selbstmord entschieden“ hätten, um die „Ehre“ zu bewahren. In Nordkorea gilt Gefangenschaft traditionell als Verrat – wer lebt, aber gefangen ist, hat verloren. Wer sich selbst tötet, offenbar nicht.
Schätzungen aus Südkorea zeichnen ein drastisches Bild: Rund 15.000 nordkoreanische Soldaten sollen nach Russland entsandt worden sein, mehr als 6.000 von ihnen seien bereits gefallen. Offizielle Bestätigungen aus Moskau oder Pjöngjang gibt es dazu nicht – wohl aber immer mehr Hinweise auf extreme Befehle im Hintergrund.
So berichteten Geheimdienste und Überläufer schon länger, dass Soldaten angewiesen seien, sich im Ernstfall selbst zu töten. Auch gefundene Dokumente bei getöteten Soldaten sollen darauf hindeuten. Ein nordkoreanischer Kriegsgefangener in ukrainischer Haft sagte sogar offen, er bereue, sich nicht selbst getötet zu haben: „Alle anderen haben sich gesprengt. Ich habe versagt.“
Kim hingegen stilisiert genau dieses Verhalten zur höchsten Form von Loyalität. Selbstaufopferung ohne Aussicht auf Belohnung sei der „reinste Ausdruck von Treue“. In seiner Logik zählt also nicht das Überleben – sondern der Tod zur richtigen Zeit.
Die enge militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und Nordkorea ist dabei kein Zufall. Bereits 2024 hatten beide Länder ein Abkommen geschlossen, das gegenseitige Unterstützung im Falle eines Angriffs vorsieht. Neben Soldaten sollen auch nordkoreanische Arbeiter beim Wiederaufbau zerstörter Gebiete helfen.
Was bleibt, ist ein erschütterndes Bild: Ein Krieg, in dem nicht nur gekämpft wird – sondern in dem selbst das eigene Leben zur letzten Waffe erklärt wird.

