Datenschutzbehörde am Limit: Jetzt beschweren sich schon die Chatbots selbst

Datenschutzbehörde am Limit: Jetzt beschweren sich schon die Chatbots selbst

Veröffentlicht

Montag, 27.04.2026
von Red. TB

Die Datenschutzbehörde (DSB) kämpft offenbar nicht mehr nur mit Bürgern, Unternehmen und DSGVO-Verstößen – sondern mittlerweile auch mit einer neuen Spezies des digitalen Zeitalters: hypermotivierten KI-Beschwerdebriefen mit 17 Unterpunkten, drei Fußnoten und einem aggressiv höflichen Verweis auf Artikel 82 DSGVO.

Wie der aktuelle Tätigkeitsbericht zeigt, hat sich die Zahl der Beschwerden aus dem Inland innerhalb von nur zwei Jahren mehr als verdoppelt. Im Vorjahr landeten stolze 5.300 Eingaben auf den Schreibtischen der Behörde – bei unverändertem Personalstand. Oder anders gesagt: Mehr Empörung, gleich viele Beamte.

Besonders auffällig: Immer mehr Beschwerden wirken, als wären sie nicht von empörten Menschen, sondern von einem Chatbot mit Jurastudium, Schlafstörung und latentem Geltungsdrang verfasst worden.

Die DSB erkennt diese modernen Meisterwerke laut Bericht vor allem an zwei Dingen: erstens am epischen Umfang – manche Eingaben lesen sich offenbar wie eine Mischung aus Dissertation, Rachebrief und EU-Amtsblatt – und zweitens daran, dass sie „ausdrücklich und gezielt“ auf einschlägige Bestimmungen der DSGVO Bezug nehmen.

Mit anderen Worten: Während der durchschnittliche Bürger früher schrieb „Die haben meine Daten verschlampt, bitte machen Sie was“, kommt heute eher so etwas wie:
„Unter besonderer Berücksichtigung des unionsrechtlich verankerten Transparenzgebots gemäß Art. 5 Abs. 1 lit. a DSGVO sowie unter Rekurs auf die teleologische Auslegung des Erwägungsgrundes 71 erlaube ich mir, meine tiefe emotionale Erschütterung über den Newsletter-Versand vom 14. März 2026 zur Kenntnis zu bringen.“

Die Behörde zeigt sich wenig begeistert. Diese KI-gestützten Eingaben würden „erhebliche Ressourcen“ binden, heißt es trocken im Bericht. Eine bemerkenswert österreichische Formulierung für: Wir lesen hier täglich 14 Seiten Beschwerde über falsch personalisierte Schuhwerbung.

Und während die Zahl der Eingaben munter explodiert, wird gleichzeitig beim Budget herumgeschnitzt. Nach 6,1 Millionen Euro im Jahr 2025 stehen für 2026 nur noch 5,9 Millionen zur Verfügung. Gespart wird vor allem bei den Sachaufwendungen – was in der Praxis bedeutet: Seit Juli 2025 kann die DSB viele Verwaltungspraktikantinnen und -praktikanten nicht mehr nachbesetzen.

Heißt übersetzt: Weniger Nachwuchs, mehr DSGVO-Epen.

Man könnte also sagen: Die Datenschutzbehörde erlebt gerade das perfekte 2026er-Drama.
Die Bürger beschweren sich doppelt so viel.
Die KI beschwert sich doppelt so eloquent.
Und der Staat spart dort, wo noch jemand die PDFs öffnen könnte.

Wenn das so weitergeht, wird die nächste große Datenschutzverletzung vermutlich sein, dass die DSB selbst aus Verzweiflung ihre Antworten von ChatGPT schreiben lässt.

Bildnachweis:

geralt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 27.04.2026

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