Sturm Graz hat es tatsächlich geschafft:
Man war Tabellenführer, hatte alles in der eigenen Hand – und hat sich pünktlich zum Saisonfinale gedacht: „Wär doch langweilig, wenn wir einfach Meister werden.“
Also gab’s gegen Austria Wien ein 1:1.
Nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Titelreife – einfach wieder das vierte Remis in Serie.
Oder wie man in Graz sagt: Konstanz.
Damit ist Sturm die Tabellenführung los. Der LASK sagt danke, winkt freundlich aus Linz und steht jetzt vorne. Punktgleich zwar, aber in Graz hat man offenbar beschlossen, dass man Titelverteidigung künftig lieber als Gemeinschaftsprojekt versteht – mit möglichst viel Drama und möglichst wenig Offensivideen.
Die erste Hälfte?
Ein fußballerischer Tiefschlaf mit Stadionkulisse.
Wer zu spät eingeschaltet hat, hat exakt gar nichts verpasst.
Wer pünktlich eingeschaltet hat, eigentlich auch nicht.
Sturm hatte zwar mehr Ballbesitz, aber daraus ungefähr so viel gemacht wie ein Tourist mit einem kaputten Navi in der Grazer Innenstadt: viel Bewegung, null Ziel.
Die Austria wiederum kam mit der zuletzt eher exotischen Idee nach Graz, nicht sofort in Rückstand zu geraten.
Und siehe da: Es funktionierte überraschend gut.
Nach der Pause wurde es dann tatsächlich kurz spannend – und zwar durch einen Standard.
Tin Plavotic köpfelte ein, als hätte in der Grazer Defensive gerade kollektiv jemand „Pause“ gerufen.
1:0 für die Austria.
Sturm reagierte darauf wie ein Schüler kurz vor der Matheschularbeit:
hektisch, planlos und mit der vagen Hoffnung, dass sich das Problem vielleicht von selbst löst.
Die ganz große Chance auf die Entscheidung hatte dann fast die Austria. Dragovic donnerte einen Ball an die Stange – und vermutlich auch direkt an die letzten Hoffnungen aller Sturm-Fans, dass das noch ein souveräner Meisterlauf wird.
Aber keine Sorge:
Sturm wäre nicht Sturm 2026, wenn man nicht zumindest noch ein spätes Standardtor aus dem Hut zaubern würde.
Paul Koller köpfelte in der 85. Minute das 1:1 – und rettete damit nicht den Abend, sondern nur das, was man in Graz aktuell noch für Schadensbegrenzung hält.
Unterm Strich bleibt:
Sturm ist seit zehn Spielen ungeschlagen – klingt stark.
Wenn man aber viermal in Serie remis spielt, klingt das eher wie:
„Wir verlieren nicht, wir verschieben nur den Titelverlust auf später.“
Austria darf sich über Platz fünf freuen, fühlt sich nach dem Spiel aber trotzdem ein bisschen so, als hätte man in Graz zwei Punkte liegengelassen. Was angesichts der Chancen sogar stimmt.
Und das Titelrennen?
Komplett offen.
LASK vorne, Sturm dahinter, Salzburg lauert, Rapid träumt – und ganz Österreich schaut zu, wie sich die Meistergruppe gegenseitig die Nerven ruiniert.
Fazit:
Sturm wollte zurück auf die Siegerstraße.
Gefunden hat man stattdessen wieder nur die nächste Ausfahrt Richtung Unentschieden.

